So etwa wird die neue TailorWein-Software auf dem Smartphone aussehen.
So etwa wird die neue TailorWein-Software auf dem Smartphone aussehen.

Per App zum passenden Wein

Im Supermarkt in 60 Sekunden zum passenden Wein, ganz ohne Fachberatung oder Vorkenntnisse – das ist das ambitionierte Ziel des Hamburger Start-ups TailorWine (»Tailor« bedeutet Schneider, also etwa »maßgeschneiderter Wein«). Hinter dem 2021 gegründeten Unternehmen steht als CEO der Wein- und Gastro-Experte Philipp Mann, gemeinsam mit Chief Technology Officer (CTO) Dominik Fienko. Der Go-Live erfolgt am 15. August bei Edeka Stiegler in Frankenthal und Speyer.

Die Idee: Der Kunde kommt in den Supermarkt und nutzt das Web-basierte Programm auf seinem Smartphone oder an einem digitalen Touchscreen im Markt – übrigens anonym, eine Weitergabe der E-Mail-Adresse ist nicht notwendig. Anhand verschiedener Fragen wird mittels eines speziellen Algorithmus einer von acht Geschmackstypen herausgearbeitet. Zusätzlich kann der Kunde angeben, ob er einen Wein für sich persönlich sucht, einen Wein zu einem bestimmten Essen oder als Geschenk.

Datenbasis: 30.000 Weine

Basierend auf einer Datenbank mit aktuell rund 30.000 gelisteten Weinen werden dem Kunden spezifische Produkte aus dem Sortiment des jeweiligen Supermarktes empfohlen – und er wird via 2D-Map direkt zum richtigen Regalplatz navigiert. Optional kann der Marktbetreiber digitale Etiketten einsetzen, die zusätzlich aufleuchten und den gesuchten Wein anzeigen.

Insgesamt werden in diesem Jahr 20 Märkte mit der Software ausgestattet. 2023 soll das Tool in weiteren 500 Märkten zum Einsatz kommen. Denkbar sei auch, die Applikation an die jeweilige CI des Unternehmens anzupassen und zusätzliche Markt-spezifische Produkte oder In-App-Angebote zu integrieren, so Mann. 

TailorWine-CEO Philipp Mann (l.) und CTO Dominik Fienko
TailorWine-CEO Philipp Mann (l.) und CTO Dominik Fienko

Rund 35.000 Euro Eigenkapital haben die beiden Gründer ins Unternehmen eingebracht, die restliche Finanzierung in Höhe von 150.000 Euro stammt von einer Investorin. »Wir wollen die Nummer Eins in Sachen digitaler Geschmacksprofile und Kaufverhalten werden«, kommentiert Gründer Mann. Die Userdaten, die so gesammelt werden, haben für die Märkte den Zusatznutzen, ihre Sortimente noch gezielter an die Kundenwünsche anzupassen.

Gezielte Kundenanalyse

Und auch für die generelle Marktforschung können die Daten wertvolle Ergebnisse liefern. Man sei bereits in Kooperation mit einem großen Meinungsforschungsinstitut, um über die weitere Verwertung des Datenmaterials zu beraten. So ließen sich beispielsweise regionale Geschmacksprofile herausfiltern, die wiederum für gezieltere Produkt-Platzierungen hilfreich sein könnten.

Einzelne Brands innerhalb der App, etwa gegen Bezahlung, hervorzuheben oder zu empfehlen, sei vorerst nicht geplant, versichert Mann. Auch den versierten Fachberater solle das Tool nicht ersetzen: »Wir haben ein unterstützendes Tool entwickelt, um dem zunehmendem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Das erlaubt Einzelhändlern und Gastronomen das Fortbestehen ihres Betriebes, ohne Einbußen in Sachen Servicequalität.« AW

Ausgabe 16/2022

Themen der Ausgabe

Italiens Genossenschaften

Nicht nur im Norden Italiens produzieren Winzergenossenschaften hervorragende Weine, wie die Ergebnisse unseres Leistungstests zeigen. Wie sind die Genossenschaften südlich der Alpen strukturiert? Vor welchen Herausforderungen stehen sie? In Ausgabe 16 widmen wir der italienischen Genossenschaftsszene einen großen Artikel. Die Ergebnisse des Leistungstests haben wir natürlich auch für Sie aufbereitet.

Franken

Das Anbaugebiet im Norden Bayerns macht Druck beim Qualitätssystem und junge Winzer schärfen mit Kreativität und Handwerk das Profil.

High-Altitude aus Südosteuropa

Griechenland überzeugt mit Cool-Climate-Weinen aus schwindelerregenden Höhen - und unerwarteten Spezialitäten. Haben Sie schonmal trockenen Mavrodaphne getrunken?