Wie im Vorjahr: Corona-konform mit großen Abständen (Foto: Speicher)
Wie im Vorjahr: Corona-konform mit großen Abständen (Foto: Speicher)

Das Große-Gewächs-Fazit, Teil I

Erkenntnis 1: 2019 ist besser als 2020 oder 2018. Erkenntnis 2: Unter den 2020er Rieslingen ragen die Lagen im südlichen Rheinhessen und an der Mittelhaardt heraus. Erkenntnis 3: Die Pinots aus 2019 halten in vielen Fällen den hohen Erwartungen stand. Erkenntnis 4: Bei den ersten beiden Weinen, die ausgetrunken waren, handelt es sich um Chardonnay Schlossberg und Spätburgunder Wildenstein von Julian Huber. Der Fokus im VDP.Die Prädikatsweingüter auf den Rieslingen bleibt, aber er weicht etwas auf.

Hier die Eindrücke und Auszüge aus den Bewertungen von meiningers sommelier und MEININGERS WEINWELT. Ausführlich dann in Ausgabe 4/2021 von meiningers sommelier. Die Punktzahlen der Weinwirtschaft folgen in der kommenden Ausgabe 18/2021.

Riesling-Eindrücke

So ganz uneingeschränkt kann man nicht mehr vom Riesling-Land sprechen, auch wenn die absoluten Zahlen noch immer Dominanz ausdrücken. Exakt 269 Rieslinge und 161 sonstige Weine gab es an den drei Tagen der Vorpremiere der Großen Gewächse zu verkosten. Erneut hatte der VDP.Die Prädikatsweingüter eine perfekte Verkostung organisiert.

Rheinhessen und die Pfalz profitieren: Der Wetterumschwung, der 2020 wie so oft Anfang Oktober einsetzte, hinterließ diesmal seine Spuren in den Weinen von Mosel, Saar, Ruwer, Nahe, Mittelrhein und Rheingau. Viele überzeugende GGs, denen oft nur Nuancen zur Klasse vergangener Jahre wie 2018 oder 2019 fehlen. Oft war es die fehlende Spannung aufgrund einer etwas geringeren Konzentration, die Säure zeigt sich nicht immer mit voller Saftigkeit, die Mineralität kippte in wenigen Fällen in Richtung Bitterkeit, die dunklen, an schwarze Johannisbeeren erinnernden Schiefer-Reduktionsnoten fallen 2020 nicht ganz so klar und einladend aus, tendieren zuweilen leicht in Richtung Zwiebel-Reduktion. Immer nur Nuancen, die am Ende im Durchschnitt ein Pünktchen ausmachen.

Kein Wein aus diesen Gebieten erreichte daher die Spitzenbewertung des Jahres von 97 Punkten. Die blieb fünf Rieslingen aus Rheinhessen und der Pfalz vorbehalten. Pettenthal von Kühling-Gillot, Zellerweg am schwarzen Herrgott von Battenfeld-Spanier, Saumagen von Rings, Pechstein von Dr. Bürklin-Wolf und Idig von Christmann.

Weitere 20 Rieslinge aus 2020 erreichten 96 Punkte, sechs davon aus Rheinhessen, je fünf aus der Pfalz und von der Mosel, drei von der Nahe und einer aus Württemberg, wo der Riesling-Aufschwung ungebremst weitergeht.

Ein Riesling aus 2019 erreichte ebenfalls 96 Punkte. Es handelt sich um den Doosberg von Peter Jakob Kühn. Die beste 2020er Kollektion aus dem Rheingau stellte das Weingut Spreitzer vor, das dreimal 95 Punkte erreichte, ebenso klare wie individuelle Handschrift zeigte und als echte Kaufempfehlung gelten muss.

Fünfmal 97 Punkte: Die Überflieger des Jahrgangs 2020

2020 Pettenthal Riesling, Kühling-Gillot

expressiv und strahlend, deutliche Reduktion, geballte Kräuterwürze, viel Estragon, Salbei; dicht und stoffig, leicht hopfig, reifer Pfirsich, hefige Textur, feiner Säurenerv, Earl Grey, große Länge mit Frucht, Salzigkeit und fruchtiger Säure

 

2020 Zellerweg am Schwarzen Herrgott Riesling, Battenfeld-Spanier     

intensiv, leicht Curry, Kurkuma, Apfel und Quitte, auch rauchig, Salzzitrone; saftig am Gaumen, animierend, etwas Kreuzkümmel, Hopfen, griffiges Finale

