Der Name »La Grazia« des Ornellaia 2018 steht sowohl für Anmut als auch Gnade (Foto: Thurner PR)
Der Name »La Grazia« des Ornellaia 2018 steht sowohl für Anmut als auch Gnade (Foto: Thurner PR)

Ornellaia präsentiert »La Grazia«

Das Weingut Ornellaia hat in einer Videokonferenz den Jahrgang 2018 und die 13. Edition der »Vendemmia d’Artista« vorgestellt.

Als »nicht einfach und Herausforderung« beschrieb Gutsdirektor Axel Heinz den Jahrgang. Erst das Ergebnis der finalen Cuveetierung habe das Team zur Charakterisierung des Jahrgangs inspiriert: »La Grazia« heißt er, was sowohl mit Anmut als mit Gnade übersetzt werden kann. Beides passt. Die Gnade, dass auf die extremen Wetterkapriolen mit dem regenreichsten Frühling und Frühsommer der Geschichte ab Juli ein warmer, aber nicht zu heißer Sommer folgte. 

»Unser Wetter ist normalerweise sehr trocken, aber weil genügend Wasserreserven vorhanden waren, konnten die Trauben regulär ausreifen«, so Heinz. Er meint, man könne den Jahrgang 2018 mit 2015 vergleichen, aber 2018 sei kühler verlaufen.

Erstmalig in der Geschichte des Ornellaia überwiegt mit 51 Prozent der Anteil an Merlot statt Cabernet Sauvignon, der noch 40 Prozent der Cuvée ausmacht. Das ist aber keine Grundsatzentscheidung für zukünftige Jahrgänge, sondern es hat sich beim Blending ergeben. 

Der Wein, den die Teilnehmer eine Stunde vor der Videokonferenz öffnen sollten, präsentierte sich in Hochform. Die erste Überraschung war seine Zugänglichkeit – trotz der Jugend. Die Feinheit und Reintönigkeit des Aromenspektrums beeindruckt, ebenfalls die Lebendigkeit des Ausdrucks. 

Es beginnt mit roten Früchten, auch Cassis, dazu kommen Zitrusnoten wie Blutorange und Bergamotte, im Hintergrund spielt die Macchia mit, ein wenig Fumé und ein Hauch von Lakritz. Zuerst kommt der Wein leichtfüßig daher, dann öffnen sich peu-à-peu die Schichten. Die Struktur ist vollkommen ausbalanciert, die Tannine zeigen sich dicht und geschmeidig, der Wein ist komplex und elegant, die 14 Grad Alkohol sind praktisch versteckt. »Anmut« beschreibt den Wein perfekt.

Die Künstleredition gestaltete diesmal der Belgier Jan Fabre. Für die drei Salmanazars entwickelte er Skulpturen aus Korallenperlen, die den Flaschenhals krönen. »A Candle of Mercy«, »The Crown of Kindness«, und »The Heart of Virtue« sind in Zusammenarbeit mit einer neapolitanischen Goldschmiede entstanden.

»Ich glaube, dass Kunst ethische Werte und ästhetische Prinzipien verbinden sollte«, erklärte der zugeschaltete Fabre. »Aus diesem Grund habe ich beschlossen, Formen wie Herz, Krone, Kerze und Flügel in den Skulpturen für den Ornellaia 2018 zu verwenden. Sie sind Symbole der Leidenschaft, Tugend und Reinheit, die durch die kleinen Zweige und Perlen aus roter Koralle zum Leben erweckt werden. Und in ›A Candle of Mercy‹ oder ›The Heart of Virtue‹ zerfließen sie, wie der schmelzende Zauber des Weins von Ornellaia.« 

Eine der drei Salmanazars, »The Crown of Kindness«, wird – zusammen mit 111 großformatigen Flaschen – bei der Online-Auktion von Sotheby’s versteigert, die im September 2021 stattfinden wird. Die Lose können von Sammlern aus der ganzen Welt ersteigert werden.

Im dritten Jahr in Folge wird der Erlös für die Unterstützung des von der Solomon R. Guggenheim Foundation ins Leben gerufenen Projekts »Mind’s Eye« gespendet. Dank der 2 Mill. Euro, die bisher auf den Versteigerungen von Ornellaia zusammengekommen sind, konnte das Projekt, das sich der Kunsterfahrung für Sehbehinderte und Blinde widmet, auf Venedig und Bilbao ausgeweitet werden.

Der Ornellaia hat im vergangen Jahr eine fulminante Wertsteigerung erlebt. Im Index »Liv-Ex Power 100«, der im Januar 2021 erschienen ist, schwang er sich von der 91. Position in 2019 auf den Platz Nr. 6 empor. vc