Hawesko-Vorstand Throsten Hermelink setzt im B2B-Bereich auf schlankere Strukturen (Foto: Hawesko/Christian Mai).
Hawesko-Vorstand Throsten Hermelink setzt im B2B-Bereich auf schlankere Strukturen (Foto: Hawesko/Christian Mai).

Radikalumbau bei Haweskos B2B

Der Hawesko Holding stehen große Veränderungen ins Haus. Wie das Unternehmen im Gespräch mit WEINWIRTSCHAFT berichtet, wird die B2B-Sparte mit der Wein-Wolf-Gruppe komplett neu aufgestellt – personell wie räumlich.

Aus den bestehenden Einzelfirmen werden künftig drei: Erstens die »neue« Wein Wolf GmbH, in der die bisherigen B2B-Tochtergesellschaften Wein Service Bonn GmbH, Deutschwein Classics GmbH & Co. KG, Selection (vorher Selection von Essen) und Volume Spirits GmbH aufgehen.

Die Geschäftsführung der neuen Wein Wolf GmbH haben weiterhin Phillip Reher, CFO Stefan Weis und Karsten Kamrath inne. Die vormaligen Geschäftsführer der Tochterfirmen fungieren künftig als Mitglieder der Geschäftsführung mit Prokura: Khalid Ait Hamou, Maximilian Scheld, Thomas David sowie Moritz Lüke und Phillip Gericke, die beide von der Schlumberger-Gruppe wechseln. Lüke übernimmt die Deutschland-Sparte (vormals Deutschwein Classics) von Pascal Dautel, der auf eigenen Wunsch nach 30 Jahren bei Hawesko ausscheidet. Gericke wird den Vertrieb steuern.

Die Firmen Grand Cru Select Weinhandelsgesellschaft mbH und CWD Champagner- und Wein-Distributionsgesellschaft mbH werden fusionieren und als Fine-Wine-Sparte unter dem Firmennamen Grand Cru Select fortbestehen. Als gemeinsame Geschäftsführer bleiben weiterhin Thomas Hänle und Oliver Thieme dem Unternehmen erhalten.

Die Weinland Ariane Abayan GmbH als künftiges drittes B2B-Standbein ist vom Umbau nicht betroffen und bleibt die Italien-Spezialsparte des Unternehmens mit Sitz in Hamburg. 

Alle anderen bisherigen Tochterfirmen sowie die Grand Cru Select werden an den Standort Bonn verlegt. An der Stelle will Hawesko Synergieeffekte nutzen: Zwar sei allen Mitarbeitern ein Übernahmeangebot gemacht worden, doch, so rechnet Vorstandsvorsitzender Thorsten Hermelink, würden in Bonn jedoch künftig wahrscheinlich 16 bis 18 Mitarbeiter weniger beschäftigt.

Dafür will man an anderer Stelle investieren: Unter Gesamtleitung von Phillip Gericke, der bereits zuvor für Hawesko gearbeitet hatte und nun für den neuen Job von Schlumberger zurückkommt, soll der Vertrieb von Wein Wolf neu aufgestellt werden. Vier neue Verkaufsleiter (aufgeteilt in Nord, Mitte, Süd und Ost) werden das On-Trade-Geschäft stärken, das durch die Pandemie einen Verlust von geschätzten 40 Prozent verzeichnen musste.

Ein neuer Fokus wird auf dem Off-Trade-Business liegen. Sieben neue Key-Account-Manager und zwei Gebietsverkaufsleiter sollen diese Säule ausbauen, um etwa den LEH-Kundenkreis auszuweiten. 

Die B2B-Sparte soll zudem digital für die Zukunft gerüstet werden. Das geschieht schwerpunktmäßig mit dem Aufbau einer digitalen Order-Plattform, die etwa Bestellprozesse für Kunden vereinfachen und schneller machen soll. Flankiert werden soll dies von mehr Content über Weine und Winzer und Social-Media-Aktivitäten. Geplant ist die Umsetzung bis Herbst dieses Jahres.

Wein Wolf und Ariane Abayan setzen dabei auf gemeinsame Vertriebsstrukturen für On- und Off-Trade, Grand Cru Select organisiert seinen Vertrieb eigenständig.

Die Strukturveränderungen der Großhandelssparte sind bereits seit längerem in der Planung, die Idee, Strukturen zu vereinfachen nicht neu. »Durch die Pandemie haben sich unsere Gedanken diesbezüglich jedoch beschleunigt«, sagt Hermelink und erklärt mit Blick auf das Gastronomie-Geschäft: »Wir wissen, dass wir damit antizyklisch zur gesamten Branche handeln, die am Boden liegt. Aber wir wollen voll da sein, wenn das Geschäft wieder blüht. Unsere Gastronomie-DNA soll bestehen bleiben, doch wollen wir auch eine Off-Trade-DNA aufbauen.« Diese Überlegungen scheinen vor dem Hintergrund der Verschiebung des Geschäfts durch die Pandemie von On- nach Off-Trade, insbesondere in den Lebensmittel- und Online-Handel, nur logisch.

Alle Mitarbeiter und Partner seien bereits informiert worden. Von Seiten der Lieferanten komme ausnehmend positives Feedback, so Hermelink, da sie sich über die geplante Intensivierung der Vermarktung freuten.

Verantwortlich für die Umsetzung der Transformationen ist der dritte Wein-Wolf-Geschäftsführer Karsten Kamrath, der bereits die Umstrukturierungen bei Wein & Co in Österreich leitete.

Das B2B-Geschäft im Ausland mit den Firmen Gobalwine Schweiz, Wein Wolf Österreich, Global Wines & Spirits Tschechien bleibt vom Umbau unberührt. aw