Artur Steinmann, Präsident des fränkischen Weinbauverbands
Artur Steinmann, Präsident des fränkischen Weinbauverbands

Weiterer Aderlass

Vor Jahren undenkbar in der deutschen Weinbranche, vollzieht sich in rasender Geschwindigkeit eine Neustrukturierung des deutschen Weinbaus. Nachdem am Montag, 22. Juni, der Deutsche Raiffeisenverband (DRV) und drei im Weinbau tätige, genossenschaftliche Regionalverbände ihre Mitgliedschaft beim Deutschen Weinbauverband (DWV) zum Jahresende aufgekündigt haben, folgte heute mit einer Erklärung des Präsidiums die Kündigung des Fränkischen Weinbauverbands mit Wirkung zum Jahresende. 

Die zuvor eingegangene Stellungnahme von Klaus Schneider, Präsident des  Deutschen Weinbauverbands, der sein Bedauern über das Ausscheiden der genossenschaftlichen Verbände geäußert hatte, war noch ganz warm, da flatterte fast zeitgleich die Erklärung der Franken auf den Tisch. 

Wie die genossenschaftlichen Verbände als Grund für die Kündigung angaben, in weinbaupolitischer-, bezeichnungsrechtlicher und verbandspolitischer Hinsicht nicht ausreichend vertreten zu sein, sind das auch für den Fränkischen Weinbauverband die Beweggründe das gemeinsame Dach des deutschen Weinbauverbands zu verlassen. 

»Wir waren in letzter Konsequenz immer das fünfte Rad am Wagen und hatte das Gefühl nicht ernst genommen zu werden«, äußerte sich Artur Steinmann, Präsident des Fränkischen Weinbauverbands im Gespräch mit der WEINWIRTSCHAFT. 

Steinmann und das Präsidium des Verbands monieren vor allem, dass die Vorgänge um die Weingesetzgebung seit 2019 gezeigt hätten, dass inzwischen alle Bundesländer als »weinbautreibende Bundesländer« hätten betrachtet werden müssen. Man hätte diese neuen Mitspieler mitnehmen und in den Entscheidungen stärker berücksichtigen müssen. Die sogenannten »Heilbronner Beschlüsse«, in denen vor allem den Genossenschaften längere Übergangsfristen, etwa in Fragen der Lagenbezeichnungen und des Übergangs vom germanischen ins romanische Weinrecht zugesagt wurden, seien nicht konsequent oder nur halbherzig  verfolgt worden, kritisierte Steinmann. »Eine komplette Umstellung der Vermarktung innerhalb von zwei bis drei Jahren sei den Betrieben nicht zuzumuten«. Auch seien von EU-Seite niemals solche Forderungen gestellt worden, stattdessen haben man sich zu leicht den Vorstellungen des Bundesministeriums gebeugt.

Steinmann betonte jedoch, dass man nicht im Groll auseinandergehe. »Man begegnet sich im Leben immer zweimal«, und es gäbe sicher viele Punkte in denen man weiter zusammenarbeiten werde. Der Fränkische Weinbauverband sehe nun Chancen für neue Allianzen. Man werde die Zusammenarbeit mit Baden-Württemberg, Sachsen und der sogenannten Südostschiene stärken, zudem sei der Fränkische Weinbauverband mit dem Verband der Bayerischen Wirtschaft, dem effektiv arbeitenden bayerischen Landwirtschaftsministerium und weiteren Organisationen gut vernetzt, so dass eine effektive Verbandsarbeit gewährleistet sei, betonte Steinmann. HP

Ausgabe 15/2021

WEINWIRTSCHAFT 15/2021

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