Die EU hat über die künftige Behandlung von Alkohol abgestimmt (Foto: Adobe Stock/Oliver Boehmer)
Die EU hat über die künftige Behandlung von Alkohol abgestimmt (Foto: Adobe Stock/Oliver Boehmer)

Keine drastischen Warnhinweise auf Wein

Mit 666 Ja-Stimmen, 20 Nein-Stimmen und 6 Enthaltungen hat der EU-Plan zur Krebs-Bekämpfung das Parlament passiert. Für die Weinbranche wird die Abstimmung Konsequenzen nach sich ziehen. Wahrscheinlich ist nun: Gesundheitshinweise auf alkoholischen Getränken werden kommen, inklusive einer Kennzeichnungspflicht für Nährwertangaben. So gravierend wie befürchtet wird es aber nicht werden.

Dies ist verschiedenen Änderungsanträgen zu verdanken, allen voran der EU-Abgeordneten Dolors Montserrat (Katalonien) und Herbert Dorfmann (Südtirol), die beide aus Weinregionen stammen und für die konservative EVP im Parlament sitzen. 

Aus der ursprünglichen Formulierung »Kennzeichnung von alkoholischen Getränken durch zusätzliche Gesundheitswarnhinweise[n]« wurde so im finalen Papier der Wortlaut »Informationen über einen moderaten und verantwortungsvollen Alkoholkonsum«. Konkrete Warnhinweise bzw. eine ähnlich drastische Markierung wie auf Zigarettenschachteln  à la »Alkohol ist tödlich« wird es also nicht geben. Denkbar ist stattdessen, dass Label mit dem Appell »Drink in moderation« oder ähnlichem versehen werden müssten.

Weniger Werbung, mehr Steuern?

Auch die Regelungen für Werbung für alkoholische Getränke sollen verschärft werden. Dabei steht vor allem das Internet im Fokus. So sollen »Minderjährige unter anderem in der digitalen Umgebung vor auf den Alkoholkonsum ausgerichteten Werbebotschaften sowie vor Produktplatzierungen und Sponsoring durch Alkoholmarken geschützt werden« und Werbung soll »weder speziell an Minderjährige gerichtet sein noch den Alkoholkonsum fördern«. 

Das lässt natürlich viele Spekulationen zu, wie genau die künftigen Werberichtlinien ausgestaltet werden. In jedem Fall aber wird an vielerlei Stellen im Internet kaum mehr Spielraum für die Promotion von entsprechenden Brands sein. Auch Sportveranstaltungen sollen nicht mehr von alkoholischen Getränkeanbietern gesponsort werden dürfen, wenn daran »hauptsächlich« Minderjährige teilnehmen. Auch hier wurde per Änderungsantrag aus einem generellen Verbot die abgeschwächte Variante, mit der Jugendliche geschützt werden sollen.

Vor Steuererhöhungen wird die Branche womöglich nicht gefeit bleiben. Im Kampf gegen Krebs empfehlen die Abgeordneten die »Rechtsvorschriften der EU zur Alkoholbesteuerung« zu überarbeiten, »einschließlich der Erwägung, die Steuern auf alkoholische Getränke zu erhöhen«.

Keine pauschale Verurteilung von Alkohol

Der aus Erzeugersicht wohl wichtigste Grundsatzsieg wurde in letzter Minute ebenfalls errungen. Denn in der ersten Fassung sollte im Text explizit darauf hingewiesen werden, dass es laut der WHO und verschiedener Studien »keinen unbedenklichen Alkoholkonsum gibt, wenn es gilt, Krebs vorzubeugen«.

Weinerzeugern war besonders dieser Passus ein Dorn im Auge, stellte er doch jeglichen Alkoholkonsum gleich, egal in welchem Maße getrunken wird. Nun wird aber eine Unterscheidung von moderatem Alkoholkonsum und Missbrauch möglich gemacht. 

So heißt es nun stattdessen: »wonach es am sichersten ist, gar keinen Alkohol zu konsumieren, wenn es gilt, Krebs vorzubeugen«. An anderer Stelle ist zudem nicht mehr von Alkoholkonsum generell die Rede, sondern nurmehr von »schädliche[m] Alkoholkonsum«.

»Wir begrüßen die Annahme des geänderten Berichts. Der angenommene Text unterscheidet nun grundsätzlich zwischen schädlichem und maßvollem Konsum. Außerdem wird empfohlen, den Verbrauchern Informationen über maßvollen und verantwortungsvollen Alkoholkonsum zur Verfügung zu stellen, anstatt die Verwendung ungerechtfertigter Gesundheitswarnungen zu fördern«, kommentiert Christian Schwörer, Generalsekretär des Deutschen Weinbauverbands (DWV).

Weiterhin Ungewsissheit

Gegenüber WEINWIRTSCHAFT ergänzt er: »Wir wissen zwar noch nicht, in welcher Form die Aufklärung auf den Etiketten stattfinden wird, aber wir empfehlen der Branche seit je her, sich der Kampagne ›Wine in moderation‹ anzuschließen. Die Erzeuger sind in der Pflicht, über den moderaten Alkoholgenuss aufzuklären.« Deutschland sei diesbezüglich bisher in privilegierter Position, in anderen Ländern der EU seien Hinweise auf Flaschen, etwa das Bild der durchgestrichenen schwangeren Frau in Frankreich, längst üblich.

Auch der Zusammenschluss der europäischen Weinregionen, AREV, freut sich über den Ausgang der Abstimmung: Präsident Emiliano García-Page kommentierte, dass »heute ein großartiger Tag für dieses immense Produkt und diese enorme Kultur« sei, die die Weinindustrie auf europäischer Ebene darstelle.

Inwieweit all dies nun bei der Ausgestaltung von neuen gesetzlichen Grundlagen durchschlagen wird, bleibt abzuwarten. »Ein Kommissionsvorschlag liegt noch nicht vor – vor diesem wird es, wie immer bei Gesetzesvorschlägen der Kommission, mehrere Konsultationen mit den EU-Staaten, Interessenvertretern und Bürgerinnen und Bürgern geben, um mögliche Optionen zu prüfen«, heißt es von Kommissionseite gegenüber WEINWIRTSCHAFT. Tatsächliche Gesetzesvorlagen sind voraussichtlich erst 2023 zu erwarten, wie aus EU-Kreisen zu vernehmen ist.

Bis 2025 will die EU mit ihrem Krebs-Bekämpfungsplan den »schädlichen Konsum von Alkohol um mindestens 10 Prozent« verringern. aw

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Ausgabe 2/2023

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