Im Gespräch mit den Lo Francos
Im Gespräch mit den Lo Francos

Auf ein Glas mit den Brüdern Lo Franco

Seit vielen Jahren sind Ihre Weine ungeschlagene Sieger beim Wettbewerb MUNDUS VINI Biofach. Was ist Ihr Geheimnis?

Das liegt in sehr viel (sehr guter) Teamarbeit – gepaart mit der Geduld, den Anbau und die Verarbeitung so zu steuern, dass sie so wenig invasiv und so qualitätsschonend wie möglich ist. In dem Wunsch, Jahr für Jahr kleine Ziele zu erreichen und immer auf Verbesserung zu setzen, sowohl was die Qualität als auch was die Gesundheit der Erzeugnisse und des Bodens, auf dem sie angebaut werden, betrifft. Jedes Detail wird genauestens durchdacht.

Und es liegt in der absoluten Überzeugung, dass die Weine ein Maximum an Naturbelassenheit und Territorialität ausdrücken müssen. Dies wird durch Forschung und umfassende Kenntnis der verschiedenen Rebsorten und Verarbeitungsprozesse erreicht. Denn nur fundiertes Wissen ermöglicht es, ein vollkommen natürliches Produkt zu erzielen. Folglich ist unsere Ethik im Weinkeller, die natürlichen Prozesse zu respektieren und sie dank des nötigen Know-hows kontrollieren zu können.

Der Biogedanke steht bei La Vialla seit der Gründung ganz klar im Fokus, warum?

Woher stammt eigentlich die Idee, den Boden NICHT auf natürliche Weise zu bestellen? Wie kann man glauben, dass es nachhaltig ist, Böden auszulaugen, ihnen jegliche Art von Lebewesen zu entziehen aus Angst vor Insekten und Unkraut und dann denken, dass daraus gesunde Lebensmittel hervorkommen können?

Als unsere Eltern im Jahr 1978 die ersten Felder und Landhäuser von dem, was heute die Fattoria La Vialla ist, übernommen haben, stellte sich uns diese Frage, ob wir biologisch wirtschaften, gar nicht. Schon unsere Urgroßmutter betrieb Landwirtschaft allein mit natürlichem Dünger und folgte dem Mondkalender für den Baumschnitt und die Aussaat, ohne groß darüber nachzudenken. Der biologische Anbau war für uns also eine natürliche Gegebenheit, bevor es eine öffentliche Körperschaft gab, die dafür Zertifikate ausstellte. Wir zählten dann zu den ersten italienischen Betrieben, die 1983 der neugeborenen toskanischen Bioproduzenten-Koordination beigetreten sind und wurden ein Jahr nach Inkrafttreten der EWG-Verordnung Nr. B125 (1993) bio-zertifiziert.

Was die biodynamische Methode betrifft (zu der auch der Mondkalender gehörte) war es etwas anders, die Entscheidung war „aktiver“, bewusster: Mitte der 90er-Jahre begannen wir, uns mehr an dieser Art der Landwirtschaft zu orientieren, was für uns als überzeugte „Naturalisten" und nachdem wir im Laufe der Jahre gesehen hatten, dass sowohl die Ernte als auch die Qualität umso besser sind, je mehr man dem Rhythmus der Natur folgt, nur der erste logische Schritt war. Seit 16 Jahren ist die Fattoria auch demeter-zertifiziert.

Der Übergang vom biologischen zum biodynamischen Anbau sollte ein natürlicher Prozess sein, auch wenn er eine Herausforderung darstellt. Die Arbeitsmethoden sind bereits konsolidiert und der Wunsch, jedes Jahr kleine Ziele zu erreichen, treibt die Verbesserungen immer weiter voran, sowohl was die Qualität als auch was die Gesundheit der Erzeugnisse und des Bodens betrifft, auf dem sie angebaut werden. Im Weinkeller war der letzte und jüngste Schritt, einen Pied de Cuve aus Bienenpollen zu gewinnen, also absolut natürlich und nicht von multinationalen Konzernen stammend. Mit dieser Hefe schließen wir nun die Gärung ab, ein weiterer Schritt in Richtung Territorialität und Natürlichkeit der Erzeugnisse.

