Trotz anhaltender Trockenheit in Italien wird teilweise mit einer größeren Ernte als 2021 gerechnet
Trotz anhaltender Trockenheit in Italien wird teilweise mit einer größeren Ernte als 2021 gerechnet

Dürre in Italien

Eine monatelange Dürreperiode und für die Jahreszeit ungewöhnlich hohe Temperaturen bedrohen die Landwirtschaft Italiens. Vor allem im Nordwesten des Landes und in Teilen des Nordostens, des Latiums, Apuliens, Kalabriens und Siziliens sind Ernteeinbußen zu erwarten. 

Bewässerungssysteme helfen nur bedingt, weil einige Gemeinden bereits die Rationierung von Wasser beschlossen und den Gebrauch von Trinkwasser auf Nahrung und Hygiene beschränkt haben. Mancherorts rinnt nachts stundenweise gar kein Wasser mehr aus dem Hahn. Die Wasserentnahme aus Flüssen ist aufgrund geringer Wasserstände für die Landwirtschaft limitiert worden. Das Land rechnet dieser Tage mit einem national bindenden Dekret zur Einschränkung des Wasserkonsums.
 

Veneto trotz Wassermangel (noch) im grünen Bereich

Die Region Venetien gab in einer ersten Ernteprognose Einbußen für einige Rebsorten bekannt, auch die Verbreitung der goldgelben Vergilbung (Flavescenza dorata) gibt Anlass zur Sorge. Im Veneto fehlen in diesem Jahr bisher 300/400 Millimeter Wasser. Im Mai regnete es 46 Prozent weniger als im Durchschnitt, im April 33 Prozent, im März reduzierten sich die Niederschläge sogar um 81 Prozent, im Februar um 52 Prozent ähnlich wie im Januar (-53%). Zudem kommt es nachts kaum zu Abkühlung gegenüber den Tagestemperaturen.

Kaum Pilzkrankheiten, auch gute Erträge

»Dennoch ist die phytosanitäre Situation in den Weinbergen zufriedenstellend. Die geringen Niederschläge haben die Pilzkrankheiten in Schach gehalten, so dass zwei, drei Behandlungen weniger als im Durchschnitt durchgeführt wurden«, erklärte der Weinbauforscher Diego Tomasi, der bei der Präsentation der Ernteprognose die Schutzkonsortien Venetiens vertrat. Mengenmäßig wird mit einer durchschnittlichen Gesamtproduktion gerechnet. Pinot Grigio verliert voraussichtlich 10 bis 15 Prozent, Corvina etwa 5 Prozent. Für andere Sorten sind die Aussichten positiv. Chardonnay soll 5-10 Prozent zulegen, Garganega von ebenen Rebflächen 10-15 Prozent, Glera (DOC und DOCG) 5 bis 10 Prozent. 

Bei den roten Sorten wird für Merlot aus den Gemeinden Soave, Lison und Vicenza ein Plus von 10 bis 15 Prozent geschätzt, die Ernte von Corvinone und Rondinella könnte sich ebenfalls um 10 bis 15 Prozent erhöhen.
 

Landesweit wenig Extremfälle

Im Gegensatz zu anderen landwirtschaftlichen Produkten wie etwa Getreide und Mais ist »die Dürre im Weinberg noch nicht extrem besorgniserregend, außer sporadisch in einigen Gebieten mit skelett- und kalkreichen Böden«, so Riccardo Cotarella gegenüber dem Portal Winenews. Der Präsident der Önologenvereinigung Assoenologi beurteilt die Vegetation in der dritten Juni-Woche als quasi normal. Aber nun beginne Phase mit höherem Wasserbedarf, weil die Trauben größer werden. »Hoffen wir auf Regen, auch weil die Reben nicht wer weiß wie viel Wasser brauchen. Es reichen ein paar Mal 40-50 Millimeter im richtigen Moment, um die Wasserreserven der Pflanzen zu garantieren. Allerdings muss beachtet werden, dass die Traubenproduktion bisher sehr großzügig ist, was einen höheren Wasserverbrauch impliziert«, skizziert Cotarella die aktuelle Lage.

Italiens Weinsektor überlegt, wie dem aufgrund der Klimakrise wachsenden Wassermangel künftig begegnet werden kann. Vorschläge reichen von effektiveren Regenauffanganlagen über Maßnahmen zur Reduzierung des Wasserkonsums bis zur Anlage von Stauseen, der Erforschung von stressresistenten Unterlagen und Rebsorten sowie einer speziellen Bearbeitung der Böden. VC
 

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Ausgabe 13/2022

WEINWIRTSCHAFT 13/2022

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