2018 Nahikun Blanco, Sierra de Toloño
2018 Nahikun Blanco, Sierra de Toloño

Wein des Monats: März 2021

92 Punkte
2018 Nahikun Blanco, Sierra de Toloño/Sandra Bravo, DOCa Rioja   

Machen wir uns nichts vor: Es gibt immer noch viel zu wenige weibliche Weinmacherinnen, die mit einem eigenen Betrieb oder ihren oenologischen Skills im Rampenlicht stehen. Zeit, daran etwas zu ändern! Denn nicht nur hierzulande findet man immer mehr ambitionierte Winzerinnen und Kellermeisterinnen, die ihren eigenen Weg gehen – die Beispiele reichen von Frauen am Ruder echter Flagship-Weingüter, etwa Sophie Christmann, Eva Clüsserath, die Näkel-Schwestern Meike und Dörte oder Kathrin Puff (Kloster Eberbach), bis zu mutigen Selfmade-Women mit neu gegründetem Weingut, wie beispielsweise Sarah Hulten, Julia Bertram oder das feminine Mosel-Duo Materne & Schmitt.   

Aber zurück zum Wein des Monats, denn auch in spanischen Gefilden tut sich bei den Frauen einiges. So ließen in jüngster Vergangenheit die Weine von Verónica Ortega (Bierzo), Victoria Ordóñez (Sierras de Málaga) oder Esmeralda García (Rueda) selbst eingefleischte Spanien-Freaks aufhorchen. Die sympathische Jungwinzerin Sandra Bravo wiederum bereichert im Norden der DOCa Rioja mit ihren frischen, geradlinigen Weinen aus alten Reben auf bis zu 700 Metern Höhe den Erzeugerreigen dieses prestigeträchtigen Anbaugebiets.

2012 hat Bravo ihren Betrieb im baskischen Teil der Rioja gegründet und schon jetzt sprechen ihre Weine qualitativ eine deutliche Sprache. Die Trauben für den weißen Nahikun stammen aus fünf über 80-jährigen Mikroparzellen und von diversen alten Sorten wie Viura, Malvasía, Calagraño, Rojal & Co. im Mischsatz. Spontane Gärung im gebrauchten Barrique, wo er für acht Monate ausgebaut wird.
Unser Wein des Monats räumt übrigens mit einem weiteren Klischee auf, denn viele Weinfans glauben immer noch: Rioja kann nur Rotwein. Wer hier einen behäbigen Weißwein-Kraftprotz erwartet, liegt völlig falsch. Ein angenehm dezenter Duft mit Aromen von hellen Blüten und einer floralen Duftigkeit, Jasmin, Linden- und Orangenblüte, Grüner Tee sowie etwas Zitruszeste. Dazu kommt ein Hauch Hefewürze, Birnenschale, weiße Schokolade und Bienenwachs. Am Gaumen setzt sich das ähnlich fort: helle Würze, stoffig ohne schwer zu sein, säuremild und frisch zugleich. Der Nahikun ist ein klarer und straffer Typ mit innerer Spannung, der nach und nach auch mehr von seiner hell-kalkigen Mineralität zeigt. Karaffieren ist hier beinahe ein Muss.

Seine elegante, zurückhaltende Art macht ihn zum Multitalent in puncto Speisebegleitung. Ob Fisch und Seafood in gedämpfter oder gegrillter Form, Gemüseaufläufe, Waldorf-Salat oder Zürcher Geschnetzeltes (unbedingt originalgetreu mit Rösti servieren, auch denen nimmt der Wein durch seine mineralische, feine Art nämlich die Schwere), der Nahikun funktioniert, kontrastiert, begleitet und macht immer ein bisschen anders Spaß. Man sollte nur nicht mehr so lange mit dem Kaufen liebäugeln, denn vom 2018er gibt es gerade mal 1300 Flaschen …

Preis: 27,50 €
Infos: www.sierradetolono.com
Bezugsquelle: www.wein-kreis.de