Hessische Bergstrasse: seit Niko Brandtner bekannt als erstklassiges Sektterroir; Hessische Bergstrasse seit Niko Brandtner bekannt als erstklassiges SektterroirHessische Bergstrasse seit Niko Brandtner bekannt als erstklassiges Sektterroir; Foto: Sascha Rothe
Hessische Bergstrasse: seit Niko Brandtner bekannt als erstklassiges Sektterroir; Hessische Bergstrasse seit Niko Brandtner bekannt als erstklassiges SektterroirHessische Bergstrasse seit Niko Brandtner bekannt als erstklassiges Sektterroir; Foto: Sascha Rothe

Deutscher Sekt: Phase der Feinjustierung

Deutschlands Weinerzeuger haben ihr großes Talent bei der Sekterzeugung wiederentdeckt. Endlich, nach Jahrzehnten des Dornröschenschlafs, in ­denen die Rufe der wenigen Pioniere nur vereinzelt Gehör fanden. Inzwischen ist es keine Frage mehr, ob deutscher Sekt auf die Karte gehört. Die Fragen lauten heute: Welche Erzeuger? Wie viele – und wie sortieren?
Text: Sascha Speicher

Entwicklungen dauern bei hochwertigen Schaumweinen bekanntlich immer etwas länger. Das hängt nun einmal mit der Flaschengärung zusammen. Man probiert etwas aus als Erzeuger, sei es in der Art und Weise, den Weinberg zu bearbeiten, oder beim Ausbau der Grundweine. Es folgt die zweite Gärung in der Flasche sowie zumindest weitere 15 bis 18 Monate, ehe man ernsthafte Rückschlüsse ziehen kann. Im positiven Fall kann die Sektmacherin oder ihr männliches Pendant die gewonnene Erkenntnis bei der folgenden Ernte nutzen und es dauert noch einmal zwei Jahre, bis die ersten Flaschen in der Gastronomie auftauchen.

Ähnliches gilt für das Produktionsvolumen. Wer nicht hasardiert, schaut sich erst einmal an, wie die eigenen Sekte vom Markt aufgenommen werden. Im Fall von gutem Feedback, vorhandenem Zugriff auf Weinberge oder hochwertige Trauben und ausreichend Platz im Keller kann die Produktion gesteigert werden. Doch während ein Winzer seinen Weißwein dann im kommenden Mai oder Juni ausliefern kann, erfolgt beim Sekt zunächst wieder die Tirage, gefolgt von zwei oder mehr Jahren Wartezeit. Das Sekthaus Krack ist ein gutes Beispiel für diese betriebswirtschaftlich weitsichtige Strategie. Mit der Folge, dass die guten Kritiken und die gestiegene Nachfrage erst einmal zu einer begrenzten Verfügbarkeit führten. Mit dem Jahrgang 2019 wurde das Volumen deutlich erhöht. Die Sekte aus dieser Ernte kommen nun in den Verkauf. „Wir können jetzt erstmals daran denken, den Verkauf etwas zu strecken, sodass wir einige zusätzliche Monate an Hefelager gewinnen“, erklärt Christian Krack.

Im Keller des Sekthauses Griesel reifen Grundweine im Holz
Im Keller des Sekthauses Griesel reifen Grundweine im Holz

Ganz gleich ob Niko Brandner bei Griesel, Vincent Eymann oder BurkhardtSchür – dieses Dilemma vereint zahlreiche Shootingstars der jungen deutschen Sektszene. Selbst an der ansonsten so beschaulichen Obermosel hat Stephan Steinmetz, der Meister des Elbling-Sektes, damit zu kämpfen, dass er der Nachfrage kaum noch Herr und das Hefelager seiner Sekte immer kürzer wird. „Natürlich würde ich mir wünschen, dass mein Crémant ein Jahr länger auf der Hefe reifen könnte.“ Eine Gratwanderung. Doch die neue Sektwelt wird langsam erwachsen. Das zeigte die Präsentation von zwölf Top-Erzeugern am Tag nach dem Sommelier Summit im Mai sehr deutlich. Der Eindruck der letzten zwei Jahre, dass viele Sekte tendenziell immer jünger wurden, lässt nach. Im Gegenteil. Viele hatten brandneue Cuvées dabei, oder frisch degorgierte Previews von Cuvées, die in den nächsten Monaten auf den Markt kommen sollen. Matthias Aldinger zeigte nicht nur seinen spektakulären Brut Nature aus 2015, der gerade bei Meiningers Deutscher Sektpreis den Sieg in der Königsklasse, den Burgundersorten mit mindestens 36 Monaten Hefelager, erringen konnte. Zugleich kündigte er an, dass mit der Ernte 2017 ein Blanc de Blancs und ein Rosé die Sekt-Range ergänzen werden.

