Lucio Tasca d'Almerita (Foto: Fabio Massimo Aceto)
Lucio Tasca d'Almerita (Foto: Fabio Massimo Aceto)

Lucio Tasca d‘Almerita verstorben

Italiens Weinwelt trauert um Lucio Tasca d‘Almerita. Der Conte zählte zu den Protagonisten der sizilianischen Weinwende. Er war ein Vordenker, der wissenschaftliche Recherchen, Technologie und unternehmerisches Denken in Siziliens Weinwirtschaft vorangetrieben hat. Diego Planeta, Giacomo Rallo (Donnafugata) und er schufen die Grundlagen für die sizilianische Qualitätsweinproduktion von heute. Gemeinsam mit ihnen setzte er 1998 auch seine Idee um, die Vereinigung Assovini zu gründen. 

Ihr Ziel war, mit vereinten Kräften an der Steigerung von Qualität, Renommee und Marktpenetration sizilianischer Weine zu arbeiten. Sie schufen die Veranstaltung Sicilia en Primeur, die bis heute das wichtigste Schaufenster der sizilianischen Weinproduktion geblieben ist.

Lucio Tasca, geboren 1940 in Palermo, entstammt einer bedeutenden Palermitaner Adelsfamilie, die sich schon vor der Gründung des Weinguts Tasca d‘Almerita durch Innovation in der Landwirtschaft hervorgetan hatte. Seine Ahnen Lucio und Carmelo Mastrogiovanni Tasca hatten das Landgut Regaleali 1830 erstanden, es wurde vorrangig Viehfutter und Getreide angebaut, der Weinbau war noch zweitrangig. Lucios Großvater verkaufte Wein noch offen, sein Vater füllte bereits ab. Aber erst Lucio gründete 1961 das Weingut Regaleali, das später in Tasca d‘Almerita umgetauft wurde. 

Im Laufe der Jahre kamen das Weingut-Resort Capofaro auf Salina hinzu, Tascante auf dem Ätna, die historischen Weingärten Whitaker auf der Insel Mozia und Sallier de La Tour in Monreale. Lucio Tasca war aber auch eine vielseitige schillernde Persönlichkeit, ein Beau mit Standing auf dem internationalen Parkett. Fotos zeigen ihn mit Jackie Kennedy und 1960 nahm er als Reiter (Military) an der Olympiade in Rom teil.

Als einer der ersten Sizilianer experimentierte er ab 1979 mit internationalen Sorten. Vor allem der Cabernet Sauvignon setzte Maßstäbe, Flaggschiffwein bleibt jedoch der Rosso del Conte aus Nero d‘Avola und Perricone, der 1970 geschaffen wurde.

»Mit dem Tod von Lucio Tasca stirbt ein Gentleman des Weins, der dem sizilianischen Wein meiner Meinung nach zusammen mit Giacomo Rallo und unserem Onkel Diego – jeder mit seiner eigenen Vision und seinem eigenen Stil – einen entscheidenden Impuls und Auftrieb gegeben hat. Dass wir heute so sind, wie wir sind, verdanken wir auch Lucio Tasca und dem wunderbaren Einvernehmen, das er immer mit seinen beiden lebenslangen Freunden hatte. Ich denke, dass wir nach ihm – nach ihnen – mit doppelter und dreifacher Energie weitermachen werden, und unsere Zeit zwischen dem eigenen Unternehmen und unseren Verpflichtungen für ganz Sizilien aufteilen, mit der Rolle von Alberto Tasca im Konsortium DOC Sicilia und in Assovini. Es ist kein Zufall, dass wir Lucio das letzte Mal vor einigen Wochen auf dem Symposium der Stiftung SOStain gesehen haben, die neueste Kreation einer Familie, die sich dem sizilianischen Wein verschrieben hat«, so Alessio Planeta. Alberto und Giuseppe Tasca leiten seit Jahren das Imperium Tasca d‘Almerita im Sinne ihres Vaters. Dabei gelten für sie mindestens die gleichen Ansprüche an Qualität, Werte, Innovation und Nachhaltigkeit.

Lucio Tasca starb am 25. Juli 2022 an den Folgen einer Lungenentzündung. Unser Mitgefühl gilt der Familie und den Kindern Giuseppe, Franca, Alberto und Alessandra. VC

Schlagworte

Ausgabe 16/2022

Themen der Ausgabe

Italiens Genossenschaften

Nicht nur im Norden Italiens produzieren Winzergenossenschaften hervorragende Weine, wie die Ergebnisse unseres Leistungstests zeigen. Wie sind die Genossenschaften südlich der Alpen strukturiert? Vor welchen Herausforderungen stehen sie? In Ausgabe 16 widmen wir der italienischen Genossenschaftsszene einen großen Artikel. Die Ergebnisse des Leistungstests haben wir natürlich auch für Sie aufbereitet.

Franken

Das Anbaugebiet im Norden Bayerns macht Druck beim Qualitätssystem und junge Winzer schärfen mit Kreativität und Handwerk das Profil.

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Griechenland überzeugt mit Cool-Climate-Weinen aus schwindelerregenden Höhen - und unerwarteten Spezialitäten. Haben Sie schonmal trockenen Mavrodaphne getrunken?