Francesco Lollobrigida, Italiens neuer Agrarminister
Francesco Lollobrigida, Italiens neuer Agrarminister

Italiens neues Agrarministerium

Italiens neue Regierung unter Premierministerin Giorgia Meloni hat Francesco Lollobrigida zum Agrarminister bestellt und gleichzeitig das Ministerium umgetauft. Es heißt nun Ministerium für Landwirtschaft und Ernährungssouveränität, analog zum französischen Ministère de l’Agriculture et de la Souveraineté alimentaire.

Der 50-jährige Francesco Lollobrigida ist nicht nur ein enger Parteifreund von Giorgia Meloni, sondern auch ihr Schwager. Er ist mit ihrer Schwester Ambra verheiratet. Der Nachfolger von Stefano Patuanelli (Movimento 5 Stelle) hat in seiner politischen Karriere bisher noch keine Posten im Bereich der Landwirtschaft besetzt und zählt gemeinsam mit Giorgia Meloni zu den Gründungsmitgliedern der postfaschistischen Regierungspartei Fratelli d‘Italia. Francesco Lollobrigida, Großneffe von Gina Lollobrigida, ist über die stramm rechte Politikerlaufbahn hinaus als Unterstützer von Theraphiezentren für Suchtkranke bekannt. 

Ausgerechnet über dieses Engagement ergibt sich eine Verbindung zum Wein. Er hat mit der Comunità San Patrignano, dem größten Drogen-Rehabilitationszentrum Europas zusammen gearbeitet, dem auch ein angesehenes Weingut angeschlossen ist. Als neuer Minister hat er sich noch nicht konkret zum Weinbau geäußert, aber Stellung zu seiner Landwirtschaftspolitik bezogen.

Bisher sprach er sich gegen EU-Labels für Lebensmittel wie Nutriscore ausgesprochen, er sei gegen die Einführung »jeglicher Produktklassifizierungsinstrumente zum Nachteil der italienischen Agrar- und Ernährungswirtschaft«. Zudem fordert die Regierung eine Aufhebung der Begrenzung der Brachflächen mit einem klaren strategischen Anbauplan für eine Million Hektar Ackerland. Die von der EU vorgesehenen 200.000 Hektar Brachland würden für Italien nicht reichen.

Außerdem will sich die neue Regierung gegen Fälschungen italienischer Lebensmittelprodukte einsetzen, womit Italien Milliarden Euro jährlich verliert. »Die Landwirtschaft ist eine Säule unserer Nation und unser Ziel ist es, die Agrarwirtschaft vor Angriffen zu bewahren, indem wir die Versorgungskette und das Konzept der ländlichen Kultur schützen«, so Lollobrigida gegenüber italienischen Medien. 

Die neue Regierung werde in Forschung und Schutz der biologischen Vielfalt investieren und die Koordinierung mit den europäischen Institutionen fördern. Gleichzeitig forderte er eine Reform der europäischen Agrarpolitik, um »Europas Abhängigkeit vom Rest der Welt im Lebensmittelbereich zu begrenzen«. 

Auch die die Kluft zwischen den Produktionskosten und dem Verkaufspreis der Waren solle verringert werden. Italiens Weinsektor ist gespannt, auf welche Weise seine Positionen im Weinbau umgesetzt werden. VC

Ausgabe 24/2022

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