Die Wahl der deutschen Weinkönigin erinnert immer noch stark an klassische Misswahlen. Monika Reule will das Format modernisieren (Foto: Angelika Stehle (DWI))
Die Wahl der deutschen Weinkönigin erinnert immer noch stark an klassische Misswahlen. Monika Reule will das Format modernisieren (Foto: Angelika Stehle (DWI))

»Grundrauschen zum deutschen Wein«

Monika Reule steht seit 2007 an der Spitze des Deutschen Weininstituts (DWI), Deutschlands wichtigster Vermarktungsorganisation. Mit WEINWIRTSCHAFT spricht sie über alkoholfreien Wein, höhere Abgaben und Frauen in Wein-Gremien.

Wie besorgt sind Sie um den Absatz deutscher Weine durch die aktuell brisante wirtschaftliche Lage? 
Was da jetzt an Kostensteigerungen kommt, das macht mir natürlich große Sorgen. Die Menschen merken die Verteuerung der Lebensmittel und der Energiekosten und irgendwann verzichtet man auf das, was man nicht mehr unbedingt braucht. Und da zählt Wein eben dazu. Wein ist so gesehen ein Luxusprodukt. Mancher argumentiert, dann würden die Leute eben zum billigeren Wein greifen. Aber es gibt Menschen, die kaufen schon im Basissegment – und die leisten sich dann gar keinen Wein mehr. Die, die ohnehin im oberen Preissegment kaufen, betrifft es natürlich kaum. Aber die werden das wegbrechende Basisgeschäft nicht ausgleichen können.

Ich fürchte, das wird uns noch ganz lange weiter verfolgen, ganz unabhängig vom Krieg, einfach weil die Warenströme gestört sind. Es sind ja nicht nur die unmittelbaren Kosten wie Flaschen, Kapseln, Etiketten und Co., sondern auch Dinge in der Produktion, also Düngemittel, Phosphat, Pflanzenschutzmittel. Vieles davon wird ja in der Ukraine hergestellt. Und selbst wenn der Krieg zu Ende ist, wissen wir nicht, wie die Infrastruktur geschädigt ist. Irgendwann müssen die Preise an den Verbraucher weitergegeben werden. Da wird der Handel nicht mehr drum herumkommen.

Monika Reule (Foto: DWI)
Monika Reule (Foto: DWI)

Was bedeutet das für das DWI?
Wir sehen die Herausforderungen und diskutieren im Moment: Wo muss das Gemeinschaftsmarketing künftig hin? Direkt in den Markt können wir nicht eingreifen, wir verkaufen ja keinen Wein. Wir schüren durch unser Marketing das Interesse für den deutschen Wein, wir erhalten ein Grundrauschen zum deutschen Wein in der Medienlandschaft aufrecht. Einfach indem wir Themen spielen wie Wein zum Spargel, oder indem wir Pressereisen anbieten. Das ist die Arbeit, mit der wir der Weinbranche die Basis bereiten, damit sie ihre Produkte absetzen kann. Das wird oft von der Weinwirtschaft selbst gar nicht so honoriert. 

Große aktuelle Themen sind derzeit Regionalität und Nachhaltigkeit, also dass unsere Produkte hier vor Ort erzeugt werden, ohne große Transportkosten. Wobei: Bei der Nachhaltigkeit sind wir im Moment recht zurückhaltend, damit direkt in die Kommunikation zu gehen. Wir müssen eigentlich erst mal festlegen: Was ist denn Nachhaltigkeit im Weinbau? Klar, das sind die berühmten drei Säulen, aber die Branche muss für sich konkret definieren: »Was ist für uns nachhaltig?« 

Aber es gibt ja bereits Anbieter wie Fair Choice oder Fair & Green, die das auch für die Weinbranche definiert haben.
Ja, und darüber informieren wir auch zum Beispiel auf unserer Webseite oder bei Reisen mit Fachleuten. Aber wir können als Kommunikationseinrichtung nicht sagen: »Das ist der Standard und da müssen sich alle daran halten.« Wir wollen informieren, was es am Markt gibt und die Weinerzeuger in Deutschland darauf hinweisen: »Beschäftigt euch mit diesem Thema.« 
Wir haben so zum Beispiel vor fünf Jahren schon zum ersten Mal gesagt: »Beschäftigt euch mit dem Thema alkoholfreier Wein.« Das ist ein Thema mit Zukunft. 

Die Zielgruppen verändern sich. Früher hat man angenommen, dass Menschen automatisch irgendwann zum Weintrinker werden. Das ist inzwischen ein Trugschluss. Wir haben junge Menschen, die sich viel bewusster ernähren, oder überhaupt keinen Alkohol mehr trinken. Ich glaube nicht, dass diese Menschen automatisch, wenn sie dann mal 50 plus sind, anfangen, Wein zu trinken. Da muss man sich um Alternativen bemühen – und das ist eben auch alkoholfreier Wein.

Gibt es beim DWI bereits ein Budget für alkoholfreien Wein?

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