Die Preise für Primitivo-Trauben sind massiv eingebrochen
Die Preise für Primitivo-Trauben sind massiv eingebrochen

Apulien kämpft um Primitivo-Preise

Die Preise für Primitivo-Trauben sind deutlich eingebrochen. Ende August 2022 lag beispielsweise der Preis für Trauben der  Qualität IGP Primitivo Salento bei 50 Euro pro Doppelzentner – gegenüber 150 Euro, die 2021 bezahlt wurden. Allerdings waren die Preis 2021 überdurchschnittlich angestiegen. Die Unruhe bei den Weinbauern ist dennoch hoch. Sie fordern finanzielle Hilfen der Region, um die gestiegenen Kosten bei gesunkenen Erlösen auszugleichen.

Am 5. September 2022 hat der Bauernverband Confagricoltura Apulien gemeinsam mit dem Landwirtschaftsministerium der Region Apulien getagt, um Lösungen für den Streit zwischen Traubenproduzenten und Kellereien zu erarbeiten. »Während des Treffens mit dem Landwirtschaftsminister der Region Apulien, Donato Pentassuglia, wurde die Möglichkeit einer Ad-hoc-Maßnahme zur Entleerung der Keller erörtert, um den Weinproduzenten die Möglichkeit zu geben, den Ankaufspreis der Trauben zu erhöhen, Mit dieser Maßnahme würde also nicht nur den Verarbeitern geholfen, sondern auch den Weinbauern, die einen fairen Preis für ihre Trauben erzielen könnten«, so die Confagricoltura. 

Primitivo leicht erholt

Landwirtschaftsminister Pentassuglia wies nach der Sitzung darauf hin, dass sich die Preise bereits in einer Erholungsphase befinden und inzwischen 70 bis 100 Euro pro Doppelzentner aufgerufen würden. Um die Situation zukünftig in Griff zu bekommen, wird überlegt, den Ertrag für IGT Puglia Primitivo herabzusetzen. 

Derzeit werden die Lagerbestände Apuliens geprüft. Zum 31. Juli 2022 lagerten noch insgesamt 5,2 Mill. Hektoliter Wein in den Kellereien. Davon entfallen 762.000 Hektoliter auf g.U.-Weine, 3 Mill. Hektoliter auf g.g.A.-Weine, generische Weine machen 1,4 Mill. Hektoliter aus, und über 40.000 Hektoliter sind Sortenweine Italia. 

Neuordnung in Apulien geplant

Pentassuglia will prüfen, welche Mengen dieser Weine tatsächlich »ungenutzt« bleiben und wie viel Wein im November abgefüllt wird und in den Handel kommt. »In Bezug auf die vermeintlich niedrige Vergütung für Trauben muss zwischen Weinbergen, die für die Erzeugung von Qualitätsweinen geeignet sind und auf das Segment der Weine mit Ursprungsbezeichnung ausgerichtet sind und Verschnitten aus gewöhnlichen Weinen unterschieden werden. Das ist ein Element, das auf der Grundlage der Hektarerträge bewertet werden muss und für das meines Erachtens eine Ordnung geschaffen werden muss, damit die Lieferkette transparent ist«, so Pentassuglia.

Donato Pentassuglia will tatsächlich Ordnung im apulischen Weinsektor schaffen und hat eine Bestandsaufnahme der Rebflächen angekündigt, er will einen Sortenspiegel erstellen und die Erträge kontrollieren lassen. Zudem soll die Finanzpolizei Guardia di Finanza verstärkt für Kellereikontrollen eingesetzt werden. VC

Ausgabe 19/2022

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