Vermentino- bzw Rolle-Trauben bei der Lese in der Provence. Hier dürften sie auch zur Rosé-Herstellung genutzt werden. (Foto: barmalini, stock.adobe.com)
Vermentino- bzw Rolle-Trauben bei der Lese in der Provence. Hier dürften sie auch zur Rosé-Herstellung genutzt werden. (Foto: barmalini, stock.adobe.com)

Kein 2022er Vermentino – aus Frankreich

Laut internationalen Fachmedien reagieren Winzer aus Südfrankreich entrüstet darauf, dass sie in diesem Jahr keinen Vermentino mehr produzieren dürfen. Natürlich dürfen Sie die Traube weiterhin an- und ausbauen, auf dem Etikett darf der italienische Name sich aber nicht wiederfinden.

Das Verbot ist dabei nicht neu, kommt aber erst jetzt zur Wirkung. Begründet wird es mit dem Schutz der italienischen Herkünfte Vermentino di Sardegna DOC und Vermentino di Gallura DOCG. Italienische und französische Fachmedien berichten darüber, dass die Integration der Rebsorte in den Herkunftsnamen es Italien auf Basis der EU-Richtlinien von 2018 bezüglich Etikettierung und geschützten Ursprungsbezeichnungen ermöglicht, den Namen der Rebsorte schützen zu lassen. Lediglich Weine aus Italien, Australien, den Vereinigten Staaten von Amerika und Kroatien sollen mit dem Namen der Rebsorte Vermentino vermarktet werden dürfen.

In Südfrankreich wird ähnlich viel Vermentino angebaut, wie in Italien, allerdings wird hier oft das französische Synonym »Rolle« verwendet. Zudem werden die Weine in Frankreich oft in Cuvées verschnitten, so dürfen beispielsweise die weißen Vermentino-Trauben (gemeinsam mit roten Trauben) anteilig für die Produktion von Provence-Rosé verwendet werden, müssen allerdings gemeinsam vergoren werden (ähnlich dem deutschen Rotling oder Schillerwein).

Kurioserweise wird in mehreren von der EU-Kommission abgesegneten Lastenheften südfranzösischer Herkünfte (z.B. IGP Var oder AOP Côteaux du Languedoc) unter den wichtigsten Rebsorten Vermentino aufgelistet – zuerst unter diesem Namen, dann als Synonym Rolle. Allerdings trifft diese Spezifikation keine explizite Aussage über den Einsatz von Vermentino als Rebsortenwein.

Südfranzösische Erzeuger, die Wein mit dem Rebsortennamen Vermentino vermarkten, sind von dem italienischen Schutz wenig begeistert. Ihre Anzahl dürfte aber überschaubar sein, da Vermentino in Frankreich meist in Cuvées eingesetzt wird.

Interessant wird sein, ob auf Basis dieser Entscheidung mehr Herkunftsländer versuchen werden, sich bestimmte Rebsorten schützen zu lassen. VM/CG

Ausgabe 23/2022

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