Schmerzhaft, aber richtig

»Wir haben leider keine Glaskugel«, sagten uns Vertreter der Messe Düsseldorf vor einer Woche, als wir sie nach der Wahrscheinlichkeit des Stattfindens der ProWein befragten. Unsicherheit ist aktuell ein ständiger Begleiter in all unseren Entscheidungen und verlangt von allen hohe Flexibilität.

Dass die Messe vor einer Woche eine Verschiebung als Option kategorisch ausschloss, um sie nun anzustreben, wirkt merkwürdig, ist aber doch konsequent. Der Blick auf die Inzidenz-Zahlen Frankreichs macht deutlich, was Deutschland in den nächsten Wochen erwartet. Unter solchen Rahmenbedingungen ist eine internationale Weinmesse, bei der Verkosten ein zentraler Bestandteil ist, nicht seriös durchführbar. 

Wenn die Messe nun 10 Wochen vor dem geplanten Termin eine Verschiebung anvisiert, ist das die richtige Entscheidung. Es verlangt den Ausstellern und Besuchern viel ab, sich erneut umstellen zu müssen, und es ist schmerzhaft, wenn Hotels sich nicht umbuchen lassen. 

Clemens Gerke, Chefredakteur WEINWIRTSCHAFT
Clemens Gerke, Chefredakteur WEINWIRTSCHAFT

Der neue Termin im Mai ist für die Präsentation des neuen Jahrgangs auch deutlich unattraktiver. Als Treffpunkt wurde die ProWein in den letzten Jahren aber sehr vermisst. Diese Rolle könnte sie im Mai einnehmen, die Rolle der Einkaufsplattform dürfte im Mai aber weiter an Bedeutung verlieren.

Letzteres liegt aber vor allem an den Ausstellern selbst. Der neue Termin verlangt nicht nur zeitliche Flexibilität, sondern auch konzeptionelle. Die traditionellen Stammkunden sollte man bis Mai abgeklappert haben, genauso wie diese bis Mai ihre Kernplanung fertiggestellt haben werden. 

Dennoch bleibt die ProWein interessant. Sowohl um neue Kundenkreise zu erschließen als auch für die Erweiterung des Erfahrungshorizonts kann die ProWein im Mai wertvoll sein. Exoten werden versuchen, ihre Chancen zu nutzen. 

Auch für die Vorplanung von 2023 bietet der Termin Potenzial. Statt Abschlüssen muss es um Kontaktanbahnung gehen. Im Mai verliert die ProWein für denjenigen viel an Wert, der nur das direkte Geschäft anstrebt. Wer darüber hinaus denkt und den Austausch mit der Branche sucht und vermisst, dürfte sich darüber freuen, dass die ProWein überhaupt stattfinden soll – sofern die Verschiebung der Messe um vielleicht sieben Wochen reicht, um die Durchführung zu sichern.

Ausgabe 2/2022

WEINWIRTSCHAFT 02/2022

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