Gleichzeitig kristallisieren sich in dem immer größeren Pool hervorragender Flaschengärsekte einige wesentliche Strömungen heraus, die zukünftig auch eine Rolle bei der Gliederung der Sektauswahl auf der Weinkarte spielen werden.

Die Riesling-Revolution

Im Grunde ist das große Feld der Flaschengär-Rieslingsekte zweigeteilt. Die größere Gruppe bilden die fruchtbetonten Rieslingsekte. Kühl, im Stahltank mit Reinzuchthefe und ohne Säureabbau vergoren, anschließend versektet. Wer nach diesem Rezept arbeitet, steht vor einem Dilemma: Wann degorgieren? Nach vergleichsweise kurzem Hefelager? Ergibt einen attraktiv fruchtigen Schaumwein mit klarer Riesling-Aromatik und vergleichsweise stürmischer Perlage, es sei denn, der Sektmacher arbeitet mit relativ durchlässigen Kapseln, die zu einer schnelleren Reifung führen. Dass der Riesling eine sehr charakterstarke, intensiv aromatische Sorte ist, macht es nicht einfacher, denn die Kohlensäure wirkt wie ein Katalysator. Alles noch lauter, noch intensiver. Zudem verlangt die Rieslingsäure ohne abrundenden Säureabbau eine relativ hohe Dosage im oberen Brut-Bereich oder gar darüber. Für eingefleischte Sprudel-Enthusiasten nicht gerade sexy. Entscheidet sich der Produzent für ein längeres Hefelager von fünf Jahren plus, wird das Produkt insgesamt zwar komplexer, dafür tendiert der Riesling zu den bekannten petroligen Noten. Das kann extrem spannend sein, besonders in der hohen Reife, bedient aber aufgrund der intensiven, fordernden Aromatik nur eine spezielle Marktnische.

Der Weg, der den Riesling in die Spitze der internationalen Sektwelt führt oder bereits geführt hat, ist ein anderer. Moderat oxidativer Ausbau im Holz, inklusive Säureabbau und mehrmonatigem Hefelager, kann zu ausgesprochen komplexen Grundweinen mit gut eingebundener Säure und wenig Primärfrucht führen. Das ist im Keller keine Hexenkunst, erfordert aber im Weinberg ein gutes Händchen. Denn die Trauben müssen halbwegs physiologisch reif sein, mit möglichst wenig Apfelsäure und dennoch nicht zu viel Zucker. Das funktioniert nur mit gezielter Bodenbearbeitung und Laubwandmanagement.

Pioniere und Mentoren

Bereits in früheren Reportagen in diesem Magazin wurde die Pionierarbeit von Mathieu Kauffmann (2013 bis 2018 bei Reichsrat von Buhl) und Frank John gewürdigt. Sie sind die Väter des neuen deutschen Rieslingsekts, der die Sorte auch als Sektgrundwein auf Weltniveau gehievt hat. Bei Frank John reifen die Grundweine systematisch in Holzfässern auf der Hefe bis zur neuen Ernte, womit garantiert ist, dass die Fässer stets gefüllt sind.

