Katharina und Marie-Luise Raumland (Foto: AdLumina/Ralf Ziegler)
Katharina und Marie-Luise Raumland (Foto: AdLumina/Ralf Ziegler)

Absacker - Auf ein Glas mit Katharina und Marie-Luise Raumland

Wie Sekt & Leberwurst zusammenpassen und was einen guten Schaumwein ausmacht, haben uns Marie-Luise und Katharina Raumland verraten …

Interview: Sophia Langhäuser

Was macht einen guten Schaumwein aus?
Marie-Luise: Da spielen viele Faktoren eine entscheidende Rolle. Uns gefällt es besonders gut, wenn ein Schaumwein seine Frische auch im Alter behält. Das ist die Kunst bei der Sektherstellung.
Katharina: Für mich ist es außerdem wichtig, dass man auch noch ein zweites Glas trinken kann, dass es schmeckt und man mehr davon haben will.

Und wie entsteht ein guter Sekt?
Marie-Luise: Zum einen spielt der Erntezeitpunkt eine wichtige Rolle, der ist im Vergleich zum Wein etwas früher, damit wir weniger Alkohol und mehr Säure bekommen. Aber eigentlich geht es schon beim Rebschnitt los, durch ihn können wir schon früh Einfluss auf den späteren Ertrag nehmen. Wenn wir im Weinberg mehr Ertrag haben, führt das dazu, dass wir elegantere Schaumweine bekommen, weil die Säure stärker erhalten bleibt und das Mostgewicht nicht so schnell ansteigt, wodurch die Reifeperiode etwas länger ist.
Katharina: Bei unseren Schaumweinen kommt die Aromatik dann auch durch das Hefelager. Der Grundwein muss aber natürlich das Potenzial mitbringen, damit daraus später ein toller Schaumwein werden kann.

Wie lange lagern Eure Schaumweine auf der Hefe?
Marie-Luise: Zwischen drei und zwölf Jahren, das machen wir von Sekt zu Sekt anders.
Katharina: Es gibt Schaumweine, denen steht ein etwas kürzeres Hefelager besser, diese Sekte sind dann etwas frischer, das kommt aber immer auf den Jahrgang an. Somit kann es auch passieren, dass zum Beispiel der Jahrgang 2015 vor 2014 in den Verkauf kommt. Da hat man im Sektbereich zum Glück genug Spielraum.  

Was unterscheidet einen jungen von einem gereiften Sekt?
Katharina: Grundsätzlich merkt man gerade bei unseren Sekten den Unterschied in der Machart, da unser Vater in den vergangenen 20 Jahren immer wieder etwas an der Sektbereitung verändert hat und auch immer wieder dazugelernt hat. Bei gereiften Sekten spürt man aber auch, dass es immer weiter weg geht von Primäraromen und eher in Richtung Waldboden und Brotkruste.
Marie-Luise: Bei Schaumweinen hat man die sogenannte Maillard-Reaktion, das ist wie beim Fleisch, das, sobald man es anbrät, leicht süßliche Aromen entwickelt. Das hat man beim Schaumwein erst nach dem Degorgieren, durch die Reaktion des enthaltenen Zuckers. Bei alten Sekten hat man sogar oftmals das Gefühl, dass Sie anhand ihrer Aromatik in Richtung Whiskey gehen.

 

Katharina und Marie-Luise Raumland (Foto: AdLumina/Ralf Ziegler)
Katharina und Marie-Luise Raumland (Foto: AdLumina/Ralf Ziegler)

Habt Ihr auch privat einen eigenen Weinkeller, in dem eure „Schätze“ lagern?
Marie-Luise: Wir haben zumindest unsere eigenen Wein-Ecken im Keller, dort stapeln sich schon so einige Kisten – das ist aber hauptsächlich Schaumwein. 

Euer Lieblingschampagner?
Katharina: Die Champagner von Agrapart & Fils trinken wir sehr gerne. Sie sind sehr naturbelassen und straight.
Marie-Luise: Erst letztens haben wir ein paar Flaschen bestellt und als der UPS-Fahrer uns das Paket übergab, ging der Karton von unten auf und alle Flaschen fielen heraus. Das hat wehgetan.

Wann kommt bei Euch eine gute Flasche Sekt auf den Tisch?
Marie-Luise: Immer, denn Schaumweine sind auch wirklich tolle Essensbegleiter. Wenn wir Besuch haben, trinken wir gerne den ganzen Abend Sekt.
Katharina: Man sollte sich davon lösen, Sekt nur als Aperitif zu sehen, vielleicht mal einen guten Weißwein als Aperitif trinken und einen Schaumwein zum Essen. Hauptsache, es macht Spaß!
Marie-Luise: Unsere Mutter sagt immer, das perfekte Essen zum Schaumwein ist die deutsche Leberwurst. Das Fettige der Leberwurst zusammen mit der Frische des Schaumweins ergibt eine tolle Kombination.

