Château Figeac ist 2022 auf höchster Stufe klassifiziert (Foto: Château Figeac)
Château Figeac ist 2022 auf höchster Stufe klassifiziert (Foto: Château Figeac)

Saint-Émilion hat entschieden

Die neue Klassifizierung 2022 der Weingüter von Saint-Émilion in Bordeaux steht. Am 8. September wurde sie vom nationalen Ausschuss für AOP-Weine des Instituts National de l’Origine et de la Qualité (INAO) angenommen. 

Die Karten wurden in dieser Wahl neu gemischt: Nachdem mit Châteaux Angelus, Cheval Blanc und Ausone drei der bisher vier Premier Grands Crus Classés A klassifizierten Weingüter ihre erneute Kandidatur abgelehnt hatten, wurde nun erstmalig Château Figeac in diesen Status erhoben. Letztere konnten sich bei der Qualifizierung von 2012 nicht durchsetzen, was bereits damals zu Kontroversen geführt hatte. Damit sind es 2022 zusammen mit Château Pavie, das sich erneut qualifizieren konnte, nur noch zwei Châteaux, die den A-Status besitzen. 

Insgesamt wurden 14 Châteaux als Premiers Grands Crus Classés ausgezeichnet und 71 mit dem Status Grands Crus Classés. Bei der letzten Klassifizierung von 2012 gab es noch 18 Premiers Grands Crus Classés und 64 Grands Crus Classés Châteaux. 

Die Klassifizierung, die alle 10 Jahre erneuert wird, deren Modalitäten der Qualifikation und auch des Auswahlverfahrens waren schon lange in die Kritik geraten und fanden mit dem Austritt der o.g. Kultweingüter ihren vorläufigen Höhepunkt. Auch das 2012 als Premier B-qualifizierte Château Gaffelière hatte nicht mehr kandidiert. 
Etliche Châteaux hatten wiederum seit der Klassifizierung von 2012 gegen ihren Ausschluss oder Nicht-Ernennung geklagt (wir berichteten), und man rechnet in Saint-Émilion wohl auch nach der diesjährigen Klassifizierung mit weiteren Verfahren.

Veränderte Modalitäten

Die Richtlinien der Qualifikation wurden in diesem Jahr modifiziert. 50 Prozent der Gesamtnote eines Weinguts wurden bei einer Blindverkostung durch ein unabhängiges Gremium vergeben (2012 waren es nur 30%). Dies geschieht innerhalb beider Klassen. Für die Stufe Grands Crus Classés werden des Weiteren 20 Prozent für u.a. nationale und internationale Reputation, eigene Werbe- und Weintourismusaktivitäten zu Grunde gelegt. 20 Prozent wurden für das Terroir und 10 Prozent für Weinbereitungs- und Weinbautechniken sowie Alterungspotenzial vergeben. Verkostet wurden die Jahrgänge 2010 bis 2019. Das Endergebnis musste 14 von 20 möglichen Punkten betragen.

Will ein Weingut als Premier Grand Cru Classé eingestuft werden, muss es zuerst die Stufe der Grands Crus erreichen, obwohl es auch möglich ist, innerhalb derselben Bewertung das nächste Level zu erreichen. Neben der 50-Prozent-Punkte-Vergabe, zählen hier 35 Prozent für Reputation und Werbeaktivitäten, 10 Prozent für das Terroir, und 5 Prozent für Weinbereitung und Alterungsbedingungen. Verkostet wurden insgesamt 15 Jahrgänge, von 2005 bis 2019. Die Gesamtpunktzahl muss mindestens 16 von 20 betragen. Verkostet wurden die Jahrgänge 2005–2019. Die Kommission entscheidet darüber, ob die weitere Unterscheidung von Premier Grand Cru Classé A oder B von Reputation und Alterungsfähigkeit abhängt. ITP

Ausgabe 24/2022

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