 

2020 Saumagen Riesling, Rings 

zart rauchig, ätherische Kräuter, gepflegte Pfirsichnote, etwas Hopfen; fokussiert, puristisch und straff, polierte Gerbstoffe, zart kalkige Textur, brillante Klarheit, durchgängig grandiose Spannung

 

2020 Pechstein Riesling , Dr. Bürklin-Wolf           

dezenter Duft, Brotgewürz, dunkle, rauchige Art, Lakritz, Cox-Apfel; enormer Druck, feine, präzise Säure, mineralisch unterlegt, große Länge, grandiose Säurestruktur

 

2020 Idig Riesling, A. Christmann            

minzig, viel Melisse, feine Brotgewürze, helle Zitrusnoten, Grüntee; feinste Reduktion am Gaumen, flintig-rauchig, Johannisbeerholz, druckvoll, aber in keiner Weise fett, mundwässernd und zugleich sehr salzig, straff und feingliedrig, sehr vertikal

Dem Regen getrotzt

Zwar nicht ganz so brillant wie in einigen der Vorjahre, dafür allerdings mit weit weniger Ausreißern nach unten. So liest sich die Bilanz der Mosel nach der Vorpremiere. Hier wurde seitens des VDP ganz offensichtlich bereits im Vorfeld deutlich stärker ausgesiebt. Die stärkste Kollektion hat Schloss Lieser auf die Flasche gebracht, mit je zweimal 95 und 96 Punkten als Spitzenbewertungen. Niederberg-Helden und Juffer-Sonnenuhr strahlen besonders. Weitere herausragende Weine der Mosel sind der Abtsberg von Maximin Grünhaus, Fahrlay-Terrassen von Clemens Busch und Uhlen Roth Lay von Heymann-Löwenstein. Dabei fehlt der Name Van Volxem. Dessen Kollektion kann sich mit viermal 95 Punkten in der Spitze absolut sehen lassen, wenngleich die Strahlkraft der Vorjahre aufgrund der Wetterbedingungen an der Saar nicht zu erreichen war.

Mosel – 2020 Riesling GG

96

2020 Uhlen Roth Lay, Heymann-Löwenstein

2020 Marienburg "Fahrlay-Terrassen", Clemens Busch

2020 Niederberg Helden, Schloss Lieser

2020 Abtsberg, Maximin Grünhaus - von Schubert

2020 Juffer-Sonnenuhr, Schloss Lieser

95

2020 Scharzhofberger "Pergentsknopp", van Volxem

2020 Scharzhofberger, van Volxem

2020 Juffer-Sonnenuhr "Im Falkenberg", Fritz Haag

2020 Gottesfuss, van Volxem

2020 Goldberg, van Volxem

2020 Herrenberg, Maximin Grünhaus - von Schubert

2020 Goldtröpfchen, Schloss Lieser

2020 Sonnenuhr, Schloss Lieser

2020 Röttgen, Knebel

2020 Kupp, Lauer

Gleiches gilt für fast alle Nahe-Weingüter. Reihenweise 95 Punkte, auch dreimal 96 Punkte, für die Brücke und den Höllenpfad im Mühlenberg von Dönnhoff sowie Pittermännchen vom Schlossgut Diel, sprechen für ein sehr hohes Niveau. Die stärkste GG-Kollektion gelang in diesem Jahr Dönnhoff. Jedoch steht die Nahe zum ersten Mal seit vielen Jahren nicht ganz an der Spitze des Riesling-Olymps.

Diesen Platz teilen sich das südliche Rheinhessen (plus Pettenthal von Kühling-Gillot) und die Mittelhaardt (plus Kastanienbusch von Rebholz). Darunter sind auffallend viele Weine von kalkreichen Böden mit guter Wasserspeicherkapazität, offenbar ein wichtiger Punkt im trocken-warmen Sommer 2020, um im Wein durchgängig Spannung und Druck zu erzeugen.

Je nach Lesart ist 2020 zwei bzw. drei rheinhessischen Betrieben eine grandiose Riesling-Kollektion gelungen: Kühling-Gillot und Battenfeld-Spanier (jeweils 97-96-95 Punkte) und Philipp Wittmann, dessen vier Riesling GGs wir durch die Bank mit 96 Punkten bewerteten, auch wenn Morstein und Brunnenhäuschen in Sachen Feinheit noch eine Spur höher einzuschätzen sind. Das starke Gesamtbild Rheinhessens runden positive Überraschungen wie Winters Leckerberg (Jahrgang 2019), Gutzlers Morstein und das Pettenthal vom Rappenhof mit jeweils 95 Punkten ab.

