Wunsch-Jahrgang 2012 in Württemberg

Nach zwei kleinen Ernten und teilweisen Totalausfällen durch die Mai-Fröste 2011 und Hagel steht jetzt im viertgrößten deutschen Weinanbaugebiet bei weiterhin optimalem Vegetationsverlauf ein Wunsch-Jahrgang bevor.

Gesunde Rebenanlagen versprechen laut Weinbauverbands-Präsident Hermann Hohl eine qualitativ hochwertige Ernte. Er rechnet mit marktgerechten Mengen, die wieder einem normalen Durchschnittsjahrgang entsprechen. Mengenmäßig erwartet der Präsident ein Volumen zwischen 112 und 115 Millionen Litern, wie Hohl anlässlich der heutigen Herbst-Weinbergbegehung in Aussicht stellte, und damit einen "normalen" Herbst.

August brachte Qualitätsschub

Weil die Keller ziemlich leer sind, dürfte der 2012er schon vor Weihnachten in den Verkauf kommen, sagte Hohl bei der traditionellen Herbst-Weinbergbegehung mit dem baden-württembergischen Verbraucherminister Alexander Bonde am 17. September am Michaelsberg in Cleebronn-Tripsdrill. Nach einem idealen Jahresauftakt mit einem milden Januar, dem sonnig-eiskalten Februar und der frühen Juni-Blüte brachte der August mit 27 Sommertagen einen ordentlichen Qualitätsschub. 252,6 Sonnenstunden in Obersulm-Willsbach oder 258,1 in Öhringen lagen bis zu einem Fünftel über dem Durchschnitt. Ideal war die Kombination von kühlen Nächten und sonnigen Tagen. Hohl: "Das bringt fruchtige Weine."

Mit jedem Sonnentag komme wertmäßig ein Grad Oechsle dazu. Der frühreife Müller-Thurgau liegt jetzt schon deutlich über den Vorjahreswerten. Spätreife Sorten näherten sich dem Prädikatsweinbereich.

Offizieller Lesebeginn am 22. September 2012

Die Trauben sind größenteils gesund. Hier und da wurde Sonnenbrand beobachtet, der aber keine großen Schäden hinterließ. Von schweren Unwettern ist Württemberg bisher auch verschont geblieben. In manchen Weinbergen brauche der Aufbau der 2011 frostgeschädigten Anlagen noch Zeit. Die endgültige Qualität hänge vom weiteren Witterungsverlauf ab, betonte Hohl. Herbstbeginn wird in Württemberg für die wichtigsten frühreifen Traubensorten in der letzten September-Woche sein. Offiziell wird der Weinleseauftakt am 22. September in Heilbronn am Wartberg gefeiert. Die Hauptlese für Riesling, Trollinger und Lemberger beginnt am 10. Oktober.

Weinbaupräsident Hohl: Touristische Potentiale noch nicht ausgeschöpft

Weinbauverbands-Präsident Hermann Hohl bedankte sich bei der Landesregierung für die aktive Unterstützung bei der aktuellen Entwicklung der EU-Weinmarktpolitik. Er forderte von Minister Alexander Bonde wirksame Anstrengungen im Bereich Wein und Tourismus, der für Wengerter zu einem weiteren Standbein ausgebaut werden müsse. Dazu gehöre auch eine sachgerechte Anwendung des Baurechts in Außenbereichen. Man können Weinberge nicht einfach verlegen. Das unmittelbare Weinerlebnis finde nun mal in der Nähe der Rebstöcke statt. Das Potential, das der Weinbau biete, sei insgesamt noch nicht ausgeschöpft.

Bessere Zusammenarbeit der zersplitterten Organisationen gefordert

Hohl forderte in diesem Zusammenhang eine bessere Zusammenarbeit der im Land noch stark zersplitterten Organisationen. Hier werde noch zu viel Kirchturmpolitik gepflegt, statt über die Horizonte der einzelnen Weinlandschaften hinaus zu blicken. Nur eine gemeinsame Strategie führe zur Wahrnehmung der Weinlandschaft Württemberg außerhalb des Landes. Andere Weinanbaugebiete wie Franken und die Pfalz führten vor, wie erfolgreich eine konsequente touristische Vernetzung sein könne. Die Branche selbst trage das ihre durch einzelbetriebliche Investitionen oder durch die Ausbildung von Weinerlebnisführern bei.

Hohl erinnerte daran, dass in Tripsdrill 2004 die wiederbelebte Württemberger Weinstraße eröffnet worden sei. Der Erlebnispark sei mit dem Vinarium, der einmaligen Sammlung von Holzspindelpressen, dem informativen "Fröhlichen Weinberg" mit Weinkübelfahrt und der natürlichen Einbindung in die Weinlandschaft am Michaelsberg ein Muster- und Lehrbeispiel für das vielbeschriebene Thema Wein und Tourismus.

Quelle: Weinbauverband Württemberg

Ausgabe 15/2021

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