Mit La Gaffelière verlässt das nächste Schwergewicht die Klassifikation von Saint-Emilion
Mit La Gaffelière verlässt das nächste Schwergewicht die Klassifikation von Saint-Emilion

St.-Emilion ohne Crus

Mit Château La Gaffelière hat das nächste Top-Weingut angekündigt, nicht mehr an der in diesem Jahr stattfindenden Klassifikation der Grands Crus in St.-Emilion teilzunehmen. Die Inhaberfamilie Malet-Roquefort wird in britischen Medien so zitiert, dass sie ihre Werte nicht mehr in den neuen Kriterien der Klassifikation wiederfinde.

Bisher ist Château La Gaffelière als eins von 14 Weingütern in der zweithöchsten Kategorie Premier Grand Cru Classé B eingestuft. In den letzten Monaten hatten bereits drei von 4 Châteaux der höchsten Kategorie ihren Abschied erklärt. Erst kündigten Ausone und Cheval Blanc, Anfang des Jahres folgte Angélus. Seitens La Gaffelière zeigte man sich auch mit den Bewertungen seiner Weine im Rahmen der Klassifizierung unzufrieden, die in keinem Zusammenhang mit internationalen Bewertungen der letzten Jahre stünden.

Auch wenn der Fall La Gaffelière besonders liegen mag und man einer prestigeschädigen Zurückstufung zuvorkommen wollte, verliert das System der St.-Emilion Grands Crus ein weiteres Schwergewicht. Aktuelle Jahrgänge von La Gaffelière werden meist zwischen 75–80 Euro gehandelt. Die fehlende Unterstützung der Top-Châteaux untergräbt letztlich den Wert der gesamten Klassifikation, die in den letzten Jahren ohnehin Gegenstand zahlreicher langwieriger und oft gerichtlicher Auseinandersetzungen war und nicht zur Ruhe kommt. 

Château La Gaffelière ist nicht mit dem ebenfalls bisher als Premier Grand Cru Classé B eingestuften Château Canon La Gaffelière in Besitz des deutschen Stephan von Neipperg zu verwechseln. CG
 

Ausgabe 19/2022

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