 

Auch Volker Raumland erzeugt einen exzellenten Rieslingsekt, doch seine Pionierleistung steht eher im Kontext mit den klassischen Champagnersorten sowie insbesondere mit seinen Know-how bei Versektung, Degorgement und Dosage. Ohne ihn wären viele der heute erstklassigen Sekte von Spitzenweingütern wie Rebholz, Battenfeld-Spanier und Co. nicht denkbar. Gefühlt jeder zweite VDP.Sekt profitierte irgendwann von seiner Expertise. Doch zurück zum Riesling. Heute ist das Angebot extrem gewachsen und hier haben sich neben dem aktuellen Star der Szene, Niko Brandner von Griesel, vor allem Pfälzer Sekterzeuger ins Rampenlicht geschoben, allen voran das Sekthaus Krack und Vincent Eymann. Dominik Leyrer und Ulrich Mell haben bei Bassermann-Jordan einen hervorragenden Riesling Brut Nature des Jahrgangs 2016 in die Flasche gebracht. Im Rheingau hat Schloss Vaux unter Regie von Christoph Graf mit seinem Riesling Réserve Brut, ebenfalls aus 2016, diese Richtung eingeschlagen, straff, mit spürbarem Einfluss von Holzfässern und attraktiver zitrischer Frucht, ohne dabei den Riesling zu verleugnen.

Mit dem Rosé Réserve hat Schloss Vaux gleich noch einen Sekt nachgeschoben, der erste Blanc de Blancs Réserve aus 2018 folgt Ende des Jahres. „In meiner Brust schlagen ja bekanntlich zwei Herzen. Ich sehe auch die Vorzüge der fruchtbetonteren Stilistik, weil das lange ein Markenzeichen des deutschen Sektes war“, will Graf weiterhin zweigleisig fahren und mit den Lagen-Riesling-Sekten auch dieses Segment besetzen. Gleichzeitig experimentiert er in der X-Line mit Maischegärung. Resultat ist die Edition 01 Riesling hautnah, ohne Dosage und ohne Schwefel.

By the way: John, Graf, Kauffmann: alle mit Von-Buhl-Vergangenheit, was die exponierte Stellung dieses Traditionsbetriebs in Sachen Sektkultur seit den 1990er-Jahren unterstreicht. Es scheint vorgezeichnet, dass deutscher Rieslingsekt irgendwann eine eigene Kategorie auf den Weinkarten bilden wird. Doch ob diese auch ganz in die Spitze führt? Das wird auch das Sektgut Christmann & Kauffmann beantworten müssen. Der Rohsekt aus dem Biengarten verspricht auf alle Fälle Großes, wird aber frühestens in der zweiten Jahreshälfte 2023 in den Verkauf kommen. Ob er im direkten Vergleich den Riesling aus der Réserve Perpétuelle von Griesel, der in diesem Sommer erstmals vorgestellt wurde, übertreffen wird, ist eine spanende Frage. Auch wenn die grundlegenden Parameter – Ausbau im Holzfass mit Malo – ähnlich sind, unterscheiden sich beide Handschriften doch recht deutlich. Mit sieben Lagen-Sekten (dreimal Riesling, zweimal Chardonnay und zweimal Pinot Noir), die vier bis acht Jahre in der Flasche reifen sollen, wird das Sektgut Christmann & Kauffmann neue Maßstäbe setzen.

Christoph Graf hat Schloss Vaux nach vorne gebracht; Foto: Schloss Vaux
Christoph Graf hat Schloss Vaux nach vorne gebracht; Foto: Schloss Vaux

Die blaue Zukunft?

Pinot Noir alias Spätburgunder und Pinot Meunier alias Schwarzriesling – zwei klassische Champagnersorten, die praktischerweise in Deutschland reichlich und auch in hohem Rebalter zur Verfügung stehen. Bleibt noch die Frage der Klone. Sind die in den 1980er-Jahren ausgepflanzten, damals nahezu ausschließlich auf Ertrag und schnelle Zuckerbildung selektionierten Klone geeignet, um Sekt von internationalem Anspruch zu erzeugen? Grundsätzlich vermutlich eher nein, doch der Faktor Zeit spielt den Sekt­machern in die Karten. Auch die ertragsstärksten Züchtungen werden im Alter schwächer, gewinnen gleichzeitig an Ausdruck.

