Pétrus zu Besuch auf der ISS (Foto: dimazel Adobe Stock)
Pétrus zu Besuch auf der ISS (Foto: dimazel Adobe Stock)

Petrus im All

Einer der teuersten Rotweine der Welt, ein 2000er Bordeaux vom Châteaux Pétrus, ist nach einer 438-tägigen Reise in den Weltraum wohlbehalten auf die Erde zurückgekehrt. Inzwischen wurden die zwölf außerirdischen Flaschen im Labor verkostet, analysiert und erforscht, wie französische Medien berichten. Erste Ergebnisse wurden heute vorgestellt.

Durchgeführt wurde das private Weltraumforschungsprogramm mit dem Namen Wise (vitis vinum in spatium experimentia) von Space Cargo Unlimited. CEO Nicolas Gaume und Emmanuel Etcheparre hatten das Start-up-Unternehmen 2014 in Luxemburg gegründet. Gaume hat ebenfalls die Position des Direktors für strategische Partnerschaften bei Microsoft inne. Etcheparre ist der Gründer des sozialen Netzwerks Wine Alley.

Ziel der Weltraum-Mission sei es, die Auswirkungen von Mikrogravitation und Weltraumstrahlung auf die wichtigsten Bestandteile des Weins zu untersuchen.

Unterstützt wurde das Projekt gemäß Angaben von Cnes, ESA, Nasa, Thales Alenia Space und der amerikanischen Firma Nanoracks, die die kostbare Fracht im November 2019 zur ISS geschickt hatten. Von ihrer schwerelosen Reise in 450 km Höhe kehrten die Flaschen am 14. Januar an Bord einer von SpaceX gecharterten Dragon-Kapsel zurück.

Inzwischen sind sie wieder zurück in Bordeaux, wo sie sich u.a. am Institut für Reben- und Weinwissenschaften (ISVV) dem Vergleich mit einem auf dem »Boden gebliebenen« Wein stellen müssen. Das vorläufige Ergebnis: »Einstimmig wurden diese beiden Weine als sehr große Weine bewertet, was bedeutet, dass der Aufenthalt im Weltraum keinen Einfluss auf die Qualität hatte. Es wurden jedoch Unterschiede in der Farbe, der Persistenz der Aromen und des Geschmacks festgestellt«, zitiert La Tribune den Leiter Philippe Darriet der Forschungsabteilung für Önologie am ISVV. »Diese Unterschiede müssen durch die Untersuchung anderer Proben und durch die wissenschaftliche Untersuchung von etwa hundert Komponenten, die den Wein charakterisieren, weiter untersucht werden.«

Die Idee von Space Cargo Unlimited mit sechs Mitarbeitern wird von rund zwanzig Partnerforschern in Frankreich (Bordeaux und Toulouse), Italien (Turin) und Deutschland (Erlangen) unterstützt. Ziel sei es, die Entwicklung des gesamten Zyklus der Rebe und des Weins unter den außergewöhnlichen Gegebenheiten zu studieren und damit langfristig Nutzen für irdische Gegebenheiten zu erreichen.

»Was ich sagen kann, ist, dass die Schwerkraft und das Fehlen der Schwerkraft immer noch schlecht bekannte Phänomene sind, und dieses Wissen ist immer nützlich, besonders in der aktuellen Zeit des Klimawandels. Dass wir uns für Wein entschieden haben ist kein Zufall, denn die Rebe ist eine der ersten Pflanzen, die die Auswirkungen des Klimawandels zu spüren bekommt und darunter leidet«, erklärte Gaume.

In zwei vorherigen Missionen hatte das Start-up bereits Weinzellen und Rebtriebe in den Weltraum geschickt. Aktuell werden sie in Bordeaux zur Forschung kultiviert. Die nächste Wine-in-space-Aktion ist für 2022 geplant und wird sich mit dem Prozess der Weingärung befassen. itp