Alkoholfreier Wein heißt künftig entanlkoholisiert (Foto: Fotolia/T. Michel)
Alkoholfreier Wein heißt künftig entanlkoholisiert (Foto: Fotolia/T. Michel)

Alkoholfrei wird entalkoholisiert

Die Novellierung der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) durch die EU bringt neue Regeln für alkoholfreie Weine. In erster Linie soll mit der Verordnung eine Gesetzeslücke geschlossen werden. »Für ›entalkoholisierte Weine‹ und ›teilentalkoholisierte Weine‹ gab es trotz des wachsenden Interesses und der Nachfrage seitens der Verbraucher lange Zeit keine EU- und international harmonisierten Definitionen«, erläutert Christian Schwörer, Generalsekretär des Deutschen Weinbauverbands (DWV) auf Anfrage von WEINWIRTSCHAFT.

Die EU-Verordnung 2021/2017 definiert nun die Begriffe. Sie regelt jedoch noch deutlich mehr. Weine mit weniger als 0,5% vol. dürfen künftig nicht mehr als »alkoholfrei« etikettiert werden, sondern laufen als »entalkoholisierte« Weine.  Die Verordnung ist auch eine Festlegung der für die Entalkoholisierung zulässigen Verfahren. Weine zwischen 0,5% vol. und 8,5% vol., denen Alkohol entzogen wurde, heißen künftig »teilweise entalkoholisiert«.

Die Verordnung ist im Dezember 2021 in Kraft getreten. Allerdings konkurriert sie mit bestehenden nationalen Regeln, konkret §47 der Weinverordnung, in der Regeln für alkoholfreien Wein festgelegt sind. Bis die nationale Weinverordnung EU-konform angepasst ist, müssten sich Erzeuger auf sie berufen können und »alkoholfreien« Wein erzeugen dürfen.

Der Begriff »entalkoholisiert« wurde in der Verordnung ausschließlich für Weine geregelt. Bier wird in der LMIV geregelt und darf weiter als »alkoholfrei« firmieren, wenn es weniger als 0,5% vol. enthält.
 

DWV sieht auch positive Aspekte

Aus Sicht des DWV enthält die Verordnung jedoch auch viele positive Aspekte. So würde die Beimischung von Aromen oder der Einsatz von Wasser zur Entalkoholisierung verboten. »Entscheidend ist die Zulassung von oenologischen Verfahren, welche den Charakter von Wein stärken und gleichzeitig eine attraktive Alternative zu den traditionellen Weinen mit Alkohol bieten, um den Ansprüchen der Kundinnen und Kunden gerecht zu werden«, erklärt Weinbaupräsident Klaus Schneider. 

Der DWV verheimlicht aber nicht, dass er sich mehr von der Verordnung erhofft hatte. »Wir hätten uns gewünscht, dass durch den europäischen Rechtsrahmen die deutschen Regelungen nicht beeinträchtigt werden. Dies ist nun aber der Fall, da der Begriff ›alkoholfrei‹ wohl nicht mehr verwendet werden darf«, so Christian Schwörer.

Ab März 2022 sollen die zur Entalkoholisierung zulässigen Verfahren festgelegt werden, wobei die Verordnung ausdrücklich bestehende OIV-Resolutionen berücksichtigt. Der DWV fordert in einer Stellungnahme, dass sämtliche zur Weinbereitung zulässigen Verfahren auch für entalkoholisierte Weine zugelassen werden, und den Rechtsrahmen für (teilweise) entalkoholisierte Weine so nah wie möglich an der Herstellung von Wein zu orientieren. cg

Ausgabe 2/2023

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