Sangiovese-Traube (Foto: Meininger Archiv)
Sangiovese-Traube (Foto: Meininger Archiv)

Weniger Sangiovese im Chianti?

Die Region Toskana hat dem Antrag des Konsortiums auf bedeutende Änderungen im Regelwerk für den Chianti DOCG stattgegeben. Die Presseabteilung der toskanischen Landesregierung gab dazu eine überraschende Einzelheit bekannt, die das Konsortium bisher nicht veröffentlicht hat.

Der Mindestanteil an Sangiovese soll in der größten toskanischen Herkunft von 70 auf 60 Prozent reduziert werden, womit sich die Verschnittmöglichkeiten mit allen anderen in der Toskana zugelassenen Rebsorten auf 40 Prozent erhöht und die Wiedererkennbarkeit des Chianti deutlich schrumpfen könnte. Die Produktionsnormen der Unterzone Chianti Colli Senesi werden dementsprechend angepasst, aber sie behalten die Besonderheit höchstens zehn Prozent Cabernet Sauvignon und/oder Cabernet Franc zuzulassen, allgemein ist der Blend mit bis zu 15 Prozent Cabernets erlaubt. Des weiteren gab die Region der Einführung der Unterzone »Terre di Vinci« grünes Licht sowie der Erhöhung des Mindestalkoholwerts um einen halben Grad auf 12 Prozent.

Das Konsortium hatte ebenfalls Anspruch auf die Einführung einer Gran Selezione angemeldet, was schon bei Antragstellung im November 2019 für einen Riesenkrach mit dem Konsortium des Chianti Classico sorgte. Der Schwarze Hahn hatte die Spitzentypologie als erste DOCG im Jahr 2014 eingeführt.

Die Regierung der Toskana legt die Entscheidung über diesen Antrag auf Eis. »Bei den Anhörungen des Weinsektors der Region konnte kein Konsens über den Vorschlag zur Aufnahme des Begriffs ›Gran Selezione‹ erzielt werden. Die Regierung der Region, auch gemäß der Anweisung des Ministeriums für Landwirtschafts-, Ernährungs- und Forstpolitik, hielt es nicht für angebracht, eine Stellungnahme abzugeben, solange das vom Konsortium Chianti Classico eingeleitete Verfahren zur Erlangung des ausschließlichen europäischen Schutzes für den traditionellen Begriff ›Gran Selezione‹, das derzeit bei demselben Ministerium anhängig ist, nicht abgeschlossen ist«, heißt es in der Stellungnahme. Alle Änderungen des Regelwerkes müssen noch vom Agrarministerium in Rom und von der zuständigen EU-Kommission abgesegnet werden, bevor sie in Kraft treten können.  VC
 

Ausgabe 9/2022

WEINWIRTSCHAFT 09/2022

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