Droht das Ende für Captain Cork?
Droht das Ende für Captain Cork?

Captain Cork insolvent?

»Es läuft gut, auch steigend. Trotzdem musste ich Insolvenz anmelden«, berichtet Marcus Johst, alias Captain Cork, im Gespräch mit WEINWIRTSCHAFT. Im November habe er den Insolvenzantrag für das Unternehmen Captain Cork UG beim zuständigen Amtsgericht Potsdam gestellt. Als Insolvenzverwalterin ist Rechtsanwältin Dr. Sabine Aldermann von der Kanzlei Köhling & Dr. Aldermann beauftragt worden. 

Die Sachlage scheint verzwickt. Das gibt auch Johst zu. Aber: »Ich darf mich nicht im Detail dazu äußern.« Er lässt jedoch wissen: »Der Impact, der diese Insolvenz ausgelöst hat, ist immens.«

Steht das Unternehmen also vor dem Aus, obwohl das Geschäft gut läuft? Die genauen Hintergründe bleiben vorerst unbekannt. Der erst vor zwei Jahren, im Zuge des ersten Lockdowns aufgesetzte »Vinoletter« zumindest hat Captain Cork zahlreiche Abonnenten eingebracht. Unternehmen, Händler wie Erzeuger, zahlen einen fixen Betrag, um im Newsletter vom Captain, der darin Wein-Geschichten und -Erlebnisse aus der Ich-Perspektive erzählt, eingebunden zu werden. Vorgestellte Produkte können mit einem Klick auf den Link zum Verkäufer direkt geordert werden. Alle Partner seien hochzufrieden, so Johst. »Vor Corona lief es nicht so gut, aber die Pandemie hat uns enorm nach oben geschossen.« Konkrete Umsatzzahlen will er nicht nennen. Branchenkenner gehen von einem Jahreserlös im sechsstelligen Bereich aus.

In seinem Newsletter kündigte Johst bereits am 16. November seinen Rückzug an.
In seinem Newsletter kündigte Johst bereits am 16. November seinen Rückzug an.

Captain Cork startete 2009 als reiner Webblog. Inzwischen betreibt Johst das Unternehmen gemeinsam mit Dr. Maximilian Flügge, ersterer ist mit 70, letzterer mit 30 Prozent beteiligt. Dem Branchenvernehmen nach ist Flügge jedoch bereits seit einiger Zeit nicht mehr operativ tätig. Flügge selbst will sich auf Anfrage zum Insolvenzfall nicht öffentlich äußern.

Gänzlich unerwartet kommt die Aufregung um das Unternehmen im Übrigen nicht. Bereits in seinem Newsletter vom 16. November kündigte Johst an, dass er sich für eine Weile zurückziehen wolle. 

Déjà-vu?

Die Gesellschafter liegen allem Anschein nach im Streit. »Wir haben uns schon sehr lange nicht gesehen«, erklärt Johst. Worüber die beiden sich entzweit haben, bleibt unbeantwortet.

Die Geschichte klingt vertraut. Langjährige Branchenbeobachter werden sich an den Zwist zwischen Johst und dem früheren Gesellschafter, dem Weinjournalisten Manfred Klimek, erinnern, der teils öffentlich auf den sozialen Medien ausgetragen wurde. Wiederholt sich diese Story nun? »Nein, alleine schon deswegen, weil Dr. Flügge nicht drogensüchtig ist«, gibt Johst zu Protokoll. 

Er selbst will der Weinbranche treu bleiben und an anderer Stelle wieder in Erscheinung treten. So hat er in seinem Vinoletter auch bereits mit der Ankündigung, sich zurückziehen zu wollen, seine Follower eingeladen sich per Klick privat mit ihm zu vernetzen, damit sie über seine künftigen Pläne auf dem Laufenden bleiben.

Was die wahren Hintergründe für die drohende Insolvenz sind, bleibt also unklar. Unklar ist ebenfalls, ob die Insolvenzverwalterin das Unternehmen, trotz guter Performance, in die Insolvenz führen wird. Unternehmer Johst zumindest rechnet fest damit. AW 

Ausgabe 2/2023

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