OIV-Generaldirektor Pau Roca stellte die Ernteschätzungen in einer Online-Pressekonferenz vor
OIV-Generaldirektor Pau Roca stellte die Ernteschätzungen in einer Online-Pressekonferenz vor

Süd-Nord-Gefälle

Die OIV rechnet für 2021 mit einer weltweiten Weinernte von ca. 250 Mill. Hektoliter (hl) Wein. Dies bedeute den dritten Jahrgang in Folge mit einer unterdurchschnittlichen Menge. 2021 sei ein extrem kleiner Jahrgang, vergleichbar mit 2017, sagte OIV-Generaldirektor Pau Roca. Zugleich rechnet die OIV mit einem Wachstum des Konsums um 2 Prozent gegenüber 2020, wobei dieser angesichts der Unwägbarkeiten der Covid-19-Pandemie sehr schwer zu schätzen sei. Dennoch werde es aufgrund der vorhandenen Bestände insgesamt nicht zu einer Versorgungslücke kommen, wobei es regionale Knappheiten geben könne.

2021 entwickelten sich Nord- und Südhalbkugel in unterschiedliche Richtungen. Für die Südhalbkugel schätzt die OIV die Erntemenge auf 59 Mill. hl, ein Zuwachs um 19 Prozent auf den höchsten bisher registrierten Wert. Alle Weinbaunationen der Südhalbkugel hätten sich positiv entwickelt – mit Ausnahme Neuseelands, das 13 Prozent weniger als in Normaljahren erntete (2,7 Mill. hl). Australien hat im Süden mit 14,2 Mill. hl (+14% zu 5-Jahres-Mittel) die größte Ernte eingefahren, gefolgt von Chile (13,4 Mill. hl, +23%), Argentinien (12,5 Mill. hl, +15%) und Südafrika (10,6 Mill. hl, +4%).

Ganz anders das Bild auf der Nordhalbkugel. Vor allem die drei großen Weinbauländer ziehen die Erntemenge nach unten. Italien bleibt 2021 trotz eines Rückgangs um 9 Prozent mit 44,5 Mill. hl größter Produzent. Für Spanien erwartet die OIV eine Ernte, die mit 35 Mill. hl 14 Prozent kleiner als im Vorjahr und 9 Prozent kleiner als im 5-Jahres-Schnitt ausfällt, Frankreich folgt auf Platz 3 (34,2 Mill. hl, –22%).

Für Deutschland, Portugal, Österreich und Ungarn erwartet die OIV nahezu normale Erntemengen. In Europa stechen Rumänien mit 5,3 Mill. hl (+29% zu 5-J.-Mittel) und Griechenland heraus. Die Griechen haben prozentual noch größere Einbußen als Frankreich und sollen 1,7 Mill. hl (–29% zu 5-J.-Mittel) ernten.

Auch für die USA als viertgrößtem Produzenten weltweit geht die OIV von einer nahezu normalen Ernte aus. Hier sollen mit 24,1 Mill. hl 6 Prozent mehr als im Vorjahr und 3 Prozent weniger als im 5-Jahres-Schnitt geerntet werden.

Für China konnte die OIV noch keine Zahlen vorlegen. Sie geht aber von einem strukturellen Rückgang des Weinmarkts in China aus, der sich sowohl auf den Konsum als auch auf die Produktion auswirke. Zum einen würden sich die chinesischen Weinerzeuger mehr auf Qualität und den Konsumentengeschmack ausrichten, zum anderen wachse die chinesische Wirtschaft nicht mehr so schnell wie in der Vergangenheit. 

Der internationale Handel mit Wein habe wieder angezogen. Gegenüber 2020 sei die Menge im ersten Halbjahr 2021 um 9 Prozent und der Wert um 21 Prozent gewachsen, doch auch im Vergleich zu 2019 sei die Entwicklung positiv. Die Menge sei 4 Prozent höher, der Wert 6 Prozent. Die OIV vermutet, dass die Krise im weltweiten Transport ihren Höhepunkt bereits erreicht habe. 

Insgesamt äußerte sich Roca bei der Vorstellung der Ergebnisse sehr positiv über den Zustand der Weinbranche, die viel besser durch die Covid-19-Pandemie gekommen sei als erwartet. Letztlich habe die Krise sogar Innovation, insbesondere im E-Commerce, gefördert. Allerdings sei der Klimawandel eine große Bedrohung für die Weinbranche, der man mit verschiedenen Strategien begegnen müsse. Aufgabe der OIV müsse es sein, mit Ratschlägen zu Maßnahmen zur Verfügung zu stehen. cg

Lesen Sie einen ausführlichen Erntebericht in WEINWIRTSCHAFT 23/2021

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