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Muss ein Händler aus Bordeaux ins Gefängnis?   

Wer in Bordeaux gegen die Weinvorschriften verstößt, landet so schnell nicht hinter Gittern – das zeigen die Fälle der Vergangenheit. Traditionell haben die Gerichte Geldstrafen gegenüber Gefängnisstrafen bevorzugt. Bis jetzt.

Einem Bericht der Tageszeitung Le Monde zufolge muss Vincent Lataste, Chef des Handelsunternehmens Sequoia, ein Jahr ins Gefängnis. Er wurde unter anderem wegen »Täuschung, versuchter Täuschung über die wesentlichen Eigenschaften von Weinen, betrügerischer Verwendung und versuchter betrügerischer Verwendung von geschützten Ursprungsbezeichnungen« verurteilt.

Die lange Gerichts-Geschichte von Vincent Lataste, dessen gleichnamige Familie seit 1950 im Weingeschäft in Bordeaux tätig ist, begann im Dezember 2016. Damals wurde er für schuldig befunden, in den Jahren 2011 und 2012 große Mengen Wein, die zur Destillation bestimmt waren, an einen Chateau-Besitzer namens François-Marie Marret vermittelt zu haben. Marret, der 20 Châteaux besaß, mischte den Wein illegal mit Weinen von drei seiner Weingüter: Château le Couvent in Saint-Emilion, le Moulin à Vent in Lalande de Pomerol und Fourcas Loubaney in Listrac. 

Die Behörden beschlagnahmten 8.200 Hektoliter Wein, was mehr als einer Million Flaschen entspricht. Die illegalen Mischungen waren für den Verkauf an zahlreiche Kunden bestimmt, darunter große französische Supermärkte wie Intermarché und Auchan.

Marret wurde zu einer zweijährigen Haftstrafe und einer Geldstrafe von 8 Mill. Euro verurteilt, und die 8.200 Hektoliter Wein wurden vernichtet. Lataste hingegen wurde nur zu einer Geldstrafe von 5.000 Euro, einer 18-monatigen Haftstrafe auf Bewährung und einem fünfjährigen Berufsverbot verurteilt.

Anklage, die zweite

Im Juni 2019 erschien er erneut vor demselben Gericht und Richter in Bordeaux. Diesmal wurde sein Unternehmen Sequoia negociant – inzwischen in Awesome umbenannt – beschuldigt, Appellationen vermischt zu haben und Weine der AOCs Graves und Côtes de Bourg falsch etikettiert zu haben – einige davon waren gar mit Wasser verdünnt. Betroffen waren 900 Hektoliter – 122.788 Flaschen – im Wert von rund 200.000 Euro. Aufgedeckt wurde das Vorgehen, nachdem bei einer Routineuntersuchung ein Überschuss an SO2 in einem Wein festgestellt wurde, der nach China exportiert werden sollte. 

Latastes Anwalt machte für die falschen Etiketten und die Verdünnung einerseits Verwaltungsfehler verantwortlich und verwies andererseits auf das in den Tanks verbliebene Wasser nach dem Waschen. Ohne Erfolg – denn Lataste wurde zu einer weiteren Geldstrafe und sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Allerdings: Lataste war bei der Urteilsverkündung nicht anwesend, da er fünf Jahre zuvor in die USA gezogen war. Erfolglos legte Lataste Berufung ein – und verlor. Und: Nach französischem Recht kann bei erfolgloser Berufung eine Strafe verlängert werden. So erklärte das Gericht in Bordeaux diese Woche, dass Lataste nun ein Jahr hinter Gittern verbringen muss. 

Er hat jedoch noch die Möglichkeit, beim Cour de Cassation, Frankreichs höchstem Berufungsgericht, gegen die finale Strafe Berufung einzulegen. Dies wird natürlich einige Zeit in Anspruch nehmen, sodass die Wahrscheinlichkeit, dass der Verurteilte in absehbarer Zeit eingesperrt wird, eher gering ist. rj

Ausgabe 25+26/2021

WEINWIRTSCHAFT Ausgabe 25/2021

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