Steigende Absatzzahlen (Foto: cacaroot, stock.adobe.com)
Steigende Absatzzahlen (Foto: cacaroot, stock.adobe.com)

Fachhandel und Gastro atmen auf

Nachdem sich die Absätze in den »Corona-Jahren« 2020 und 2021 stark in Richtung LEH und Direktvermarktung verschoben hatten, kommt es jetzt zur Umkehr. Während Fachhandel und vor allem Gastronomie teilweise bis zu 80 Prozent Umsatzeinbußen verzeichnen mussten, erholen sich diese gebeutelten Vertriebskanäle 2022. Dies geht aus der Absatzanalyse für deutschen Wein der Hochschule Geisenheim hervor, die den Zeitraum von Januar bis Mai 2022 beleuchtet.

Der Fachhandel liegt in den Absätzen der Erzeuger dabei deutlich über Vor-Corona-Niveau – wurden im Januar noch 26 Prozent weniger Umsatz als im selben Monat 2019 verzeichnet, steigerten sich die Umsätze ab Februar kontinuierlich bis zu einem 22-Prozent-Plus gegenüber 2019 im Monat Mai. Im April steht gar ein 66-prozentiges Plus gegenüber dem Vorjahresmonat (19% gegenüber 2019).

Die Gastronomie liegt zwar in den Monaten Januar bis März noch deutlich unter den Vergleichsumsätzen von 2019, aber bereits signifikant besser als im Vorjahr. Im April und Mai wurde dann auch hier ein leichtes Plus zu 2019 verzeichnet.

Die Umsatzsteigerungen in diesen Kanälen gingen dabei weniger zu Lasten der Direktvermarktung, die weiterhin gut läuft – wenngleich nicht so extrem wie 2021. Hauptleidtragender der Entwicklung sind die Lebensmitteleinzelhändler, deren Deutschweinumsätze mit Ausnahme der Monate Februar und März unter denen von 2019 liegen – im Januar ganze 37 Prozent (–41% im Vergleich zu Januar 2021). Gegenüber dem Vorjahr verzeichnet der LEH in jedem Monat des analysierten Zeitraums zweistellige Prozentverluste.

Weinpreise steigen langsam

Auch die Preisentwicklung wird in der Absatzanalyse untersucht. Seit Januar 2019 liegen die jährlichen Preissteigerungen auf eine 0,75-Liter-Flasche gerechnet bei durchschnittlich 20 Cent »Ab-Hof«, 21 Cent in der Gastronomie und jeweils 10 Cent in Fachhandel und LEH.

Der Preisanstieg verlief dabei bislang linear, eine exponentielle Steigerung ist noch nicht zu beobachten. Dass die bisherigen Preissteigerungen die gestiegenen Kosten nicht decken, ist aber offensichtlich – ausgehend von einem Durchschnittserlös von 5 Euro für die Flasche entspräche die Preissteigerung etwa 4 Prozent, bei einer Inflationsrate von 7,9 Prozent und Betriebsmittelkostensteigerungen von etwa 30 Prozent in der Landwirtschaft.

Der Stand der analysierten Absatzdaten ist der 13. Juni 2022, es wurden 4,6 Mill. Positionen von 110 Erzeugerbetrieben ausgewertet, die alle über den kompletten Analysezeitraum vorlagen. In Ausgabe 14/2022 der WEINWIRTSCHAFT stellen wir die Ergebnisse ausführlich vor. Weitere Informationen gibt es auch bei der Hochschule Geisenheim. Interessierte Weingüter können sich hier für die kostenlose Teilnahme an der Studie melden.

VM

Ausgabe 16/2022

Themen der Ausgabe

Italiens Genossenschaften

Nicht nur im Norden Italiens produzieren Winzergenossenschaften hervorragende Weine, wie die Ergebnisse unseres Leistungstests zeigen. Wie sind die Genossenschaften südlich der Alpen strukturiert? Vor welchen Herausforderungen stehen sie? In Ausgabe 16 widmen wir der italienischen Genossenschaftsszene einen großen Artikel. Die Ergebnisse des Leistungstests haben wir natürlich auch für Sie aufbereitet.

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Das Anbaugebiet im Norden Bayerns macht Druck beim Qualitätssystem und junge Winzer schärfen mit Kreativität und Handwerk das Profil.

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