Riesling oder Burgundersekt?
Marie-Luise: Wir sind Verfechter von Burgundersorten. Sie haben so viele Facetten und durch sie kann man eine enorme Vielfalt präsentieren.
Katharina: Die Charakteristik vom Riesling dagegen ist eine ganz eigene. Im Wein ist das toll, im Sekt finde ich es aber manchmal etwas zu viel. Zusammen mit der Kohlensäure werden Frucht und Säure stark in den Vordergrund gehoben, was schnell überladen wirken kann. Deswegen machen wir nur in speziellen, ausgewählten Jahren einen Rieslingsekt.

Katharina und Marie-Luise Raumland (Foto: AdLumina/Ralf Ziegler)
Katharina und Marie-Luise Raumland (Foto: AdLumina/Ralf Ziegler)

Hattet Ihr schon immer ein Faible für Sekt?
Marie-Luise: Wir sind quasi mit Schaumwein aufgewachsen, unser Wohnzimmer war eher ein Verkostungsraum und fast alle Gespräche um uns herum haben sich um das Thema Sekt gedreht. Wir haben unsere Ausbildung zwar im Weinbereich gemacht, uns war aber immer klar, dass die Schaumweinbereitung uns immer begleiten wird.

Wie sieht die Aufgabenverteilung bei Euch aus?
Marie-Luise: Das kann man pauschal gar nicht sagen. Wir ziehen alle an einem Strang, was vor allem während der Ernte sehr wichtig ist. Das restliche Jahr über ist Katharina für die Sektherstellung und Lohnversektung zuständig und ich bin der Kopf hinter dem betriebswirtschaftlichen Teil.
Katharina: Man hält sich so gegenseitig in vielen Situationen den Rücken frei. Wenn es einer alleine machen würde, müsste er sich auf die vielen Bereiche aufteilen, aber gemeinsam können wir uns auf das, was gerade wichtig ist, fokussieren.

Habt Ihr bestimmte Pläne für die Zukunft?
Marie-Luise: Wir planen aktuell ein neues Kellereigebäude und einen neuen Sektkeller zu bauen. Wir haben eine sehr große Kapitalbindung, da immer sehr viele Flaschen über Jahre hinweg in unserem Keller lagern, bevor sie in den Verkauf kommen. Wir machen rund 100 000 Flaschen Sekt im Jahr, im Keller liegen allerdings um die eine Million Flaschen, die auf der Hefe liegen und warten, bis sie ihr Optimum erreicht haben. Dieser Qualitätsanspruch übersetzt sich wiederum in Platzbedarf, deswegen müssen wir hier handeln.

 

Marie-Luise und Katharina Raumland sind Sektmacherinnen aus Leidenschaft. Erst vor kurzem sind sie in die Fußstapfen ihres Vaters Volker Raumland getreten und haben das renommierte VDP-Sekthaus in Flörsheim-Dalsheim (Rheinhessen) übernommen. Mit dem Fokus auf traditioneller Flaschengärung, langer Lagerung auf der Hefe und der Arbeit im Takt mit der Natur, produzieren sie einige der besten Riesling- und Burgundersekte Deutschlands.

www.raumland.de       

Ausgabe 01/2023

Erhältlich ab 09.11.2022: Pinot-Pioniere Paul und Sebastian Fürst // Einblick ins Priorat // Gourmet-Adressen in Berlin und weitere Themen

Themen der Ausgabe

Aus dem Ei gepellt

Minimalistisch und dennoch ein absoluter Hingucker: Steak mit gebeiztem Eigelb. Liebhaber außergewöhnlicher Kreationen sollten dieses Rezept unbedingt ausprobieren. Dazu kombiniert Sommelière Ilona Scholl einen Lemberger aus dem Hause Aldinger und macht die Ei-Steak-Komposition perfekt. » Zu Rezept und Weintipp

Fürstlicher Besuch

Paul und Sebastian Fürst vom Weingut Fürst aus Franken stehen für pure, elegante Burgunder und charakterstarke Rieslinge. Mit dem Ziel, die Herkunft der einzelnen Weine mit Präzision zum Vorschein zu bringen, produzieren sie einzigartige Gewächse mit Weltruhm. WEINWELT-Chefredakteurin Ilka Lindemann hat die beiden Winzer während der Weinlese besucht und hinter die Kulissen geschaut.

Klein, aber oho!

Vom traditionellen Chasselas bis hin zur innovativen Piwi-Sorte Divico, gibt es in den Weinregionen der Schweiz eine unglaubliche Anzahl unterschiedlichster Rebsorten zu entdecken. Wir haben uns auf eine vinophile Rundreise durch die Deutschschweiz, das Wallis und das Waadtland begeben und waren beeindruckt von der spannenden Vielfalt, die in dem kleinen Weinland steckt.