Es handelt sich um eine absolut natürliche Ressource, die aus unserem eigenen Betrieb stammt und es uns ermöglicht, Weine von höchster Qualität zu erhalten und gleichzeitig - wie wir es immer waren - unabhängig von irgendwelchen Fabrikaten von multinationalen Unternehmen zu bleiben, die den Markt kontrollieren. Gleichzeitig ist es eine Möglichkeit und ein weiterer Schritt in Richtung Territorialität und Natürlichkeit der Erzeugnisse.

In Deutschland haben Sie große Fans. Mein halber Freundeskreis liebt Ihre Pasta, Olivenöle, Wurst und Saucen. Wie kam’s?

Die Fattoria wurde einst als „Agriturismo“ (Bauernhof mit Gästebetrieb) geboren; das Hauptaugenmerk lag auf den Landhäusern, den Gästen und deren Verpflegung: Olivenöl, Wein und Pecorino haben wir von Anfang an hergestellt, viel davon auch für uns selbst, bzw. für die Mittagessen und Brotzeiten auf dem Hof. Nach und nach wurde der Wunsch unserer Freunde und Gäste immer größer, die Erzeugnisse auch außerhalb des Hofladens beziehen zu können, und so haben wir begonnen, diese nach Deutschland, Österreich und in die Schweiz zu versenden. Mittlerweile sind der biodynamische Anbau und die Verarbeitung der Ernte den Schwerpunkt der Fattoria geworden. Doch das Herz von La Vialla schlägt weiterhin dort, wo die Menschen sind: im Agriturismo. Und unsere Gäste sehen wir eher wie Freunde als wie Kunden ...

Heute ist La Vialla ein sehr komplexer landwirtschaftlicher Betrieb mit vielen verschiedenen Produktionsbereichen (Trauben - Wein, Oliven - Öl, Schafe - Milch - Pecorino-Käse, Getreide - Nudeln - Kekse, Gemüsegarten - Soßen, usw.), die alle eng miteinander verbunden sind, vom Anbau bis zur Verarbeitung und Verpackung, und die weitgehend unabhängig und in einem geschlossenen Kreis funktionieren.

Aber der Spirit ist der gleiche geblieben. Wir wollen den Menschen ein authentisches und intimes Erlebnis der Toskana bieten. Die alten Traditionen zu leben, das Land zu schmecken, die natürliche und köstliche Ernte, die es hervorbringt und die Atmosphäre einer großen italienischen Familie, die wir hier mit unseren mehr als 150 Mitarbeitern teilen.

In welche Länder exportieren Sie Ihre Produkte?

In ganz Europa und UK.

Die Mitarbeiter Ihres Bio-Bauernhofs werden liebevoll „Viallini“ genannt. Wie ist der Zusammenhalt im Team?

Fattoria La Vialla lebt von der Arbeit im Team. Wir sind ein tolles Team - ohne Teamgeist könnte La Vialla auch gar nicht funktionieren. Natürlich ist La Vialla Teil des Alltags, aber in gewisser Weise ist es auch für alle ein Stück Lebensgefühl und wie eine (erweiterte) Familie.

Merken Sie Auswirkungen von Corona auf Ihren Betrieb?

Wir sind uns des Privilegs bewusst, dass wir in dieser Zeit ein Stück Normalität erleben dürfen. Denn die Arbeit geht weiter auf den Feldern, im Keller, in der Soßenküche, in der Bäckerei und in der Versandabteilung. Alle „Viallini“ sind wohlauf und bei guter Gesundheit.

Doch sicherlich war es zunächst eine ziemliche Herausforderung, alles so zu organisieren, um alle Anti-Corona-Maßnahmen einhalten zu können.

Was sind Ihre Wünsche und Aussichten für die Zukunft?

Einige unserer Kinder stehen kurz vor ihrem Eintritt in den Betrieb. Unser Wunsch ist es, die Leidenschaft und die Werte der Fattoria an sie weiterzugeben, wie es unseren Eltern bei uns gelungen ist. Dies ist der Schlüssel für die Zukunft der Fattoria.

 

La Vialla

Familie Lo Franco bewirtschaftet erfolgreich ein Weingut samt Bio-Bauernhof in der Toskana. Die Produkte sind in ganz Europa und UK heiß begeht. Fans von La Vialla können dort auch Urlaub machen. 
Infos unter www.lavialla.it