Aufgeplatzte Beeren nach Hagelschlag im Oltrepò Pavese
Aufgeplatzte Beeren nach Hagelschlag im Oltrepò Pavese

Italien: 103 Unwetter in drei Tagen

Hagelstürme, Wassermassen, Starkregen und Tornados richteten in der letzten Juli-Woche verheerende Schäden in Italiens Landwirtschaft an. Die jüngste Unwetterwelle betrifft vor allem Rebflächen in der Lombardei, im Piemont, in der Emilia-Romagna sowie in den Marken und in Abruzzen. Das Land erlitt innerhalb von drei Tagen 103 Wetterextreme, wie der Bauernverband Coldiretti auf Datenbasis der European Severe Weather Database (ESWD) errechnete. 

Auf das Oltrepò Pavese in der Lombardei und auf die Provinz Cuneo im südlichen Piemont schlugen Hagelstürme mit Eisbällen in der Größe von Tennisbällen ein. Hinzukommen im Oltrepò Schlammlawinen, die in einige Betriebe eingedrungen sind, Kellereianlagen und Weinlager überflutet haben. Nach ersten Berechnungen haben monsunartiger Regen und Hagel die Ernte in den Gemeinden Canneto Pavese, Santa Maria della Versa, Castana sowie Cigognola, Pietra de‘ Giorgi, Lirio, Broni und Stradella bis zu 80 Prozent dezimiert. 

Erhebliche Schäden verursachten die Unwetter auch im Friaul. hat Der starke Wind in Verbindung mit Hagel hat in der Provinz Pordenone und in den Gemeinden Roveredo in Piano, San Quirino, Fontanafredda und Vivaro Weinberge verwüstet. In der Emilia Romagna, im Gebiet von Piacenza im Alta Val Tidone besteht die Gefahr von Ertragseinbußen von bis zu 60 Prozent. Im Piemont ist das Hauptanbaugebiet der Rebsorte Dolcetto am stärksten betroffen. In den Gemeinden Farigliano, Piozzo, Carrù und Dogliani können höchstens noch 10–30 Prozent der Trauben gelesen werden.

Der Hagel hat laut Codiretti ebenfalls in der Region Marken, vor allem in den Provinzen Macerata, Fermo und Ascoli Rebflächen zerfetzt, aber auch in den südlicher gelegenen Abruzzen zwischen Chieti und Pescara. Für Mittelitalien liegen noch keine Schätzungen der Ernteeinbußen vor. Die Extremwetter haben nur weitere Schäden angerichtet, aber die Wassernotsituation nicht beheben können.
 

Brände in der Toskana

Während die genannten Regionen mit den Hagel-und Starkregenschäden kämpfen müssen, wird die Toskana von Waldbränden bedroht. In Scansano in der Maremma (DOC Morellino di Scansano) wurden die Brände inzwischen unter Kontrolle gebracht. Laut Pressebüro der Provinzregierung ist am heutigen 1. August jedoch ein Brand in der Ortschaft Meleto in Greve im Chianti Classico ausgebrochen, eine dicht bewaldete Gegend mit zahlreichen Weingütern und Olivenhainen. 

Die Flammen sind schnell von einem Olivenhain auf einen Pinienwald übergeschlagen. 10 Löschtruppen und zwei Hubschrauber sind derzeit unterwegs, um die Flammen einzudämmen. Der Einsatz von Löschflugzeugen wird ebenfalls erwogen, da die Wetterverhältnisse die weitere Ausbreitung des Feuers beschleunigen könnten. VC

Ausgabe 15/2022

Themen der Ausgabe

Französische Genossenschaften

Pandemiejahre, geringe Erntemengen, Krieg, Inflation und nun ein »brandheißer« Sommer - Frankreichs Genossenschaften betonen die Wichtigkeit von Zusammenhalt und Zusammenarbeit. Dass auch in schweren Zeiten gute Qualitäten auf die Flasche kommen, zeigen die Ergebnisse des WEINWIRTSCHAFT Leistungstests bei den Kooperativen unseres Nachbarlandes.

Rioja

Immer günstigere Reserva-Weine lassen an der Sinnhaftigkeit des althergebrachten Qualitätssystems der Fassreifeklassifizierung zweifeln. Wird es Zeit, neue Qualitätskriterien zu etablieren?

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Wie, wo und wieviel kaufen die Deutschen ein? Ein Marktüberblick anhand aktueller Daten aus dem Lebensmittelhandel.