Blick von der Fortezza in Montepulciano auf das Anbaugebiet des Nobile (Foto: Crecelius)
Blick von der Fortezza in Montepulciano auf das Anbaugebiet des Nobile (Foto: Crecelius)

Einzellagen in Montepulciano

Das Konsortium des Vino Nobile di Montepulciano hat im Rahmen der toskanischen Anteprime über umfangreiche Neuerungen und die jüngsten Zahlen DOCG informiert. 

Zum 31. April 2021 wurden 45 Prozent mehr Staatsbanderolen ausgegeben als im Vorjahreszeitraum. »Diese Zahlen können uns insofern noch mehr begeistern als wir schon im ersten Quartal 2020 und trotz des Beginns der Pandemie Wachstum generiert hatten. Mit der Wiederöffnung der Märkte und der Wiederbelebung des Tourismus rechnen wir damit, den positiven Trend fortführen zu können«, kommentiert Andrea Rossi, der Präsident des Konsortiums.

Die Ausgabe der Staatssiegel wird sich vor allem stark vermehrt haben, weil sich die Produzenten auf die Rückkehr der Touristen und die weltweit zunehmende Öffnung der Restaurants einstellen und ein Anziehen der Verkäufe erwarten.

2020 war für die Unternehmen des Vino Nobile hart. Nach einer Umfrage des Konsortiums verloren die Kellereien im Schnitt 31,5 Prozent ihrer Einkünfte. Die höchsten Einbußen registrierten die Kellereien auf dem internen Markt (–31,1%), der Export verlangsamte sich um 16,35 Prozent, und die Einnahmen über den Weintourismus gingen aufgrund des Lockdowns um 51,4 Prozent zurück.

Das Konsortium hat die Zwangspause auch genutzt, um die Idee einer neuen Lagen-Typologie auszuarbeiten und einstimmig zu verabschieden. Zwölf »Pievi« (Singular: Pieve) wurden definiert, historische Einzellagen, die auf amtsitalienisch UGA »Unità Geografiche Aggiuntive« (zusätzliche geografische Einheiten) heißen. Sie wird die Nobile-Pyramide anführen, gefolgt von der Riserva und dem normalen Nobile.

Fast wichtiger als die Einzellagen ist die »Toskanisierung« des Nobile: Statt 70 Prozent Mindestanteil an Sangiovese wie bei den anderen beiden Typologien, muss er hier bei 85 Prozent liegen. Außerdem dürfen nur autochthone toskanische Sorten wie Mammolo, Ciliegiolo, Canaiolo, Colorino in den Verschnitt, bei den anderen sind auch internationale Sorten erlaubt. 

Der Pieve Nobile darf rückwirkend ab dem Jahrgang 2020 produziert werden, und er muss aus gutseigenen Trauben bestehen. Das Marktdebüt soll 2024 stattfinden. vc