Der Absatz der Mehrweg-Literflaschen ging in den letzten Jahren stetig zurück (Foto: Franz Haas)
Der Absatz der Mehrweg-Literflaschen ging in den letzten Jahren stetig zurück (Foto: Franz Haas)

Mehrweg-Initiative für Weinflaschen

Der baden-württembergische Genossenschaftsverband (BWGV) koordiniert ein Projekt zur Einführung eines Mehrweg-Kreislaufs für 0,75-Literflaschen. Die Initiative zu dem Projekt kam im Januar von der Südglas eG in Breisach. Auch  die im Spülen von Literflaschen erprobte WSG aus Möglingen sowie 17 Erzeuger und Handelspartner sind mit an Bord. Wissenschaftlich begleitet wird das Projekt vom DLR in Neustadt/Weinstraße.

»Es ist wichtig, dass wir Bottom-Up vorgehen«, so Projektkoordinatorin Ute Bader vom BWGV. Es gehe darum, konkrete Anforderungen aus der Praxis empirisch zu begleiten. Hintergrund des Projekts sind in erster Linie Nachhaltigkeitsgedanken. »Neben der Problematik mit den Glasflaschen sind alle anderen Nachhaltigkeits-Maßnahmen, die wir in der Weinwirtschaft unternehmen, Peanuts«, blickt Bader auf den CO₂-Fußabdruck. 

Bader ist optimistisch, mit dem Projekt Erfolg zu haben: »Wenn jemand Mehrweg kann, dann wir in Baden-Württemberg, weil wir das Know-how bereits besitzen.« Der Projektplan sieht vor, bereits 2023 Praxis-Tests durchzuführen. Insgesamt soll das Projekt bis 2024 laufen. Bis dahin gilt es jedoch noch einige Herausforderungen zu meistern.

Ein zentraler Punkt wird die Auswahl der Flaschenformen sein. Mehr als vier verschiedene Formen seien nach Ansicht von Bader kaum handelbar. Den Projektverantwortlichen schwebt auch vor, das Gewicht der Mehrwegflaschen auf 400 Gramm zu reduzieren, um den CO₂-Fußabdruck noch weiter zu verbessern. Allerdings muss zuvor geklärt werden, wie viele Spülumläufe solche leichteren Flaschen verkraften.

Ein weiterer Punkt ist die Optik der Mehrwegflaschen. So könnten mit der bisherigen Technik keine Longcap-Verschlüsse eingesetzt werden. Zudem falle das Aussehen der Glasflaschen nach mehrfacher Nutzung gegenüber Neuglas-Konkurrenz ab. Das Projekt müsse also auch überlegen, wie der nachhaltige Vorteil der Mehrwegflaschen kommuniziert werden könne. Zudem gelte es auszuschließen, dass es Trittbrettfahrer gebe, deren nicht für das System konzipierte Flaschen z.B. im Mehrweg-Umlauf landeten und dessen Effizienz schädigten.

Das Projekt befasst sich zusätzlich mit alternativen Verpackungen wie BiB und Kegs. »Wir wollen in alle Richtungen denken«, so Bader. Dazu gehört auch der Kontakt mit einer Mehrweg-Initiative aus Württemberg. Dort sei man früher gestartet, gibt Bader zu und betont direkt: »Wir sind keine Antagonisten.«  CG 

Ausgabe 24/2022

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Trentino

Trotz Alpen-Panorama schlägt die Marke die Herkunft

Rhône

Starke Konkurrenz, klare Ziele
 

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