Besser kein Alkohol? (Bild: T. Michel - Fotolia)
Besser kein Alkohol? (Bild: T. Michel - Fotolia)

Neue Studien zu Alkoholkonsum und Gesundheit

Zwei neue Studien, die sich mit den gesundheitlichen Auswirkungen von Alkoholkonsum beschäftigen, wurden jüngst publiziert. Eine Studie der Universität Oxford beschäftigt sich mit der vermehrten Aufnahme von Eisen im Hirn und damit verbundenen kognitiven Beeinträchtigungen und Risiken, eine andere Studie der Universität Washington, die im Medizinjournal »The Lancet« veröffentlicht wurde, untersucht den generellen Einfluss von Alkoholkonsum auf die Gesundheit der Menschen in verschiedenen Weltregionen und Altersgruppen.

Schädigt moderater Alkoholkonsum das Hirn?

Die Oxford-Studie kommt zu dem Schluss, dass bereits ein moderater Konsum von sieben Alkoholeinheiten (1 Einheit = z.B. 0,1 Liter Wein oder 0,375 Liter leichtes Bier) in der Woche den Eisenspiegel im Hirn erhöht, was einen Abbau der kognitiven Funktion zur Folge haben könne und im Zusammenhang mit Alzheimer- und Parkinsonerkrankungen stehe.

Für die Studie wurden 20.965 Probanden aus Großbritannien gebeten, ihren Alkoholkonsum zu dokumentieren. Anschließend wurden MRT-Scans des Gehirns durchgeführt, und die Probanden absolvierten einfache Tests zur Bewertung der kognitiven und motorischen Funktionen. Bei 7.000 Teilnehmern wurde zusätzlich ein MRT-Scan der Leber gemacht. Die Teilnehmer der Studie waren im Schnitt 55 Jahre alt und zu 48,6 Prozent Frauen.

Da der Alkoholkonsum via Selbstauskunft der Probanden erfasst wurde, ist es möglich, dass manche Teilnehmer bei ihrem angegebenen Konsum »untertrieben« haben könnten. Die Ergebnisse stehen im Widerspruch zu denen einer im Februar 2022 veröffentlichten Studie von BMC Geriatrics. Diese sagt, dass moderater Alkoholkonsum insbesondere von Wein (an einem bis sechs Tagen die Woche) positive Effekte auf die kognitiven Fähigkeiten älterer Menschen haben könne. Diese Studie hatte 2016 und 2017 in Japan Probanden zwischen 75 und 77 sowie 85 und 87 Jahren untersucht.

Vertragen alte Menschen Alkohol besser?

Die Studie aus Washington hingegen zieht das Fazit, dass die Mengen an Alkohol, die eine Person konsumieren kann, ohne gesundheitliche Schäden davonzutragen beziehungsweise eventuell gar gesundheitlich zu profitieren, von Alter und Wohnort der Person abhingen.

Personen unter 40 Jahren hätten keinerlei gesundheitlichen Nutzen durch Alkoholkonsum, ältere Personen könnten hingegen unter Umständen von einem moderaten Alkoholkonsum (1 Einheit am Tag) profitieren, da dieser das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schlaganfälle und Diabetes senken könne. Die »unschädliche« Menge an Alkohol hänge von der Region ab, in welcher die Personen leben, und den dort vorherrschenden Krankheitsbildern.

Das höchste Risiko für einen schädlichen Alkoholkonsum hätten weltweit Männer im Alter von 15 bis 39 Jahren. Die aus der Studie abgeleiteten Empfehlungen belaufen sich auf etwas mehr als eine Zehnteleinheit Alkohol täglich für Männer unter 40 Jahren (für Frauen etwas mehr als eine Fünftel-Einheit) und bei 40–65-Jährigen zwischen einer halben und 1,69 (Männer) bzw. 1,82 (Frauen) Alkoholeinheiten am Tag. Gesunde Über-65-Jährige würden erst bei über 3 Einheiten Alkohol ein gesundheitliches Risiko tragen.

Die Risiken variierten jedoch je nach Region, sodass z.B. für 55–59-Jährige in Nordafrika eine Empfehlung von 0,876 Einheiten unbedenklichen täglichen Alkoholkonsums ermittelt wurde, für Personen gleichen Alters aus Zentralafrika hingegen nur 0,596 Einheiten. Dies wird mit dem höheren Anteil der Risiken durch Tuberkulose in den Sub-Sahara-Staaten begründet, während im Norden des Kontinents die Herz-Kreislauf-Erkrankungen das prozentual wahrscheinlichste Risiko seien.

Für die Studie wurden Daten der »Global Burden of Disease 2020« von Männern und Frauen zwischen 15 und 95 Jahren aus 204 Ländern und Territorien genutzt. Es wird kritisiert, dass die neue Studie einer Vorgängerstudie widerspreche, in der betont worden war, dass jeglicher Alkoholkonsum für alle Menschen schädlich sei. Als Grund hierfür wird eine neue Gewichtung der relativen Risikokurven nach dem Grad der Grunderkrankung, Geschlecht, Alter, Region etc. angeführt. VM

Ausgabe 24/2022

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