Das Virus hat Handel und Gastronomie weiterhin im Griff (Foto: Adobe Stock)
Das Virus hat Handel und Gastronomie weiterhin im Griff (Foto: Adobe Stock)

Mieses Weihnachtsgeschäft schürt Existenzangst in Handel und Gastronomie

Der Non-Food-Handel hat in der besonders umsatzstarken Adventszeit dieses Jahr Umsatzrückgänge um 34 Prozent verglichen mit 2019 hinnehmen müssen. Auch die Kundenfrequenz in den Innenstädten ging laut dem Handelsverband Deutschland (HDE) um 41 Prozent zurück. Grund sind die im Handel geltenden 2G-Regeln.

»Es geht um weit mehr als ein erfolgreiches Weihnachtsgeschäft. Es geht um Existenzen«, kommentiert Stefan Genth, HDE-Hauptgeschäftsführer.  Der HDE fordert eine Abkehr von 2G und bundesweit einheitliche Lösungen – und verweist dabei auch auf die Entscheidung des niedersächsischen Oberverwaltungsgerichts, welches 2G im Handel als unverhältnismäßig beurteilte und daraufhin kippte. In einem Beitrag des Norddeutschen Rundfunks ist von positiven Reaktionen niedersächsischer Händler zur 2G-Abkehr die Rede.
 

Handel will Einheitlichkeit und mehr Hilfe

»An diesen Regeln in anderen Bundesländern festzuhalten, ist inakzeptabel. Es braucht eine bundesweit einheitliche und verhältnismäßige Lösung«, fordert Genth. Nachdem im Zuge der Bund-Länder-Runde vom 21.12.2021 beschlossen wurde, dass es zwar kein Lockdown gebe, die 2G-Regel im Handel aber bestehen bleibt, bewertet der HDE eine Anpassung der Wirtschaftshilfen als überfällig. Schließlich müsse die wachsende Existenzangst im Handel abgewehrt werden. 

Der HDE begrüßt daher den Beschluss, die Anpassung der staatlichen Wirtschaftshilfen für die nächste Ministerpräsidentenkonferenz am 7. Januar 2022 vorzubereiten. Ein Instrument soll die Anhebung der Höchstgrenze der Wirtschaftshilfen sein. »Der Handel hat mehrere Lockdowns hinter sich. Im Zuge der Schließungen haben viele Händler die Höchstgrenze bereits ausgeschöpft«, so Genth. Mit Blick auf die aktuelle Situation müsse nach Wunsch des HDE die Höchstgrenze verdoppelt werden.
 

Gastronomie noch härter getroffen

Schlimmer noch als den Handel haben die Corona-Einschränkungen aber wohl die Gastronomie getroffen. Der Präsident vom Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA), Guido Zöllick, findet die »Überbrückungshilfe III Plus nicht ausreichend«. Er fordert »ein Rettungspaket, das die Verbesserung der Corona-Hilfen für alle betroffenen Unternehmen beinhaltet, die Fortgeltung aller Corona-Sonderregelungen beim Kurzarbeitergeld sowie die Entfristung der Mehrwertsteuersenkung für Speisen mit Einbezug der Getränke«.

Anstoß lieferte auch hier die Einführung der 2G-Regel sowie deren Verschärfungen. Infolgedessen kam es zu erheblichen Umsatzausfällen und Stornierungswellen.

In der Gastronomie gelten in allen 16 Bundesländern überaus unterschiedliche Regeln: Während u.a. in Nordrhein-Westfalen 2G gilt, hat Rheinland-Pfalz 2G+ eingeführt, sodass ein aktuelles Testergebnis vorgelegt werden muss. In Baden-Württemberg etwa gilt ein Warnstufen-Modell – de facto aber 2G+, wobei es einige Ausnahmen gibt. sw

Ausgabe 25+26/2021

WEINWIRTSCHAFT Ausgabe 25/2021

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