Goldener Oktober an der Mosel (Foto: Chris Marmann)
Goldener Oktober an der Mosel (Foto: Chris Marmann)

2021: Außergewöhnliches Jahr

»Man muss die Sache relativieren«, meinte ein Teilnehmer aus dem Vorstand der Werbegemeinschaft Moselwein e.V., deren Vorsitzender Henning Seibert, Vorstandsvorsitzender der in ganz Rheinland-Pfalz tätigen Winzergenossenschaft Moselland eG, Bernkastel-Kues, den außergewöhnlichen Vegetationsverlauf 2021, die Lese und das Ernteergebnis auf der Herbstpressekonferenz bekannt gab. 

Die sehr nasse Witterung im Frühjahr und Sommer bescherte aufgrund des hohen Fäulnisdrucks wie andernorts auch eine Menge Arbeit und für ökologisch arbeitende Weinbaubetriebe und Winzer eine ganz besondere Herausforderung, die manchmal mit dem Verlust fast des gesamten Ernteertrags eines Weinbergs einherging. 

Die Ergebnisse der Winzer sind von Betrieb zu Betrieb und Region zu Region höchst unterschiedlich, aber, so das relativierende Argument: »Vor Jahren wäre ein solcher Herbst vollkommen normal, eher sogar vorzüglich gewesen«. Ein im wahrsten Sinne des Wortes »goldener Oktober« sorgte für ein aromatisches Lesegut mit moderaten Zuckerwerten, viel Frucht und einer spritzigen Säure, die dem Riesling als Hauptsorte der Mosel Frische und Finesse verleiht. Also alles was ein Liebhaber feiner Mosselweine in warmen, fetten Jahren eher vermissen würde. 

Die Rieslingernte begann an der Mosel am 4. Oktober und damit im für die Mosel eher gewohnten Zeitrahmen.

Die Erntemenge, respektive die erste Ernteschätzung für 2021, beläuft sich auf 78 Mill. Liter, rund 5 Mill. Liter weniger als im Vorjahr, aber etwas mehr als der zehnjährige Durchschnitt von 74 Mill. Litern. 90 Prozent der Ernte entfällt auf weiße Sorten, rund 7 Mill. Liter auf rote Weine, wie Seibert und der Geschäftsführer des Moselwein e.V., Ansgar Schmitz, auf der Herbst-PK begkanntgaben. Mit im Durchschnitt rund 80 Grad Oechlse beim Riesling hätte das Jahr 2021 vor Jahrzehnten zu einem außergewöhnlich guten Jahr gezählt. Die guten Säurewerte mit einem hohen Anteil an Weinsäure sorgen für eine problemlose saubere Vergärung, worauf sich Moselliebhaber auf elegante, feinziselierte Weine freuen dürfen. 

Mit dem Absatz ihrer Weine zeigten sich die Vertreter der Mosel druchaus zufrieden. Im Lebensmittelhandel war der Absatz im Lockdown deutlich angestiegen. Der Tourismus, wichtiges Standbein der Mosel, profitierte in der Sommersaison von Feriengästen, die wieder mehr Urlaub in Deutschland als außerhalb verbringen wollten. Dirketvermarkter berichten von guten Verkäufen ab Hof, weshalb der 2020er  weitgehend ausverkauft sein dürfte. 

Besser lief es auch im Export. Von Juli 2020 bis Juni 2021 kletterten die Ausfuhren von Moselwein um rund 20 Prozent in Menge und Wert, berichtete der Moselwein e.V. Insgesamt wurden knapp 20 Mill. Liter Wein im Wert von circa 80 Mill. Euro im genannten Zeitraum exportiert. Der Durchschnittspreis lag bei knapp über 4 Euro pro Liter. Wichtigster Markt sind mit einem Anteil von 45 Prozent die USA, gefolgt von China, Hongkong, Norwegen, Großbritannien und den ost- und nordeuropäischen Ländern. hp

Ausgabe 10/2022

WEINWIRTSCHAFT 10/2022

Themen der Ausgabe

Nachhaltigkeit

Das aktuelle Kern- und Reizthema der Branchenkommunikation. Egal ob mit Bio-Siegel oder ohne – im Weinbau gibt es viele kleine und große Schritte zu mehr Nachhhaltigkeit. WEINWIRTSCHAFT hat sich bei verschiedenen Erzeugern umgehört und umgesehen – und ein paar hochinteressante Piwi-Weine verkostet.

»Auf dünnem Eis«

VDP-Präsident Steffen Christmann im Interview über die Qualitätspyramide, GGs für Jedermann und deutschen Sekt. Wie die Zukunft des deutschen Weinbaus aussehen kann und welche Rolle der VDP einnimmt und einnehmen will.

Lombardei

Vermutlich kennen Sie Franciacorta, aber haben Sie schon einmal von Oltrepò Pavese gehört oder gekostet? Über eine unterschätzte Schaumweinappellation im Schatten des bekannten Nachbarn.