Weltweit geht der Weinkonsum zurück (Grafik: OIV)
Weltweit geht der Weinkonsum zurück (Grafik: OIV)

Weltweiter Weinkonsum sinkt

Im ersten Jahr der Pandemie ist der Weinkonsum weltweit um rund 3 Prozent zurückgegangen und liegt geschätzt bei 234 Mill. Hektoliter. Das berichtet die Internationale Organisation für Rebe und Wein (OIV) in ihrem jährlichen Lagebericht über den internationalen Weinbausektor. Es ist das dritte Jahr in Folge, dass der Konsum sinkt und der niedrigste verzeichnete Verbrauch seit 2002. 

Die weltweite Weinproduktion wird für 2020 auf 260 Mill. Hektoliter (+1%) geschätzt, damit liegt die Menge das zweite Jahr in Folge leicht unter dem Durchschnitt. Die Rebfläche liegt im Jahr 2020 bei geschätzten 7,3 Mill. Hektar und ist damit seit 2017 stabil. 

Der globale Weinexportmarkt ist 2020 mengenmäßig leicht rückläufig und erreicht 105,8 Mill. Hektoliter (–1,7%), wertmäßig ist er mit 29,6 Mrd. Euro (–6,7%) noch stärker zurückgegangen. 

Die vollständige oder teilweise Schließung des Horeca-Kanals in vielen Ländern hat einen Rückgang des Umsatzes im Wert und in geringerem Maße im Volumen verursacht, der nur teilweise durch den Anstieg des Weinverkaufs über E-Commerce und große Einzelhändler kompensiert wurde. Auch Verkaufsverbote und die eingeschränkten Reisemöglichkeiten trugen zu den Konsumrückgängen bei. Schließlich waren Handelsbarrieren wie die US-Zölle für einige europäische Weine, Chinas Zölle auf australischen Wein und die Auswirkungen des Brexits weitere Handelshindernisse.

Enorme Rückgänge, partielle Zuwächse

So haben China (–17%) und Südafrika (–19%) – letzteres aufgrund der Verkaufsverbote während der Pandemie – die stärksten Konsum-Rückgänge zu verzeichnen, in Brasilien dagegen nahm der Verbrauch um 18 Prozent zu, vor allem durch Steigerungen im E-Commerce. In Italien wurden 8 Prozent mehr Wein getrunken.

Premium-Wein litt am meisten unter der Schließung von Restaurants und Verkostungsräumen, während große Produzenten, die den Off-Trade-Kanal nutzen konnten, gut abschnitten. Mit Ausnahme von Prosecco ist Schaumwein die Weinkategorie, die im Jahr 2020 am meisten gelitten hat – es fehlten überall schlicht die Trinkanlässe bei Feiern und Veranstaltungen. Im Gegensatz dazu hat der Verkauf von Bag-in-Box-Weinen einen starken Anstieg des Umsatzes erfahren, obwohl die Gesamtvolumina niedrig bleiben.

OIV-Generaldirektor Pau Roca betonte, dass diese Situation einem bereits komplexen System zusätzliche Schwierigkeiten hinzufüge, und nur diejenigen, die ein kontinuierliches Anpassungsverhalten einbauten, sich behaupten werden. »Der Sektor ist hoch konzentriert und daher risikoreich. Das zeigt uns, dass eine Diversifizierung notwendig ist, angefangen beim Konsum«, sagte er.

Das rasante Wachstum Chinas, seit 20 Jahren anhaltend, scheint ein Ende zu haben, neben dem Konsum ging auch die Weinproduktion zurück (–16%), die Anbaufläche sank um 8 Prozent zum Vorjahr und liegt bei 785.000 Hektar. Dennoch: »Asien, als wachsender Verbraucherkontinent, ist eine der größten Herausforderungen für die Weinwelt«, meinte Pau Roca.
Deutschlands Konsum bleibt mit 19,8 Mill Hektoliter unverändert zum Vorjahr, ebenso bleibt den Daten zufolge die Anbaufläche hierzulande mit 103.000 Hektar konstant. Die deutsche Produktionsmenge wird mit 8,4 Mill. Hektolitern angegeben, 2 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Angabe weicht damit um 0,1 Mill. Hektoliter von den Zahlen des Statistischen Bundesamts ab (8,5 Mill. hl). aw

China und Südafrika tranken weniger, Brasilien, Italien und Argentinien deutlich mehr / Grafik: OIV
China und Südafrika tranken weniger, Brasilien, Italien und Argentinien deutlich mehr / Grafik: OIV