Sauvignon-Blanc-Vertikale bei Oliver Zeter (Foto: Annette Sandner)
Sauvignon-Blanc-Vertikale bei Oliver Zeter (Foto: Annette Sandner)

Lasst den Sauvignon Blanc liegen!

Sauvignon Blanc teilt die Meinungen. Geliebt für seine expressive Art, die durch einen straffen Säurenerv genug Rückgrat bekommt, gehasst für seine teilweise belanglose Gefälligkeit, die ins beißend-grüne Extrem umschlagen kann. Wie gut hochwertiger Sauvignon Blanc aus Deutschland reifen kann, bewies der Pfälzer Winzer Oliver Zeter in einer großen Vertikalverkostung.

Das macht sie zu einer Alternative in Fachhandel und Gastronomie zum Weißwein-Reife-Klassiker Riesling: So stand im ersten Flight der Sauvignon Blanc des Gutswein-Äquivalents (Ab-Hof-Preis 11,80 €) auf dem Tisch, vom aktuellen 2021er-Jahrgang zurück bis 2007. Gereift, ja – alt, nein. Auch die länger zurückliegenden Jahrgänge trumpfen mit einer ansprechenden, nicht überbordenden Frucht auf, unter die sich elegante Reife-Noten mischen. 

Gleiches gilt für den »Fumé«-Flight (Ab-Hof-Preis 17,50 €), der anders als der Gutswein im Holz ausgebaut wird. Daraus ergibt sich mehr Komplexität, ohne dass der Holzeinfluss dominant ist. In den Weinen spiegelt sich diese Eigenschaft wider – mehr Struktur, Tiefgang, ein würzigeres Aromenspektrum. Die Vertikale reichte bis 2008 zurück, einem eher kühlen Jahrgang. In diesem Jahr, erzählt der Winzer, habe sich sein »Grundrezept« für die hauseigene Stilitik entwickelt, die am ehesten in Richtung Sancerre/Pouilly-Fumé mit Anleihen aus Südafrika ausschlägt, wo sich Zeter einige Zeit aufhielt. Letzendlich handelt es sich aber um einen hauseigenen Stil.
 

Kein klassisches Riesling-Profil

Die Anbaufläche von Sauvignon Blanc habe sich laut dem Deutschen Weininstitut in den letzten zehn Jahren verdreifacht und beträgt Stand 2020 1.661 Hektar in Deutschland. Das untermauert, dass viele darin eine Mode-Rebsorte sehen, die nur von wenigen Produzenten mit der Wertschätzung behandelt wird, die üblicherweise der Riesling abbekommt. Das ist wohl auch einer der Gründe, warum deutscher Sauvignon Blanc selten jenseits austauschbarer Terrassenwein-Qualitäten, die Zeter als »banale Cash-Cow« bezeichnet, im Fachhandel oder der Gastronomie landet. 

Die Sorte brauche zudem viel Wasser, die üblichen Riesling-Toplagen sind für hochwertigen Sauvignon Blanc deswegen oftmals zu trocken. Das entkräftige den Klimawandel-Effekt, der häufig herangezogen wird, wenn von internationalen Rebsorten in Deutschland die Rede ist. »Sauvignon Blanc ist nicht die Antwort auf den Klimawandel«, betont der Winzer.

Im Umkehrschluss bedeutet das: Das Premiumsegment des deutschen Sauvignon Blancs dürfte klein bleiben, vor allem durch trockene Jahre wie 2022. Fachhändler und Gastronomen auf der Suche nach Alternativen können dennoch Akzente setzen mit dem überraschend reifefähigen Rebsorten-Import – ohne auf Loire, Steiermark oder Neuseeland auszuweichen. SW

Verkostungs-Highlights:

Sauvignon Blanc 2017: weiße Blüten, kandierte gelbe Früchte, unterlegt mit einem dezenten Reife-Eindruck von Orangenblütenhonig; am Gaumen saftig, straff dank stringenter Säure, langer Zug und langes Finale

Sauvignon Blanc 2010: charmante Reife, Schießpulver, auch balsamische Noten, Waldhonig, Olivenöl; frische leicht pikante Säure, ganz dezente grüne Hinweise, mit zitrischer Frucht durchsetzt

Sauvignon Blanc 2009: kernig, präziser Gerbstoff, fest, knackig, viel reife Stachelbeere, enorme Spannung, balanciert

Sauvignon Blanc »Fumé« 2013: grün, ohne bissig zu sein, Birnen, Bohnen und Speck, Heu, englische Orangen-Marmelade; eher karg und zielstrebig, viel Tiefe und Struktur, tolle Länge

Sauvignon Blanc »Fumé« 2012: frisch-vegetabil, gelbe Frucht, etwas Ananas, Papaya; üppig, voll entfaltet, extrem balanciert, alles sehr harmonisch verbunden

Sauvignon Blanc »Fumé« 2008: leicht petrolig – im positiven Sinne; Süßholz, Waldhonig, dahinter kandierte gelbe Frucht; überraschende Frische, sehr elegante Harmonie, würzig geprägter Nachhall

Ausgabe 19/2022

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