Christof Queisser präsentiert die Trendstudie (Foto: Sascha Venturi)
Christof Queisser präsentiert die Trendstudie (Foto: Sascha Venturi)

Rückzug ins Private

Als »gut und stabil« bezeichnete Christof Queisser, Vorstandssprecher der  Rotkäppchen-Mumm Sektkellereien, den Geschäftsverlauf im laufenden Jahr, anlässlich einer vorweihnachtlichen Pressekonferenz. Wie das Vorjahr sei 2021 als 2. Jahr in Folge wieder entscheidend durch die Entwicklung der Corona-Pandemie geprägt, die auch wieder Einfluss auf das Wein- und Sektgeschäft habe. Der Trend zum Konsum zuhause halte an, wobei auch die Tendenz, in den eigenen vier Wänden Besseres zu konsumieren, weiter fortbestehe.  

Angesichts der Ernte 2021 in Europa und der Waren- und Materialversorgung gehöre der Aufrechterhaltung der Lieferfähigkeit größte Aufmerksamkeit. Sein Unternehmen sei in den wichtigsten Bereichen weiter lieferfähig, aber es können bei einzelnen Produkten auch zu Engpässen kommen. Insgesamt müssten Handel wie Verbraucher mit steigenden Preisen rechnen. Genauere Angaben zu Absatz und Umsatz im bisherigen Jahresverlauf wollte Queisser nicht nennen, gab aber an, dass angesichts des Trends zu höherwertigen Produkten, mit einem relativ stärkeren Umsatz- als Absatzwachstum zu rechnen sei. 

Trotz der fortbestehenden  Veränderung des Konsumverhaltens blieben die letzten sechs Wochen des Jahres für das Gesamtergebnis entscheidend, meinte Queisser, weshalb es für konkrete Zahlen noch zu früh sei. Hinsichtlich der Preisentwicklung erwartet Queisser höhere Preise im kommenden Jahr und für die Marke Rotkäppchen eine Erhöhung des UVP um rund 10 Prozent von 2,79 auf 2,99 Euro, wie er auf Nachfrage von WEINWIRTSCHAFT erläuterte. Die Angebotspreise von 2,59 bis 2,79 Euro müssten ansteigen, meinte Queisser.

Mit einer eigenen Trendstudie, die durch das Münchner Trendbüro erstellt wurde, ging RMSK den aktuellen Trends im Verbraucherverhalten nach, die im Großen und Ganzen eine Bestätigung für den eigeschlagenen Weg des Unternehmens sei. Prägend, so die Studie, der eine repräsentative Online-Befragung von rund 500 Teilnehmern zugrunde liegt, ist das Fortbestehen der schon im vergangenen Jahr gezeigten stärkeren Suche nach Genuss, die mangels Gelegenheit im Außer-Haus-Konsum sich in die eigenen vier Wände verlagert habe.

Gutes familiäres Gastgebertum, mehr Wissen und Kennerschaft, was gerade auch von jüngeren Konsumenten erwartet werde (Generationen Y und Z, die durch lebenslanges Lernen geprägt sind), die Sehnsucht nach Orientierung durch Marken, die Verlässlichkeit sicherten, und die Rückbesinnung auf Traditionen und traditionelle Werte wären die wichtigen Antriebskräfte des aktuellen Verbraucher- und Konsumverhaltens. Dazu gehöre auch ein stärker selbstbestimmter Konsum. Man unterwerfe sich nicht mehr gesellschaftlichen Konventionen, wenn es etwas zu feiern gäbe, sondern würde die Anlässe selbst bestimmen. 

Wichtige und in der letzten Zeit fortentwickelte Produkte wie die Linie »Elfhundertzwölf« aus dem Hause Markgraf von Baden, die Markenfamilie »Doppio Passo«, den Proseccos aus dem Hause Ruggeri oder die Sekte von Geldermann, die zweistellig zulegen würden, lägen ganz auf der Linie der Zeit. hp

Ausgabe 10/2022

WEINWIRTSCHAFT 10/2022

Themen der Ausgabe

Nachhaltigkeit

Das aktuelle Kern- und Reizthema der Branchenkommunikation. Egal ob mit Bio-Siegel oder ohne – im Weinbau gibt es viele kleine und große Schritte zu mehr Nachhhaltigkeit. WEINWIRTSCHAFT hat sich bei verschiedenen Erzeugern umgehört und umgesehen – und ein paar hochinteressante Piwi-Weine verkostet.

»Auf dünnem Eis«

VDP-Präsident Steffen Christmann im Interview über die Qualitätspyramide, GGs für Jedermann und deutschen Sekt. Wie die Zukunft des deutschen Weinbaus aussehen kann und welche Rolle der VDP einnimmt und einnehmen will.

Lombardei

Vermutlich kennen Sie Franciacorta, aber haben Sie schon einmal von Oltrepò Pavese gehört oder gekostet? Über eine unterschätzte Schaumweinappellation im Schatten des bekannten Nachbarn.