Die drei ersten Weißweine von FairGrapes
Die drei ersten Weißweine von FairGrapes

»Große Händler argumentieren nur über den Preis«

Sie heißen »Melli«, »Donata« und »Cercus« – die drei Weißweine der Gründer von FairGrapes, die im deutschen Onlinemarkt für mehr Nachhaltigkeit sorgen wollen. 

Die beiden Jungunternehmer sind Konstantin Haßmann und Christoph Reiter. Im September erst haben sie ihr Unternehmen FairGrapes gegründet. Die Idee: In Zusammenarbeit mit Weingütern eigene Weinmarken kreieren, die den Verbraucher bei seinem Umweltgewissen packen sollen. Denn nicht nur die Weine sollen aus möglichst naturnahem und nachhaltigem Anbau stammen. Beim Kauf jedes Weins wird ein Teil des Erlöses an ein bestimmtes Naturschutzprojekt gespendet.

Welches, erkennt der Kunde schon am Flaschenetikett: Den 2020er Riesling trocken »Melli« ziert die westliche Honigbiene (lat. Apis mellifer), mit dem jeweils 4 Quadratmeter Bienenwiese geschützt werden. Der 2020er Silvaner »Cercus« bildet die Eiche« (lat. Quercus) ab und steht für je einen gepflanzten Baum in Bayern. Und die Libelle »Donata« (lat. Odonata) schmückt den halbtrockenen Riesling, ebenfalls 2020er Jahrgang, mit dem ein Feuchtbiotop im Spessart gefördert wird. Alle Weine kosten 11,50 Euro. Wichtig: Bio allein reiche nicht, so Haßmann, auch der CO2-Fußabdruck spiele eine große Rolle.

Die bisher produzierten 6.000 Flaschen, schätzt Haßmann, werden bis zum Jahresende verkauft sein, das sei schneller gegangen als erwartet. Für das kommende Jahr planen die beiden Jungunternehmer bis zu 10.000 Liter je Sorte abzusetzen. 

Die beiden Gründer Christoph Reiter (l.) und Konstantin Haßmann
Die beiden Gründer Christoph Reiter (l.) und Konstantin Haßmann

Bislang arbeiten sie mit nur einem Weingut zusammen, Fürst Löwenstein in Franken. Von hier wird daher derzeit auch der Versand gesteuert, langfristig suchen die beiden hierfür eine neue Lösung, denn sie wollen wachsen. Mit derzeit zwei weiteren Weingütern, übrigens wie Fürst Löwenstein auch VDP-Mitglieder, sei man im Gespräch. So soll auch ein badischer Spätburgunder den Weg ins Sortiment finden, zudem sind Weiß- und Grauburgunder geplant. Auch Weine aus anderen Ländern können sich die Unternehmer in ihrem Sortiment vorstellen. Etwa eine halbe Million Euro Umsatz ist das nächste Jahresziel. Rund 50.000 Euro haben Haßmann und Reiter zu Beginn in ihr Start-up gesteckt.

Die Zusammenarbeit mit Löwenstein kommt nicht von ungefähr. Hier hat Haßmann seine Winzerlehre gemacht, nachdem er Markenmanagement studiert hatte und sich bei verschiedenen Wein- und Spirituosenmessen »ins Winzerhandwerk verliebt« hatte. Sein Kompagnon Reiter ist der Online-Experte. Der Verkauf ist bisher ausschließlich über den eigenen Webshop vorgesehen, man sei aber in Gesprächen mit Händlern und Sommeliers für weitere Vertriebskanäle. 

Dabei nehmen die beiden Gründer auch den etablierten Online-Weinhandel aufs Korn: »Wein ist unserer Ansicht nach ein qualitativ hochwertiges Produkt und sollte auch so gehandelt werden. Doch alle großen Händler argumentieren nur über den Preis, damit macht man den Weinmarkt langfristig kaputt«, so Haßmann. »Wir wollen dagegen ein emotionales Argument für den Kauf liefern«. Deswegen, betont Haßmann, werde es ihre Weine auch nie in Aktionen mit Rabatten geben. aw

Ausgabe 24/2021

WEINWIRTSCHAFT Ausgabe 24/2021

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