China vs. Australien (Bild: JustLife, stock.adobe.com)
China vs. Australien (Bild: JustLife, stock.adobe.com)

Stoppt China Importe aus Australien und Neuseeland?

China hat den Import sämtlicher Produkte aus dem Bereich Landwirtschaft, Milchprodukte, Fleisch und Wein aus Australien und Neuseeland gestoppt. Dies meldet das Branchenmedium Vino Joy mit Sitz in Hong Kong unter Berufung auf die China Federation of Logistics and Purchasing (CFLP). 

Eine offizielle Bestätigung des Importstopps durch die chinesische Regierung steht bislang aus. Chinesische Medien berichten von der Angst vor der Maul-und-Klauen-Seuche als möglichem Grund für einen Importstopp – warum Weine dann ebenfalls betroffen sein sollten, bleibt unklar. Ebenso heißt es von offiziellen Stellen aus Australien und Neuseeland, die Exporte liefen weiter wie bisher.

WEINWIRTSCHAFT hat bei Wine Australia nachgefragt, auch von dieser Seite kann die Information noch nicht bestätigt werden, da bislang keine offiziellen Stellungnahme oder Verfahrensanweisungen seitens der chinesischen oder australischen Regierung vorlägen.

Sollte eine offizielle Bestätigung der chinesischen Regierung bezüglich des Importstopps erfolgen, hätte der Handelskrieg zwischen China und Australien eine neue Eskalationsstufe erreicht und mit Neuseeland ein drittes Land miteinbezogen. Auch wenn Neuseelands Weinexporte in China nicht ganz so präsent waren, wie in der Vergangenheit diejenigen aus Australien, so habe das Land doch im vergangenen Jahr Produkte im Wert von 22,83 Mrd. US-Dollar (ca. 22,38 Mrd. Euro) nach China exportiert, der Großteil davon Milchprodukte und Lammfleisch, heißt es.

Im November 2020 hatte China Zölle in Höhe von 212 Prozent auf Australischen Wein verhängt. Als Auslöser galt eine Forderung Australiens nach Untersuchungen zum Ursprung der Coronapandemie, wenngleich China eine andere Begründung anführte. So hieß es, Australiens Regierung würde die Weinexporte subventionieren, weshalb China die eigene Weinwirtschaft  vor derlei »Dumping«-Methoden schützen müsse (WEINWIRTSCHAFT berichtete). Die Zölle waren urspünglich für vier Monate verhängt worden, im März 2021  legte China dann nach und verhängte Importzölle von bis zu 218 Prozent auf australische Weine und andere landwirtschaftliche Erzeugnisse – diesmal terminiert für die nächsten fünf Jahre.

Jetzt ist offenbar mit dem kompletten Importstopp ein neues Level im Handelsstreit erreicht. Wieso nun auch Neuseeland betroffen ist, das in der Vergangenheit stets um eine neutrale Haltung zu China bemüht war und deshalb beispielsweise auch keine diplomatischen Beziehungen zu Taiwan unterhalten hat, geht aus den bisherigen Informationen nicht hervor. Australien hatte versucht, rechtlich gegen die chinesischen Einfuhrzölle vorzugehen, während große australische Weinkonzerne wie Casella (Yellow Tail) andere Wege gesucht hatten, die Handelsrestriktionen zu umgehen (WEINWIRTSCHAFT berichtete). VM

Ausgabe 19/2022

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