92 Punkte: 2020 Bourgogne Chardonnay Les Sétilles, Olivier Leflaive, AOP Bourgogne, 13 % vol.
92 Punkte: 2020 Bourgogne Chardonnay Les Sétilles, Olivier Leflaive, AOP Bourgogne, 13 % vol.

Wein des Monats: Dezember 2022

92 Punkte
2020 Bourgogne Chardonnay Les Sétilles, Olivier Leflaive, AOP Bourgogne,13 % vol.

Die letzte Runde Wein des Monats für das Jahr 2022: Da darf, nein, da muss es sogar etwas Großes und Klassisches sein, am besten Burgund oder Champagne. In diesem Fall von einem Haus, das beides auf Top-Level zelebriert.

An einem trüben, kalten, grauen Vormittag Mitte November statteten uns Sophie Davanture, Operations Director & Sales Manager beim Traditionshaus Olivier Leflaive, und Klaus Kneib vom Deutschland-Partner FrischeParadies einen Besuch in der Redaktion ab – ein Besuch, der diesen trüben, kalten, grauen Novembertag umgehend schöner machte. Mit im Gepäck hatten die beiden knapp 20 verschiedene Weine, vom Basic-Aligoté bis hinauf zum Corton-Charlemagne Grand Cru. Burgunder, die auf allen Ebenen überzeugen und die für Stilsicherheit, Balance und klaren Terroir-Ausdruck stehen. Da gibt es keine anstrengende, forcierte Reduktion oder überbordenden Holzeinsatz, sondern einfach nur viel Wohlgeschmack. Wenn man sich an Villages-Namen und ihre Charakteristiken herantasten will, sind Weine von Olivier Leflaive (nicht zu verwechseln mit der Domaine Leflaive seiner Cousine Anne-Claude) eine Bank: Von den Aufsteiger-Appellationen wie Rully und Santenay bis zum Stilvergleich der rauchigen, kräftigen Meursaults mit den eher hellen, kräutrig-zitrischen Chardonnays des schlankeren Puligny-Montrachet.
Unser Wein des Monats ist ein bisschen unkomplizierter (und günstiger), aber keinesfalls weniger interessant. 

Der 2020 Bourgogne Chardonnay Les Sétilles ist so etwas wie die feine Visitenkarte des Hauses, quasi ein Schritt über den Einstiegs-Bourgogne-Chardonnay. Die Trauben kommen aus vier verschiedenen Bereichen und von typischen kalkig-kieseligen Böden. Ein Großteil Stammt aus Puligny-Montrachet, wo die Geschichte der Familien-Domaine mit Oliviers Großvater Joseph Ende des 19. Jahrhunderts beginnt und wo das Haus heute noch seinen Hauptsitz hat. Dazu kommen Chardonnays aus Lagen in der Gemeinde Meursault, von der weiter südlich gelegenen Côte Chalonnaise und den kühlen Hautes Côte de Beaune. Nach der Pressung und Gärung folgt ein vierzehnmonatiger Ausbau, zu 75 Prozent im Holzfass (davon 15 Prozent neues Holz) und 25 Prozent im Edelstahl. Die Reben sind im Schnitt stolze 45 Jahre alt. All das steckt in diesem Chardonnay, und nach so vielen Infos geht es endlich ans Glas. 

Direkt beim ersten Hineinschnuppern macht sich ein deutlicher, aber feiner und klassischer Chardonnay- und Burgund-Ausdruck bemerkbar: eher heller, reduktiver Stil mit Duftnuancen von gelb-rötlichem Kernobst (vor allem Boskoop), etwas Sesampaste und Mandelsplitter, frischer Maiskolben mit Butter (sehr typisch für klassische Chardonnays aus guten Häusern) und ein super feiner Holzeinsatz. Der Anflug von allererster Reife steht dem Wein prima, und am Gaumen wird der kräftige, hell-nussige Eindruck durch eine pikante Säureader ordentlich aufgefrischt. Das scheinbare Paradoxon, Kraft und Länge mit Frische und Eleganz zu verbinden, kann sehr wahrscheinlich kaum eine zweite Region der Welt so gut wie Burgund (was selbstverständlich nicht nur für Chardonnay, sondern auch für Pinot Noir gilt).

In puncto Pairing werden Sie mit dem Les Sétilles viel Spaß haben, versprochen. Ob als bewährter Partner für edle Fischgerichte (Seezunge, Wolfsbarsch, Steinbutt und viel mehr gerne alles mit Beurre Blanc und Zitrone), zum Bresse-Huhn oder zu Pilzgerichten (Steinpilzrisotto oder Morcheln sind Traum-Kandidaten), dieser Chardonnay darf gerne auf den Feiertags-Einkaufszettel. Dort machen sich übrigens auch die Champagner von Oliviers Sohn Valentin Leflaive sehr gut, doch das ist schon wieder eine andere Wein-des-Monats-Geschichte wert ... 

Preis: circa 29,99 €
Bezugsquelle: www.frischeparadies-shop.com

Ausgabe 02/2023

Erhältlich ab 11. Januar: Weingut Schloss Schönberg // Weine vom Bodensee // Meiningers Deutscher Pinot-Preis

Themen der Ausgabe

Lust auf was Leichtes?

Da haben wir genau das Richtige für Sie. Mit dieser leicht pikant gewürzten und aromatischen Misobrühe mit Dorschfilet wickeln Sie Ihre Gäste einfach um den kleinen Finger. Der passende Weintipp darf auch nicht fehlen. Der kommt dieses Mal von Lea Rupp, die das Restaurant Mühle im gleichnamigen Hotel in Schluchsee betreibt. »Rezept und Wein verraten wir hier

Spannende See-Funde

Rund um den Bodensee wird Wein angebaut, in Deutschland, Österreich und in der Schweiz. Wir haben eine Rundreise gemacht und uns mit Winzerpersönlichkeiten getroffen, die mit charaktervollen und individuellen Weinen glänzen. Machen Sie sich gefasst auf eine traditionsreiche Kulturlandschaft, die durch visionäre Zukunftsideen neuen Glanz bekommt.

Schloss Schönberg

„Unterwegs auf unbekanntem Terroir“. So lautet der Claim vom jüngsten Weingut an der Hessischen Bergstraße. Rabea Trautmann und Julien Meissner sind angetreten, um mit intelligentem Handwerk, hohen Ansprüchen und einer konsequenten Qualitätsoffensive die Weine von Schloss Schönberg an die Spitze zu führen. Und das gelingt perfekt.