Der kroatische Prošek ist ein Süßwein, der insbesondere auf der Insel Hvar hergestellt wird (Foto: Mario Hlaca)
Der kroatische Prošek ist ein Süßwein, der insbesondere auf der Insel Hvar hergestellt wird (Foto: Mario Hlaca)

Neue Aufregung über Prošek

Die italienischen Weininstitutionen empören sich erneut über die eventuelle Anerkennung des Begriffs »Prošek« auf EU-Ebene, weil sie Wettbewerbsnachteile für den Prosecco und Verwirrung auf den Märkten befürchten. Der Streit hat eine lange Geschichte. 

Mit dem EU-Beitritt am 1. Juli 2013 war Kroatien die Verwendung der Bezeichnung »Prošek« auf EU-Märkten wegen der Ähnlichkeit zum Wort Prosecco untersagt worden, wogegen Kroatien im Sommer 2021 offiziell Einspruch erhoben hatte. Dieser Einspruch löste bei den Konsortien und Verbänden bereits ein Sturm im Proseccoglas aus. Nun scheint die Anerkennung des Süßweins aus getrockneten Trauben, der seit Urzeiten in winziger Auflage in Dalmatien und speziell auf der Insel Hvar hergestellt wird, näher gerückt. Die Nachrichtenagentur ANSA veröffentlichte die Antwort der EU-Kommission auf eine dringende Anfrage der italienischen EU-Abgeordneten Mara Bizzotto (Lega) zum Thema. 

Demnach wird die Europäische Kommission den Antrag der kroatischen Behörden auf Eintragung des traditionellen Begriffs »Prošek« im Amtsblatt der EU veröffentlichen. »Angesichts dieser verrückten Entscheidung der EU sind wir bereit auf die Barrikaden zu gehen, um den italienischen Prosecco auf jede Art und Weise zu verteidigen, denn es muss jedem klar sein, dass der einzig wahre Prosecco, der ist, der in unserem Norditalien hergestellt wird«, zitierte die Agentur die Politikerin aus Bassano del Grappa.

Das Agrarministerium läßt verlauten: »Die Entscheidung der Europäischen Kommission über die Anerkennung der geschützten geografischen Angabe des kroatischen Weins Prošek ist falsch. Das Ministerium hat sich bereits gegen diese Anerkennung ausgesprochen und wird alle zweckdienlichen Argumente anführen, um Kroatiens Antrag auf Eintragung abzulehnen«. 

Auch die Unione Italiana Vini und der Verband Federdoc rasseln mit den Säbeln, um den Prosecco gegen eine vermeintliche Verwechslung mit dem Prošek zu schützen. Allerdings geht es noch nicht um die Anerkennung des Prošek, sondern erst um den Antrag auf Anerkennung. Nach der Veröffentlichung des Antrags im Amtsblatt haben Italiens Behörden zwei Monate Zeit, um eine fundierte Gegenargumentation einzureichen. VC
 

Ausgabe 18/2021

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