Rainer Schnaitmann und BurkhardtSchür sind derzeit die Vorreiter in Sachen Meunier: intensiv in der Farbe, mit leichtem Kupferstich, basierend auf ausdrucksvollen Grundweinen, ergänzt um dezente Hefeautolysenoten – ergibt ein modernes Sektprofil. Momentan stehen die beiden ganz klar an der Pole Position in Sachen Meunier und sind für die Weinkarte sozusagen gesetzt. Doch allein auf weiter Flur bleiben sie nicht, wie der erstaunliche 2016 Pinot Brut Nature vom Weingut Maier aus Schwaikheim am Rande des Remstals zeigt. Ebenfalls mit zartem Kupferton ausgestattet, einer würzigen Nase mit Noten von Bergamotte, Rooibos und Melone, reif in seiner Art, mit feinem Tanninnerv und attraktivem Säurespiel.

Michael Maier hatte bisher eher mit seinen Lagen-Spätburgunder-Rotweinen auf sich aufmerksam gemacht. Künftig sollte man ihn auch beim Sekt auf der Rechnung haben.Weit intensiver gestaltet sich bereits der Wettbewerb in Sachen Pinot Noir. Die Sorte dürfte sich auf absehbare Zeit in der Breite wie Spitze als Königsdisziplin der deutschen Sektwelt etablieren. Schon alleine deshalb, weil das Angebot an Chardonnay begrenzt ist, von alten Reben ganz zu schweigen. Gleichzeitig werden die wenigen Spitzen-Blanc de Blancs aus Chardonnay preislich noch einmal eins drauf setzen. Das Thema Angebot und Nachfrage …

Epizentrum Pfalz

Neben den bereits erwähnten Leuchttürmen Frank John, Reichsrat von Buhl, Bassermann-Jordan, Krack und Eymann, nicht zu vergessen das Weingut Rebholz, das seit Jahren in Zusammenarbeit mit Volker Raumland Flaschengärsekt auf Spitzenniveau erzeugt, scheint die Liste an ambitionierten Sekt­machern in der Pfalz endlos. Eher der klassischen, frucht- bis autolysebetonten Schule zuzurechnen sind Andres&Mugler, der Wilhelmshof, Bergdolt Klostergut St. Lambrecht, (der unter Regie von Carolin Bergdolt durch die Reduzierung der Dosage deutlich an Profil gewonnen hat). Zudem verzichtet kaum ein VDP-Weingut darauf, zur Abrundung seines Sortiments hochwertige Flaschengärsekte anzubieten, herausragende Beispiele dafür sind Philipp Kuhn, Dr. Bürklin-Wolf und Odinstal.

Richtig Gas in Richtung „Sprudel“ gibt die junge Winzergeneration der Pfalz. Die Gebrüder Scheuermann gehören schon länger zu den führenden Betrieben der Sektszene und sind in einem Atemzug mit Eymann zu nennen. Die Gebrüder Andres in Deidesheim haben mit ihrem 9294  Blanc de Blancs aus dem Jahrgang 2019 ein fettes Ausrufezeichen in die Sektlandschaft gesetzt und ihre Ambition untermauert, künftig laut und vernehmlich im Sekt-Konzert mitspielen zu wollen. Dennis Wolf beweist mit seinem Erstlingswerk wieder einmal sein herausragendes Weinmacher-Talent: Der Sekt #01 Extra Brut, Ernte 2018, Tirage im September 2019, minimal geschwefelt und dosiert, zählt auf Anhieb zu den spannendsten Sekten der Pfalz. Leider hat er inzwischen den Familienbetrieb in Großkarlbach verlassen und die Weinberge verpachtet. Doch die gute Nachricht lautet: Vom Sekt aus Spätburgunder, Chardonnay und einem kleinen Teil Weißburgunder liegen noch zwei weitere Tiragen auf der Hefe und zwei weitere Ernten im Fass. Die junge Sektstory wird also zumindest einige Jahre weitergeschrieben werden. Für Sommeliers lohnt es sich definitiv, auf den Zug aufzuspringen.

