Österreichisches Gericht verurteilt Winzer (Foto: Fotolia).
Österreichisches Gericht verurteilt Winzer (Foto: Fotolia).

Weinpanscher in Österreich verurteilt 

Die Vorgänge in Österreich rufen böse Erinnerungen an den Weinskandal der 80er Jahre wach: Im Burgenland wurde ein Winzer wegen Panscherei verurteilt. Der Mann hatte seinen Weinen Glycerin beigemischt, um ihnen »mehr Körper« zu verleihen, heißt es in verschiedenen österreichischen Medien.

Der 37-jährige Mann wurde wegen schweren gewerbsmäßigen Betrugs zu einer Freiheitsstrafe von 16 Monaten verurteilt. Diese wurde aber »bedingt« mit einer dreijährigen Probezeit ausgesetzt – das bedeutet in der österreichischen Rechtsprechung, dass er nicht sofort ins Gefängnis muss, sondern nur, wenn er in seiner Probezeit erneut straffällig wird.

Ebenfalls mitangeklagt war ein Bekannter des Mannes, ein pensionierter Traubenbauer, der ihm zu der Tat geraten und ihm sogar mehrmals das Glycerin besorgt haben soll – was der 80-Jährige jedoch bestritt. Er wurde ebenfalls verurteilt und muss eine Geldstrafe in Höhe von 3.600 Euro zahlen. Beide Urteile sind noch nicht rechtskräftig. Insgesamt sollen 284 Kunden betroffen sein, die Schadenssumme liegt bei mehr als 170.000 Euro.

Drei Jahre lang, von 2016 bis 2019, hatte der Winzer seinen Weinen unbemerkt das synthetische Glycerin beigemengt, bis zu einem halben Liter auf 1.000 Liter Wein. Bei einer Kontrolle der Bundeskellereiinspektion flog der Mann schließlich auf, man fand rund 25.000 Flaschen des gefälschten Weins. Nach anfänglichem Zögern gestand der Winzer seine Tat.

Der Stoff, ein dreiwertiger Alkohol, ist gesundheitlich zwar unbedenklich, wohl aber laut österreichischem Weingesetz verboten. Die farb- und geruchlose Flüssigkeit kann pflanzlichen oder tierischen Ursprungs sein, synthetisches Glycerin basiert auf Erdöl. Es verleiht einem Wein eine höhere Viskosität.

Vor Gericht erklärte der ausgebildete Winzer, er habe nicht gewusst, dass Glycerin im Wein verboten sei – das kaufte ihm das Gericht jedoch nicht ab. aw

Ausgabe 20/2021

WEINWIRTSCHAFT Ausgabe 20/2021

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