Im Languedoc-Roussillon hat die Ernte bereits begonnen (Foto: Stevens Frémont)
Im Languedoc-Roussillon hat die Ernte bereits begonnen (Foto: Stevens Frémont)

Frankreich atmet auf

Die französische Weinernte 2022 wird mit insgesamt 42,6 bis 45,6 Mill. Hektoliter erwartet. Das gab das Landwirtschaftsministerium basierend auf den Angaben seines statistischen Dienstes Agreste am 1. August bekannt. Damit läge der Ertrag deutlich über dem geringen Niveau von 2021, der zuletzt mit etwa 37,8 Mill. Hektoliter zu Buche schlug, und ist in etwa im Durchschnitt der letzten fünf Jahre, 2017 bis 2021.

Die Angaben seien jedoch noch vage, wie das Ministerium verlauten lässt. Ungewissheit bringe die Dürre, die Frankreich seit Wochen beeinträchtigt. Im Gegensatz zum vergangenen Jahr, in dem die Vegetation im Weinberg durch den starken Frühjahrsfrost, viele Niederschläge und anschließenden Pilzdruck beschädigt wurde, hat es in diesem Jahr günstige Bedingungen bei Austrieb und Blüte gegeben. Ausnahme dabei waren der Südwesten und die Charente, wo Frostperioden und Hagelschlag Schäden anrichteten. 

Durch die anhaltende Trockenheit in Verbindung mit extremen Hitzewellen können viele Winzerbetriebe zum jetzigen Zeitpunkt jedoch noch keine verlässliche Angabe zum Saftvolumen machen. Krankheiten im Weinberg blieben bislang durch die Witterung weitgehend aus. 
Die Lese wird in diesem Jahr allgemein früher stattfinden. In manchen Gebieten, vor allem im Languedoc­-Roussillon und im Südwesten hat diese bereits begonnen.

Heiter bis wolkig

Champagne. Der Frost im April hat die Weinberge kaum beeinträchtigt. Durch den Vorsprung der Vegetation von etwa 12 Tagen wird die Lese Ende August erwartet. Durch die Juni-Niederschläge und die günstigen Wetterverhältnisse wird die Ernte über dem Durchschnitt der letzten fünf Jahre erwartet.

Burgund und Beaujolais. Auch hier erwartet man den Erntebeginn Ende August. Bisher ebenfalls mit einem Volumen, das im Fünfjahresschnitt liegen wird. Die Trockenheit könnte jedoch, vor allem im Beaujolais, zu Beeinträchtigungen führen.

Elsass. Die Trockenheit hat deutliche Spuren hinterlassen, da die Niederschlagsmenge seit dem Frühjahr besonders gering ausfiel. Durch das niedrigere Gewicht der Trauben wird damit wohl unter dem Durchschnitt geerntet werden. 

Savoyen und Jura. Gleiches Bild in Savoyen, gesundes Lesegut und eine im Durchschnitt liegende Ertragserwartung. Im Jura, das im vergangenen Jahr durch den Frost die größten Verluste der französischen Weinbaugbiete einstecken musste, wird das Volumen den Schnitt von 2017 bis 2021 übersteigen.

Loiretal. An der Loire haben der Frost im April und partieller Hagel im Juni die Ernteaussichten geschmälert. Nach einem sehr geringen Volumen im vergangenen Jahr, erwartet man jedoch auch hier wieder einen deutlichen Anstieg. Die Ernte startet voraussichtlich Anfang September.

Bordeaux. Das Gebiet an der Gironde wurde in diesem Jahr gebeutelt. Der Frost im April, heftige Unwetter mit Hagelschlag im Juni und extreme Hitzeperioden haben etwa 10.000 Hektar Weinfläche betroffen. Die Lese, die Mitte August beginnt, wird nicht das durchschnittliche Erntevolumen erbringen. 

Südwest. Hier hat der Frost besonders Armagnac betroffen. Im Anschluss forderten der Hagel und die extreme Trockenheit ihren Tribut, sodass auch hier der Durchschnitt der letzten fünf Jahre nicht erreicht werden wird. 
In der Charente hat der Hagel im Juni die erwarteten Ernteerträge insgesamt um etwa 15 Prozent reduziert. In den nicht beschädigten Parzellen scheint das Produktionspotenzial vielversprechend zu sein. Der Fünfjahresschnitt wird insgesamt aber wohl nicht erreicht werden. 

Französische Weinerträge der Jahre 2017 bis 2021 mit Prognose für 2022
Französische Weinerträge der Jahre 2017 bis 2021 mit Prognose für 2022

Languedoc und Roussillon. Das Traubenmaterial scheint gesund zu sein, das Volumen noch im Durchschnitt. Die Ernte hat Ende Juli begonnen, aber die Trockenheit könnte die Erträge noch reduzieren.

Südost. Die Weinberge sind etwa zehn Tage voraus und da die Vegetationsperiode ohne nennenwerte Störungen verlief, wird eine durchschnittliche Ernte erwartet. Die anhaltende Dürre könnte auch hier zum Problem werden.

Korsika. Gleiches Bild auf der Île de Beauté: Die Lese wird wohl recht früh beginnen, Rebe und Traube sind in gutem Zustand, nur die Trockenheit könnte noch dafür sorgen, dass der Fünfjahresschnitt nicht erreicht wird. ITP
 

Ausgabe 19/2022

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