 

Weingut Andres: zwei Brüder auf Sekt-Vormarsch; Foto: Jo Bayer
Weingut Andres: zwei Brüder auf Sekt-Vormarsch; Foto: Jo Bayer
Sophie Christmann: zweite Generation Vorreiter in der Pfalz; Foto: Fabian Pellegrin
Sophie Christmann: zweite Generation Vorreiter in der Pfalz; Foto: Fabian Pellegrin

Weitere Pfälzer Top-Adressen gefällig? Kein Problem, zum Beispiel das Weingut Reinhardt in Niederkirchen, Wageck in Bissersheim, Oliver Zeter in Haardt, Sven Leiner in Ilbesheim. Alle regelmäßig mit Top-Bewertungen bei Meiningers Deutscher Sektpreis und auch in der redaktionellen Auswahl von meiningers sommelier als Dauergäste vertreten.

Weitere Newcomer

Viele Aufsteiger der vergangenen Jahre zählen inzwischen zum Sekt-Establishment. Doch von Ruhe nach dem Sturm keine Spur. Immer mehr ambitionierte Winzer lassen sich vom Rheingau bis Südbaden inspirieren und verschreiben sich ernsthaft dem Metier der traditionellen Flaschengärung.
Neu auf die Sektbühne getreten ist das Weingut Aufricht am Bodensee, das mit zwei Kleinserien als Preview der Jahrgänge 2019 und 2020 viele Fachleute begeistert: straff, mineralisch, mit gekonntem Holzeinsatz, feinem Säurespiel – mehr als eine Bereicherung für die badische Sektszene. Vielleicht schon auf dem Weg zur neuen Benchmark? Um dies ernsthaft einschätzen zu können, muss man die weitere Entwicklung beobachten.

Zwei Familien mit Sekt-Expertise: Fritz und Friedrich Keller sowie Herbert und Steffen Reinecker; Foto: Weingut Keller
Zwei Familien mit Sekt-Expertise: Fritz und Friedrich Keller sowie Herbert und Steffen Reinecker; Foto: Weingut Keller

In Baden spielt die Sektkellerei Reinecker aus Auggen als zuverlässiger Lohnversekter eine ähnlich wichtige Rolle wie Raumland oder die Sektkellerei am Turm in der Pfalz. Auch die eigenen Ambitionen sind noch einmal deutlich gestiegen, seit mit Steffen Reinecker die nächste Generation an Bord ist. Davon zeugen beispielsweise die drei ­Pinot-Lagensekte Auggen Schäf, Badenweiler ­Römerberg und Feuerbach Steingässle.

Außerdem sind Herbert und Steffen Reinecker gemeinsam mit Fritz und Friedrich Keller aus Oberbergen Partner beim Weingut am Klotz. Natürlich wird auch auf dem ­Korallenkalk an der Grenze zu Frankreich und der Schweiz ein erstklassiger Pinot-Sekt erzeugt, der auf Anhieb mit stilsicherem Handwerk und ausgeprägtem Herkunftscharakter überzeugte, heller als viele andere Blanc de Noirs und mit auffallend feiner Perlage ausgestattet. Ebenfalls im Markgräflerland macht das Demeter-Weingut von Maxi­milian Greiner nicht nur mit Landweinen Furore, sondern beschäftigt sich auch mit Sekt: wilder, etwas grober im Handwerk und mit leicht naturalem Anstrich, bereichert er die badische Sektszene, die ganz offensichtlich ihre größte Dynamik derzeit im äußersten Süden entfaltet.

Die besten Sekt-Erzeuger

Griesel – der Maßstab

Griesel-Sekt: Niko Brandner und sein Team
Foto: Malte Gruener

Niko Brandner ist mit seinem 2016 Pinot Noir Granit F aus der Lage Auerbacher Fürstenlager angetreten, um einen neuen Maßstab in Sachen Blanc de Noirs zu setzen. Ein klassischer Blanc de Noirs, gewachsen auf den Granitböden der hessischen Bergstraße, ausgestattet mit ebenso gepflegter wie mutiger Wildheit.