Nahe – 2020 Riesling GG

96

2020 Pittermännchen, Schlossgut Diel

2020 Höllenpfad im Mühlenberg, H. Dönnhoff

2020 Brücke, H. Dönnhoff

95

2020 Goldloch, Schlossgut Diel

2020 Steinberg, Gut Hermannsberg

2020 Hermannshöhle, H. Dönnhoff

2020 Felsenberg, Gut Hermannsberg

2020 Felsenberg, Schäfer-Fröhlich

2020 Felseneck, Schäfer-Fröhlich

2020 Stromberg, Schäfer-Fröhlich

2020 Halenberg, Emrich-Schönleber

2020 Halenberg, Schäfer-Fröhlich

2020 Frühlingsplätzchen, Schäfer-Fröhlich

Rheinhessen 2020 Riesling GG

97

Pettenthal, Kühling-Gillot

Zellerweg am Schwarzen Herrgott, Battenfeld-Spanier

96

Hipping, Kühling-Gillot

Aulerde, Wittmann

Kirchspiel, Wittmann

Frauenberg, Battenfeld-Spanier

Brunnenhäuschen, Wittmann

Morstein, Wittmann

95

Rothenberg, Gunderloch

Pettenthal, Rappenhof

Ölberg, Kühling-Gillot

Ölberg, Schätzel

Liebfrauenstift Kirchenstück, Gutzler

Morstein, Gutzler

Kirchenstück, Battenfeld-Spanier

Einen ähnlich starken Eindruck – in der Spitze wie in der Breite – hinterließ auch die Pfalz. Philipp Kuhn (96 und zweimal 95 Punkte), Rings (97 und 95) und Christmann (97, 96 und zweimal 95) haben beeindruckend gute Kollektionen vorgestellt, Dr. Bürklin-Wolf (je einmal 97, 96 und 95), Bassermann-Jordan (96 und dreimal 95 Punkte) und Rebholz (96, 95, 94 Punkte) sind kaum schwächer einzuschätzen. Außer den genannten erzielten auch Dr. Wehrheim mit dem Kastanienbusch „Köppel“ und Boris Kranz mit dem Kirchberg 95 Punkte und bewiesen, dass die Südpfalz 2020 nicht weit hinter der Mittelhaardt zurücksteht.

Bewertungen von Christoph Nicklas und Sascha Speicher; Text: Sascha Speicher

 

Pfalz 2020 Riesling GG

97

Saumagen, Rings

Pechstein, Dr. Bürklin-Wolf

Idig, A. Christmann

96

Schwarzer Herrgott, Philipp Kuhn

Kirchenstück, Geh. Rat Dr. von Bassermann-Jordan

Langenmorgen, Dr. Bürklin-Wolf

Vogelsang, A. Christmann

Kastanienbusch, Ökonomierat Rebholz

95

Steinbuckel, Philipp Kuhn

Saumagen, Philipp Kuhn

Weilberg, Rings

Pechstein, Geh. Rat Dr. von Bassermann-Jordan

Jesuitengarten, Geh. Rat Dr. von Bassermann-Jordan

Ungeheuer, Geh. Rat Dr. von Bassermann-Jordan

Ungeheuer, Dr. Bürklin-Wolf

Im Sonnenschein, Ökonomierat Rebholz

Kastanienbusch "Köppel", Dr. Wehrheim

Kirchberg, Kranz

Rheingau, Franken und Württemberg 2020 Riesling GG

96

Gips Marienglas, Aldinger

95

Centgrafenberg, Rudolf Fürst

Schlossberg, Schloss Vollrads

St. Nikolaus, Josef Spreitzer

Rosengarten, Josef Spreitzer

Wisselbrunnen, Josef Spreitzer

Gräfenberg, Robert Weil

"Nachzügler" – 2019 Riesling GG

96

Doosberg, Peter Jakob Kühn

95

Hassel, Barth

St. Nikolaus, Peter Jakob Kühn

Hasensprung, Fritz Allendorf

Leckerberg, Winter

Mühlberg, Wachtstetter

Pulvermächer, Karl Haidle

94

Lämmler, Rainer Schnaitmann

Kirchenstück, Reichsrat von Buhl

Johannisberg, Prinz Salm

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