Die Weine aus der hochgelegenen DOC Verdicchio di Matelica sollen künftig nur noch als Matelica vermarktet werden (Foto: Crecelius)
Die Weine aus der hochgelegenen DOC Verdicchio di Matelica sollen künftig nur noch als Matelica vermarktet werden (Foto: Crecelius)

Matelica emanzipiert sich

Die DOC Verdicchio di Matelica hat beschlossen sich umzutaufen. Die kleine, feine DOC in den Marken will die Rebsorte Verdicchio aus dem Namen streichen und sich komplett auf die Identität des Territoriums verlassen. Matelica DOC und Matelica Riserva DOCG soll sie nach Wunsch der Produzenten heißen, auch damit sie sich deutlicher von der rund neunmal größeren Schwester-DOC Verdicchio dei Castelli di Jesi absetzt.

Das ist sinnvoll, wenn man die großen Unterschiede der Anbaubedingungen in den beiden Verdicchio-DOCs betrachtet. Castelli di Jesi breitet sich auf sanften Hügeln im Hinterland der Küste aus. Matelica liegt im Hoch-Vallesina, der einzigen Talebene mit Nord-Süd-Ausrichtung, zudem umschlossen von einer Bergkette. Meereseinflüße erreichen die Rebberge, die in der Regel auf 400 bis 850 Meter Höhe angelegt sind, nicht. Die Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht sind sehr hoch, im Sommer kühlt es nachts unter 20 Grad ab. Die Jahrgangsweine sind in der Regel säurefrischer und nordisch geprägter als die aus den Castelli di Jesi. 

Bei den Riservas setzen die Winzer vor allem auf eine große Struktur und Langlebigkeit, im Ausbau kaum mehr auf Holz, sondern auf Stahl und Zement. »Die Produktion von Jesi ist acht- bis neunmal größer, aber in der Kategorie Riserva ist Matelica die meistverkaufte. Wir wollen keinen ›Kirchturmkrieg‹ anzetteln, sondern uns für ein Brand einsetzen und zwar in der Überzeugung, dass es sich um einen großen Wein handelt, der relauncht werden kann«, erklärte Antonio Centocanti, der Präsident des Dachkonsortiums IMT (Istituto Marchigiano di Tutela Vini) und der Winzergenossenschaft Belisario.

Das exzellente Abschneiden der Weine in den acht größten Weinführern Italiens hat Matelica gewiß auch ermutigt, die Namensänderung voranzutreiben. 2020 wurden 20 Weine Matelicas höchstprämiert, neun mehr als im Vorjahr, weit mehr als im Schnitt der letzten Jahre.

Das Anbaugebiet hat nur 268 Hektar. 2019 wurden 1,8 Mill. Flaschen Verdicchio di Matelica produziert. Den Löwenanteil vermarkten die beiden Genossenschaftskellereien Belisario und Provima. 40 Prozent des Verdicchio aus Matelica geht auf internationale Märkte, vor allem nach Deutschland und die Niederlande, gefolgt von den USA.

Es ist schwer abzuschätzen, ob sich Matelica einen Gefallen damit tut, den Verdicchio aus dem Namen zu streichen. So berühmt ist Matelica nun auch nicht. Andere kleine Herkünfte wie etwa Dogliani und Diano d’Alba im Piemont, die die Rebsorte Dolcetto aus ihrem Namen entfernten, haben nicht die gewünschte Stärkung des Profis erzielt, sondern eher Orientierungslosigkeit auf dem Markt. Andererseits hat Verdicchio seit vielen Jahren eine wesentlich bessere Marktpräsenz als Dolcetto, zumindest in Deutschland. Außerdem gibt es nur zwei Verdicchio-DOCs in Italien. Wer Verdicchio verkauft und trinkt, kann Matelica eventuell auch ohne den Zusatz Verdicchio einordnen.

Matelica muss nun die Bewilligung des Antrags in Rom und Brüssel abwarten, um sich auch namentlich besser vom Verdicchio dei Castelli di Jesi abzusetzen. Für beide Herkünfte gilt jedoch ab dem 1.September 2020 die Pflicht, jede Flasche mit dem nummerierten Staatssiegel am Flaschenhals auszustatten. Die Produzenten müssen per Gesetz nur DOCG-Qualitäten mit der Staatsbanderole versehen. Es war eine freiwillige Entscheidung der Produzenten, auch für die DOC-Weine die lückenlose Rückverfolgbarkeit der Produktionskette zu garantieren. vc
 

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