2016 Pinot Noir Granit F
würzige Nase, Brotkruste, etwas Sauerkraut, intensive ätherische Kräuter, Zitronenthymian; verbindet die Großzügigkeit des Pinot Noir mit einer rassigen, puristischen Art, viel mineralischer Grip, super vertikal und fest wie ein Granitfels.
Bezug: www.weinhalle.de
EVP: ca. 80 Euro

 

Raumland – der Pionier

Volker Raumland
Foto: Andreas Durst

Volker Raumland und inzwischen auch seine Töchter Marie-Luise und Katharina – stehen für edles Sekthandwerk im Zusammenspiel mit ausgedehntem Hefelager. Kein anderer Sektmacher kann auf ein vergleichbares Flaschenlager zurückgreifen

2013 Chardonnay Réserve Brut
Ausgestattet mit einer frechen Wildheit, die sich durch die 2013er-Kollektion zieht, hopfige Würze, geröstete Körner, Koriandersamen; entwickelt einen grandiosen Zug bei brachialer Säurefrische, faszinierend.
Bezug: www.koelner-weinkeller.de
EVP: ca. 36 Euro

Frank John – Mister Riesling

Frank John
Foto: Weingut Frank John

Ein einziger Grundwein, ein Jahr auf der Hefe im Fass und nur über Dosage und Dauer des Hefelagers eine ganze Range an Rieslingsekt entwickeln, das ist die Kunst von Frank John. Dabei wird es allerdings nicht bleiben: In Keller reift schon ein Spätburgunder. Den vorzustellen überlässt er der nächsten Generation, wenn Sebastian und Dorothea in einigen Jahren die Regie übernehmen.

2017 Riesling Brut Nature
Zitrisch, leicht nussig im Duft, Brotgewürz, edle beginnende Reife; am Gaumen Druck, Spannung und rassige Frische, leicht salzig und mit dezenter Rieslingfrucht abgerundet
Bezug: www.alleswein.de
EVP: ca. 30,50 Euro

 

Dennis Wolf  – der Newcomer

Dennis Wolf
Foto: Sophie Freitag


Gleich der erste Sekt des hochbegabten Winzers gehört mit zum Ausdrucksvollsten und Charakterstärksten der quirligen Pfälzer Szene. Klassische Cuvée, gewachsen auf kalkreichen Böden in der Nordpfalz. Ernte 2018, schlanke 11,5 %vol. Weitere vier Jahrgänge wird es sicher geben.

 #01 Extra Brut    
viel Holz, viel Handwerk, Salzzitrone, etwas Tahin erstaunlich komplex, Wermutkraut; super saftig, genau richtig dosierte Frucht, etwas Apfel und reife Zitrusfrüchte, torfig-erdige Würze, pikantes Säurespiel, griffige Textur, unwiderstehlicher Trinkreflex
Bezug: www.rohstoff-wein.de
EVP: ca. 22 Euro

 

Sekthaus Krack – die Vielseitigen

Sekthaus Krack
Foto: Lena Geib

Riesling, Blanc de Blancs, Blanc de Noirs: Anna und Christian vom Sekthaus Krack beherrschen die gesamte Klaviatur – und ab dem Jahrgang 2019 steigt auch die Verfügbarbeit deutlich. Wird ein Stammgast auf vielen Sektkarten werden.

2018 Chardonnay Brut Nature
Kühle, zitrische Nase, frische Kräuter, Estragon, Kerbel, zarter Holzeinfluss; dicht und kompakt, fester, kalkig-mineralischer Kern, Anis-Würze; feine Perlage, edel, hell, stilsicher
Bezug: www.gute-weine.de
EVP: ca. 22 Euro

 

Christmann & Kauffmann – das Versprechen

Christmann und Kaufmann
Foto: Lucie Greiner - Medienagenten

Nicht weniger als sieben Lagensekte aus 2017 reifen im Keller in Neustadt. Die ersten sollen nach vier Jahren Hefelager auf den Markt kommen. Die beiden Cuvées (100er-Serie Riesling, 200er-Serie Burgundersorten) bilden den bereits ambitionierten Einstieg ins Sortiment.

2019 Biengarten Riesling (Rohsekt)
Kommt wohl frühestens Ende 2023 auf den Markt, beeindruckt aber bereits als Rohsekt mit seiner kalkigen Textur, pikantem Säurespiel, herb-zitrischen Frucht und großem Spannungsbogen

 

 

02-2022

Themen der Ausgabe

Panorama

Pechstein - die dunkle Seite von Forst

Pairing

Alexandra Rehberger und Hannah Müller – Weinkompetenz im Schloss Hohenstein

Probe

Brunello – Die neue Hierarchie