Präsentation der Ernteprognose im Ministerium für Agrarpolitik in Rom,  am Rednerpult Lambero Frescobaldi, Präsident der UIV
Präsentation der Ernteprognose im Ministerium für Agrarpolitik in Rom, am Rednerpult Lambero Frescobaldi, Präsident der UIV

50,27 Mill. Hektoliter in Italien

Die Unione Italiana Vini (UIV), Ismea und der Önologenverbund Assoenologi stellten am 14. September 2022 im Ministerium für Agrarpolitik in Rom die diesjährige Ernteprognose vor.

Große Überraschung: Trotz Jahrhundertdürre und Rekord-Hitze wird Italien 2022 voraussichtlich 50,27 Mill. Hektoliter Wein herstellen. Der Wert liegt sogar leicht über der Vorjahresmenge (50,23 Mill. hl) und drei Prozent über dem Durchschnittswert der letzten fünf Jahre.

Sicher hat der Regen, der – endlich – im August und fast flächendeckend gefallen war, das Gros der Ernte gerettet. Zudem sollen umfangreiche Recherchen und Techniken im Weinbau zu Reben geführt haben, die den klimatischen Widrigkeiten gegenüber resistenter geworden sind.
 

Klimaextreme - 46 Prozent weniger Regen

Kämpfen mussten die Pflanzen in jedem Fall. Zwischen Januar und Juli 2022 fiel 46 Prozent weniger Niederschlag als in den letzten 30 Jahren im Durchschnitt gemessen wurde. Der Jahrgang wird als der trockenste seit 1800 in die Geschichte eingehen und er war der heißeste in 50 Jahren. 

Als positiver Begleitumstand von Hitze und Trockenheit gab es rundum kaum Pilzbefall, aber die Flavescence Dorée (Goldgelbe Vergilbung) macht den Winzern vor allem im Veneto zu schaffen. Bis jetzt wird die Qualität der Trauben als gut bis optimal eingestuft, vor allem für Rotweine. Der Alkoholgehalt wird sich im mittel-hohen Bereich bewegen. Die Säure ist bei einigen weißen Sorten leicht reduziert.
 

Nur die Lombardei verliert deutlich

Beim Mengenranking bleibt das Veneto an der Spitze. Es stellt mit 11,5 Mill. hl (-3%) über fünf Prozent der italienischen Gesamtproduktion. Die drei Regionen Venetien, Apulien (10,6 Mill. hl, +3%) und Emilia-Romagna (7,4 Mill. hl, + 4%) stemmen hingegen gemeinsam ganze 59 Prozent der Herstellung. Während die meisten Regionen kaum Verluste zu verbuchen haben, krachte die Menge in der Lombardei um 20 Prozent ein, hauptsächlich aufgrund der Hagelstürme Anfang Juli im Oltrepò-Pavese. 

Auch das Piemont verlor im Verhältnis hohe 9 Prozent. Mit 15 Prozent wird auf Sardinien das höchste Plus erwartet, gefolgt vom der Toskana mit einer Steigerung von 12 Prozent. Trentino-Südtirol, Aostatal, Umbrien und die Basilikata fahren wahrscheinlich jeweils 10 Prozent mehr Trauben ein.
 

Höhere Rentabilität in Frankreich

Italien ist 2022 zwar wieder produktionsstärkster Weinproduzent weltweit, aber immer nagt an der Branche, dass Frankreich der umsatzstärkste ist. »In einer derart heiklen Konjunkturphase wächst zunehmend das Bewusstsein, dass man für den Wert unseres Weines mehr machen kann und muss. Der viel gepriesene Produktionsrekord ist in der Tat keine hinreichende Bedingung für die Schaffung von Wohlstand«, so Lamberto Frescobaldi, der Präsident der UIV auf der Pressekonferenz. 

In Frankreich läge das Einkommen für einen bewirtschafteten Hektar Rebfläche im Schnitt bei 16.600 Euro gegenüber 6.000 Euro in Italien, als Hektoliter-Preis werde bei französischem Wein 294 Euro aufgerufen im Gegensatz zu 82 Euro für Ware aus dem Belpaese. Es sei noch viel zu tun, um eine Rentabilität zu garantieren, die im direkten Verhältnis zur Qualität steht.
 

Exportwert noch im Wachstum

Während der Pressekonferenz wurden ebenfalls die jüngsten Exportwerte des Statistikamtes Istat vorgestellt. Demnach schloss die Italien das erste Halbjahr 2022 dank eines Wachstums von 13,5 Prozent mit einem Wertrekord von 3,8 Mrd. Euro ab. Allerdings wurde kaum mehr Menge bewegt (–0,4%). Abgefüllte Still- und Perlweine steigen im Preis um 10,3 Prozent, schwächeln jedoch leicht beim Absatz (–1,2%). Ein deutlicher, hauptsächlich inflationsbedingter Anstieg ist beim Durchschnittspreis zu verzeichnen, der insgesamt durchschnittlich um 13,1 Prozent anzog. In den USA stieg er auch aufgrund des starken Dollars sogar um 18 Prozent. Somit generierte der US-Exportwert zwar einen Zuwachs von 13,3 Prozent, die Verkäufe gaben jedoch um 3,8 Prozent nach.

Die genauen Erntezahlen werden nach Ende und Bearbeitung der Erfassung im Ernteregister im Frühjahr 2023 erwartet. Es ist vorstellbar, dass die Menge – im Gegensatz zu den vergangenen Jahren – nicht nach oben, sondern nach unten korrigiert werden muss. VC

Ernteprognose Italien 2022 nach Regionen
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Ausgabe 19/2022

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