Produkt deiner Umwelt

Er: kauft sich jetzt einen Range Rover Sport Supercharged, weil er gelesen hat, dass die Herstellung von Batterien für Elektromotoren total umweltschädlich sei. Sie: isst jetzt nur noch Avocado-Toast (natürlich Vollkorntoast) seit sie mitbekommen hat, dass Soja von der Liste der Superfoods verbannt wurde und direkt, ohne über Los zu ziehen, auf die Liste der bösen Lebensmittel abgestraft wurde. Dass die Avocado auch ganz schön böse sein kann, bekommt sie erst eine Woche später mit. Dann wird es nur noch Grünkohl geben. Er: nimmt die Abkürzung über den Bauernmarkt, welchen er links liegen lässt, auf seinem Weg zum Lebensmittelhändler bei dem er sich den Korb vollpackt mitBio Tomaten aus Andalusien, Bio Shiitake aus Polen und Flugmango aus Thailand, sowie Gemüsechips, einen Laib „Artisan Bread“ für nur 11,90 € und eine „Vegan Sushi Box“ mit Wakame Salat für den Mittag. Selbstredend alles fein säuberlich einzeln foliert und eingepackt. Sie schwärmt, innerlich dahin schmelzend, von der Hingabe, mit welcher George Clooney als Menschenrechtsaktivist die Welt verbessert, als sie den Nespresso Adventskalender mit 24 verschiedenen Sorten bei Amazon für ihre Kolleginnen im Büro bestellt. 


Er: zieht in Erwägung die neue „Detox“ Serie von Frühstücksdrinks aus fermentiertem Weizengras auszuprobieren, die in vorgefertigten Monatspaketen in Plastikflaschen mit jeweiligem Plastikstrohhalm direkt nach Hause geliefert wird. Er hat einfach weniger Zeit Sport zu machen, seit er im deutschlandweiten Controlling für Mondelez zum Abteilungsleiter befördert wurde. Sie: verträgt fortan kein Gluten mehr, weil ihre Lieblinge Jessica Alba, Victoria Beckham und Ryan Phillippe in die „Top Five“ des „Rankings“ der „Gluten Free Celebrities“ gewählt wurden von den Lesern der „Healthy Health Week“. Auf die Frage, was Zöliakie oder Klebereiweiß sind, wüsste sie allerdings keine Antwort, würde man ihr diese stellen. Dafür isst sie aber auch keinen Reis. Aber sonntags gibt es Bienenstich. 


Er: kauft dem höflichen jungen Mann vor dem Discounter die Obdachlosenzeitung lediglich ab, um der unbehaglichen Situation des Blickkontaktes und der generellen zwischenmenschlichen Konfrontation zweier Fremder zu entkommen. Ungelesen wirft er sie später in den Müll. Bei Lidl sind diese Woche die Minutensteaks und der Thunfisch am günstigsten. Aber bitte eine Papiertüte. Sie leben den „Organic Lifestyle“. Reflektiert sind sie deswegen noch lange nicht.