Nicht nur Stefan Braunewell wusste mit seinen Weinen zu überzeugen (Foto:©Sven Hasselbach/ Rheinhessenwein e.V. )
Nicht nur Stefan Braunewell wusste mit seinen Weinen zu überzeugen (Foto:©Sven Hasselbach/ Rheinhessenwein e.V. )

30. Kollektion Selection Rheinhessen

Am 8. September wurden im Kulturzentrum Mainz die neuen Weine der Selection Rheinhessen vorgestellt. Dabei konnte ein Jubiläum gefeiert werden. Das Projekt wurde im Frühsommer 1992 gegründet, um ein Qualitätssiegel zu schaffen, das sich nicht nur auf den Reifegrad der Trauben bezieht, sondern die Lage bzw. das Terroir mehr in den Fokus rückt.

Die damals festgelegten und zum Großteil heute noch gültigen Kriterien waren neben einem Mindestmostgewicht von 90° Oechsle auch 100 Prozent Handlese, alte Reben, eine vorherige Weinbergsbegehung der angestellten Weinbergslagen durch die Selection Rheinhessen und eine sensorische Prüfung sowie damals ein Mindestpreis von 15 D-Mark für die Flasche. Hierbei ist man seit jeher auf Konsequenz bedacht und nimmt in schwierigen Jahren auch in Kauf, nur eine kleine Kollektion präsentieren zu können. So wurden für die erste Auszeichnung 1992 100 Weine angestellt, von denen es nur 20 in die Kollektion schafften, 1993 bekamen gar nur 12 Weine das Siegel der Selection verliehen. In diesem Jahr haben 24 Weine das Siegel verliehen bekommen, präsentiert wurden allerdings insgesamt 40 Weine mit Selections-Siegel, da auch ältere Jahrgänge zur Präsentation zugelassen waren – was sich vor allem in Hinblick auf einige schön gereifte Rieslinge als berechtigt herausstellte.

Bei der vorausgehenden Pressekonferenz sprach Stefan Braunewell als Vorsitzender des Rheinhessenwein e.V. über seine Einschätzung zum aktuellen Jahr 2022. Er erwartet, dass es ein »besonderes Jahr« für Premiumweine werden dürfte, wenngleich die Trockenheit des Jahrgangs eine Herausforderung für die Winzer darstellt. Das wichtigste Thema sei mittlerweile, Dichte und Komplexität in die Weine zu bekommen, ohne dabei »Alkoholhammer« zu produzieren.
Anschließend gab Alexandra Wollesen von Rheinhessenwein e.V. einen Ausblick auf die Kollektion 2023, für die Stand jetzt 23 angestellte Weinberge kontrolliert würden. Sie rechnet damit, dass noch weitere dazukommen dürften. Den aktuell vorgestellten Jahrgang 2021 bezeichnete Sie ob des schön balancierten Säurespiels als »unwahrscheinlich sexy«.

Sonja Ostermayer, die bereits zu Gründungszeiten der Selection Rheinhessen dabei war, umriss die 30-jährige Geschichte des Projekts. Sie erzählte, dass – nachdem es Ende der 90er Jahre auch Diskussionen gegeben hatte, das Selections-Siegel auf Bundesebene einzuführen – man im stetigen Austausch mit dem VDP gestanden habe, welcher auch inspiriert durch die Selection schließlich seine Qualitätspyramide mit dem Großen Gewächs an der Spitze eingeführt habe. 
Zuvor hatten auch VDP-Betriebe teilweise ihre Weine bei der Selection angestellt. Heute gingen eher viele Selections-prämierte Betriebe später den Weg in den VDP, während einige andere parallel Teil der »Maxime Herkunft Rheinhessen« geworden seien. Auch »Newcomer« profitierten immer wieder durch Anstellungen.


Ostermayer betonte, dass die Selection Rheinhessen ein offenes Programm sei, das allen Winzern die Teilnahme und den Austausch untereinander ermögliche, was auch Stefan Braunewell als wichtigen Punkt für die Erzeuger hervorhob.


Im Anschluss an die Pressekonferenz konnten die Weine an den Probierständen der Winzer verkostet werden. Neben einigen gereiften Weinen fiel dabei vor allem auf, dass die Silvaner von 2021 sich vielversprechend und facettenreich zeigen, ebenso die Rieslinge von kalkhaltigen Böden. 30 Prozent der aktuellen Kollektion machen Rieslinge aus, gefolgt vom Silvaner (25%) und Spätburgunder (23%). Neben 10 Prozent Grauburgundern überraschten unter anderem die Weingüter Weber und Clemens mit einem Fokus auf  komplexe, ausdrucksstarke Premium-Portugieser, sodass diese Rebsorte ebenfalls auf einen Anteil von 10 Prozent kam. Als Exot ist zudem ein Frühburgunder Teil der aktuellen Kollektion. VM

Ausgabe 19/2022

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