Bordeaux verzeichnet eine der schlechtesten Kampagnen der letzten Jahre (Foto: Szasz-Fabian Jozsef/ Adobe Stock)
Bordeaux verzeichnet eine der schlechtesten Kampagnen der letzten Jahre (Foto: Szasz-Fabian Jozsef/ Adobe Stock)

2021er Kampagne enttäuscht

»Vergleicht man die Verkäufe des 2021er Jahrgangs mit denen aus 2020, so zeigen die Rückmeldungen von Händlern auf der ganzen Welt, dass weit weniger verkauft wurde als im Vorjahr, wobei die Volumen- und Wertverkäufe in einigen Fällen um bis zu 60 Prozent zurückgingen«, so der Londoner Fine-Wine-Spezialist Liv-Ex in seinem Abschlussbericht. Damit sei es eine der schwächsten Kampagnen der letzten Jahre. 

Dabei habe nicht nur die heterogene Qualität und die kleinere Ernte des Jahrgangs die Hauptkriterien für das schlechte Ergebnis geliefert, sondern in erster Linie die geringe Freigabe von Lagerbeständen seitens der Châteaux an den Markt. Diese hätten um 20, 30 oder sogar mehr Prozent unter denen des vergangenen Jahres gelegen. Auch das Tempo der Kampagne war laut Liv-Ex unregelmäßig, unterbrochen durch Messen und Feiertage. »Ein vorhersehbares Chaos«, wie Liv-ex einen Marktteilnehmer zitiert.

Über Liv-ex verkaufte Bordeaux En-Primeurs des gewichtigen britischen Markts (Grafik: Liv-ex)
Über Liv-ex verkaufte Bordeaux En-Primeurs des gewichtigen britischen Markts (Grafik: Liv-ex)

Wenn auch die Qualität von vielen Händlern gegenüber 2020 generell als geringer eingestuft wurde, lagen die Preise durchschnittlich nur um 1 Prozent niedriger als die von 2020, so das Haus. Die allgemeine Bewertung des Jahrgangs 2021 zieht in etwa gleich mit denen von 2017 und 2014. Letzterer eröffnete im Schnitt mit 20 Prozent weniger gegenüber der diesjährigen Kampagne. Der aktuell gehandelte Preis für den 2014er Jahrgang liegt nach Angaben von Liv-ex auch jetzt noch um 17,9 Prozent unter dem Einstiegspreis von 2021. 

Einige der namhaften ersten und zweiten Gewächse verkauften dennoch gut, darunter die Châteaux Lafleur, Calon Ségur, Les Carmes Haut-Brion und Cheval Blanc. Viele der besser verkauften Weine böten einen »fairen Wert« für die Händler, getrübt durch die wenigen freigesetzten Mengen. 
Insgesamt hat die Kampagne 2021 wohl folglich weniger dazu beigetragen den Kaufanreiz für den En-Primeur-Sektor zu steigern, bleibt abzuwarten, welche Rückschlüsse Bordeaux für das nächste Jahr daraus ziehen wird. ITP


 

Ausgabe 13/2022

WEINWIRTSCHAFT 13/2022

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