Die Studie wurde im September vorgestellt
Die Studie wurde im September vorgestellt

Oxfam-Studie über unfaire Arbeitsbedingungen in Italiens Weinwirtschaft 

Die globale Nothilfe- und Entwicklungsorganisation Oxfam hat im Auftrag des schwedischen Staatsmonopols Systembolaget die Studie »The workers behind Sweden‘s Italian wine« verfasst. Das schwedische Unternehmen, das den Einzelhandel von alkoholischen Getränken mit mehr als 3,5 Volumenprozent kontrolliert, will die Achtung der Menschenrechte in seinen Lieferketten bei den Ausschreibungen zunehmend in den Mittelpunkt stellen. 

Die Schweden beauftragten Oxfam, Recherchen in den vier Regionen Italiens durchzuführen, die ihre Hauptlieferanten sind: Apulien, Sizilien, Piemont und Toskana. Von den aktuellen Vertragskellereien war lediglich eine bereit, sich den Fragen der Menschenrechtler zu stellen. So stützen sich die Ergebnisse auf insgesamt 79 Interviews mit Arbeitern im Weinberg und im Keller sowie auf Sekundärliteratur. Oxfam führte zwei Feldstudien zwischen September 2019 und April 2021 durch, beide in ungünstigen Zeiten. Einmal erschwerte die Ernte die Untersuchungen, das andere Mal die Covid-19-Beschränkungen. 

»Idealerweise hätte Oxfam die zweite Phase der Feldarbeit mit einer viel tiefer gehenden Einbeziehung der Arbeiter durchgeführt, unsere Forscher hätten Zeit gehabt, das Vertrauen der Arbeiter durch persönliche Treffen zu gewinnen und die Auswirkungen hinter den Ja/Nein-Antworten auf unsere Fragen tiefer zu erforschen«, heißt es in der 118-Seiten langen Studie. 

Über die Ausbeutung von Landarbeitern und Erntehelfern in der Agararindustrie, vor allem von Emigranten, und über die Agrarmafia existieren erschreckende Berichte. Außer Frage steht, dass auch der Weinsektor betroffen ist, aber die Überlegung muss erlaubt sein, ob die Aussagen von 79 unter Tausenden von Arbeitern als repräsentativ gelten können.

Die unter den beschriebenen Einschränkungen erhobene Recherche fördert zu Tage, dass ein erheblicher Teil der Arbeitnehmer in den vier Regionen nicht in der Lage ist, seine Grundbedürfnisse mit dem Lohn für die Arbeit im Weinberg zu decken (80% der Befragten in Apulien, 25% in Sizilien, 15% in der Toskana). Infolgedessen müssen die Arbeitnehmer mehr als 8 Stunden pro Tag arbeiten, um ihre Grundbedürfnisse zu decken (60% in Apulien, 35% in Sizilien, 10% in der Toskana). 

Ein erheblicher Anteil der Arbeiter in allen Regionen gab an, dass sie sich nicht trauen würden, ein Anliegen oder eine Beschwerde am Arbeitsplatz vorzubringen (50% in der Toskana, 43% in Apulien, 21% in Sizilien, 14% in Piemonte). Viele begründeten dies mit der Angst, ihren Arbeitsplatz zu verlieren. Darüberhinaus beklagten sich 57 Prozent der Interviewpartner im Piemont, nicht für Überstunden bezahlt zu werden und 64 Prozent der Piemonteser Arbeiter fürchten Repressalien, wenn sie in eine Gewerkschaft einzutreten (30% auf Sizilien). Die Abwesenheit von angemessener, persönlicher Schutzausrüstungen, zum Beispiel für das Spritzen im Weinberg, gaben 79 Prozent der Befragten in Apulien an (von denen laut Oxfam viele selbstständige Winzer sind) und 25 Prozent in der Toskana. 

Einzelheiten sind der Studie zu entnehmen.

In Schweden ist Italien Hauptlieferant für importierte Weine. Systembolaget will ab 2022 die soziale Nachhaltigkeit der Weine bei den Ausschreibungen stärker berücksichtigen. vc

Ausgabe 21/2021

WEINWIRTSCHAFT Ausgabe 21/2021

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