Der Cava-Hersteller Freixenet gerät durch unrentables Wirtschaften in die Misere. (Foto: Freixenet)
Der Cava-Hersteller Freixenet gerät durch unrentables Wirtschaften in die Misere. (Foto: Freixenet)

Freixenet schneidet schlecht ab

Noch hat die Dr. Oetker-Tochter Henkell&Co. den Zuschlag für den Kauf von Freixenet nicht erhalten, doch es spricht vieles dafür, dass das mit 500 Millionen Euro bewertete Unternehmen nach Veröffentlichung der Zahlen für das Geschäftsjahr 2015/2016 den Besitzer wechselt. 
 
Ein dramatischer Umsatzrückgang und Gewinnverluste innerhalb der letzten acht Jahre sowie Verbindlichkeiten, die spanischen Medien zufolge über 500 Millionen Euro betragen, lassen den Cava-Giganten aus Katalonien auf wackeligem Fundament stehen. Vor der Wirtschafts- und Finanzkrise 2007/2008 kam Freixenet auf einen Gewinn von jährlich 30 Millionen Euro. Einbrüche in ausländischen Märkten, insbesondere Frankreich, Argentinien und Australasien reichten, um den Gewinn im Geschäftsjahr 2014/2015 auf 2,2 Millionen Euro absacken zu lassen. Für 2015/2016 wird ein Gewinn von 4 Millionen Euro erwartet. 
 
Die schlechte finanzielle Situation von Freixenet wird von Brancheninsidern zum einen auf die hohe Kostenbelastung durch die 2.200 weltweit beschäftigten Mitarbeiter zurückgeführt, die tarifvertraglich festgelegte und somit relativ hohe Löhne erhalten. Zum anderen führte die Konzentration auf das absatzstarke Deutschland andere Märkte und vor allen Dingen den heimischen spanischen Markt ins Hintertreffen, so die Kritik von Anteilseigner Enrique Hevia Ferrer. 
Im Vergleich zu Freixenet mit einer Jahresproduktion von ca. 200 Millionen Flaschen und 2.200 Mitarbeitern, produziert das zu García Carrión gehörende Cava-Haus Jaume Serra 50 – 100 Millionen Flaschen mit 50 Mitarbeitern, so der Vergleich von spanischen Marktbeobachtern. 
 
Die Familien Hevia Ferrer und Bonet Ferrer halten jeweils 29 Prozent der Anteile an Freixenet und wollen verkaufen, da aus ihrer Sicht das Unternehmen nicht mehr wettbewerbsfähig ist; Die Familie Ferrer Noguer hält 42 Prozent der Anteile und sträubt sich mit allen Mitteln gegen einen Verkauf. Letztere ist, wie WEINWIRTSCHAFT bereits berichtete, bei spanischen Banken vorstellig geworden, um einen Kredit von knapp 120 Millionen Euro aufnehmen zu können, der es ihr ermöglichen würde die 58 Prozent der beiden anderen Familienstämme aufzukaufen und alleiniger Gesellschafter von Freixenet zu werden. 
 
Doch so einfach spielen die Banken nicht mit: Wegen der in den letzten Jahren gezeigten geringen Rentabilität des Unternehmens machen potenzielle Geldgeber die Auslagerung der Geschäftsführung an eine externe Stelle sowie die Professionalisierung des Unternehmens und Senkung der Betriebskosten zur Bedingung. AC