Der Stein des Anstoßes: St. Antonys Wein mit Banksy-Etikett (Foto: The Storybuilders).
Der Stein des Anstoßes: St. Antonys Wein mit Banksy-Etikett (Foto: The Storybuilders).

Kontroverse um St. Antonys Banksy-Wein

Ein regelrechter »Tsunami« sei über sie gerollt, so berichtet es der geschäftsführende Gesellschafter des rheinhessischen Weinguts St. Antony, Dirk Würtz, in einem Wein-Podcast. Ihr neuestes Produkt, im April 2020 vorgestellt, stieß auf immense Aufmerksamkeit: ein Rosé aus der Hand von St. Antony in Kooperation mit dem weltberühmten Streetart-Künstler Banksy. Das Etikett des »Love & Hope« ziert das bekannte Motiv »Girl with Balloon«. Preispunkt: 9,90 Euro. Der Wein habe sich zu »99,9 Prozent« über dieses Etikett verkauft, berichtet Würtz bei selbigem Podcast-Auftritt.

Soweit der Erfolg. In der Öffentlichkeit kommen nun Fragen auf, wie echt die Zusammenarbeit mit dem zwar weltbekannten, gleichfalls aber auch völlig unbekannten Künstler ist. Der Weinblog Captain Cork, bekannt für seine ab und an reißerischen Berichte, wirft Dirk Würtz in einem ausführlichen und auch im jüngsten Newsletter geteasten Artikel vor, die Zusammenarbeit mit Banksy vorgetäuscht zu haben.

Als möglicher Beweis wird unter anderem angeführt, dass die Firma Pest Control Office Limited, die als anerkannter Interessenvertreter Banksys gilt, erstens auf ihrer Website jegliche Merchandising-Aktivitäten des Künstlers bestreitet. Genau dort wird auch ein ebenfalls mit dem »Girl with Ballon«-Motiv gelabelter Rotwein aus Italien als klarer Fake betitelt. Zweitens habe die Pest Control Office Limited dem Blogger von Captain Cork auf Anfrage bestätigt, dass es keinerlei Zusammenarbeit gäbe.

Auf Anfrage von WEINWIRTSCHAFT unterstreicht Würtz das korrekte Vorgehen seinerseits: »Wir haben vor Beginn dieser besonderen Zusammenarbeit sorgfältig geprüft und prüfen lassen, wer unser Vertragspartner ist. Auf dieser Basis sind wir umfangreiche vertragliche Verpflichtungen eingegangen und zahlen selbstverständlich auch die Kooperation.«

Zur Frage, ob er Banksy persönlich getroffen habe, hat sich Würtz bisher eher ausweichend geäußert, lässt aber durchblicken, dass der Künstler ihn besucht habe: »Das war schon sehr speziell, hier in St. Antony bei seinem Auftritt der besonderen Art inklusive Installation. Sein Koffer steht hier übrigens immer noch.« Dass es sich dabei auch um den echten Banksy handelte, davon ist Würtz überzeugt: »Wir haben nicht nur auf die ›Papierrechtslage‹ vertraut, sondern sind der Sache von Anfang an selbst nachgegangen, soweit das möglich ist: Den Menschen, der hier in Rheinhessen zur Besprechung unserer Kooperation war, habe ich ziemlich sicher in einem offiziellen Banksy-Video wieder erkannt.«

Gleichzeitig berichtet Würtz, dass die Firma Pest Control Office Limited sich bereits im April letzten Jahres, wohl nach Vorstellung des Produkts, bei ihm gemeldet habe: »Wir wurden im April vergangenen Jahres von Pest Control per E-Mail kontaktiert. Nachdem wir anschließend die Rechtsanwälte unseres Lizenzgebers zur Klärung aufforderten, hat sich Pest Control nie wieder bei uns gemeldet. Gleichwohl haben wir inzwischen von uns aus Pest Control kontaktiert und um Aufklärung gebeten – bisher gibt es kein Feedback.« aw